Ver­kehrs­re­ge­lung vor der Ret­tungs­wa­che

Ein Ret­tungs­dienst kann stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­che Maß­nah­men ver­lan­gen, wenn die Ver­kehrs­si­tua­ti­on vor der Ret­tungs­wa­che ansons­ten zu wesent­li­chen Ver­zö­ge­run­gen beim Ein­satz von Ret­tungs­fahr­zeu­gen führt.

Ver­kehrs­re­ge­lung vor der Ret­tungs­wa­che

Das ent­schied jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin auf die Kla­ge einer Hilfs­or­ga­ni­sa­ti­on der Not­fall­ret­tung, die in Ber­lin-Frie­denau eine Ret­tungs­wa­che betreibt. Dort sind u.a. ein Not­fall­ret­tungs­wa­gen und ein Inten­siv­trans­port­wa­gen sta­tio­niert, die unmit­tel­bar der Dis­po­si­ti­on der Ber­li­ner Feu­er­wehr unter­ste­hen. Die ans Grund­stück angren­zen­de Stra­ße ist sie­ben Meter breit und darf gegen­wär­tig beid­sei­tig beparkt wer­den. Dies führ­te in der Ver­gan­gen­heit zu Behin­de­run­gen durch par­ken­de oder ent­ge­gen kom­men­de Fahr­zeu­ge und damit zu Ver­zö­ge­run­gen von Not­fall­ein­ät­zen von bis zu 60 Sekun­den. Maß­nah­men wie die Ein­rich­tung einer Ein­bahn­stra­ße oder von Halt­ver­bo­ten lehn­te das Bezirks­amt ab, weil die Ver­zö­ge­run­gen nur unwe­sent­lich sei­en.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ver­pflich­te­te nun das Bezirks­amt dazu, stra­ßen­ver­kehrs­recht­li­che Anord­nun­gen zu tref­fen, um der auf der gegen­wär­ti­gen Situa­ti­on beru­hen­den Gefahr ver­zö­ger­ter Ret­tungs­ein­sät­ze wirk-sam zu begeg­nen.

In der Not­fall­ret­tung kom­me dem zeit­na­hen Ein­tref­fen der Ret­tungs­kräf­te am Ein­satz­ort ent­schei­den­de Bedeu­tung zu. Ret­tungs­kräf­te müss­ten etwa bei Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen oder Schlag­an­fäl­len inner­halb weni­ger Minu­ten beim Pati­en­ten ein­tref­fen, um wei­te­re erheb­li­che kör­per­li­che Schä­den oder gar den Tod zu ver­hin­dern.

In Ber­lin müs­se ein Not­fall­ret­tungs­wa­gen dem­ge­mäß inner­halb von acht Minu­ten ab Alar­mie­rung bei der hilfs­be­dürf­ti­gen Per­son ein­tref­fen. Daher sei auch eine Ver­zö­ge­rung von nur bis zu einer Minu­te nicht uner­heb­lich. Der Stra­ßen­ver­kehrs­be­hör­de sei des­halb zu einem Tätig­wer­den ver­pflich­tet; wel­che Maß­nah­men sie aber im Ein­zel­nen tref­fe, um Ver­zö­ge­run­gen durch den Gegen­ver­kehr aus­zu­räu­men, ste­he in ihrem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 6. Febru­ar 2017 – VG 11 K 339.16