Volks­ver­het­zung mit Wahl­pla­ka­ten?

Der Slo­gan „Geld für die Oma statt für Sin­ti und Roma” stellt kei­ne Volks­ver­het­zung dar. Es wird nicht ein­deu­tig zu Will­kür­maß­nah­men gegen Roma und Sin­ti auf­ge­for­dert. Man kann den Slo­gan auch so aus­le­gen, dass staat­li­che Gel­der eher der älte­ren Genera­ti­on zukom­men sol­len als den genann­ten Volks­grup­pen.

Volks­ver­het­zung mit Wahl­pla­ka­ten?

So das Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel in dem hier vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren, mit dem sich die NPD dage­gen gewandt hat, dass in Bad Hers­feld ihre Wahl­pla­ka­te abge­hängt wor­den sind. Die NPD wirbt für die anste­hen­de Bun­des­tags­wahl auf ihren Pla­ka­ten mit dem Slo­gan „Geld für die Oma statt für Sin­ti und Roma”. Die Stadt Bad Hers­feld sieht in dem Slo­gan eine Straf­tat ver­wirk­licht: Volks­ver­het­zung gemäß § 130 StGB und hat dar­auf­hin alle Pla­ka­te die­ser Par­tei im Stadt­ge­biet abhän­gen las­sen. Dage­gen wand­te sich die NPD per Eil­an­trag an das Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel.

Mit sei­ner Ent­schei­dung ist das Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel nicht der Ansicht der Stadt Hers­feld gefolgt: Mit dem Slo­gan wer­de nicht ein­deu­tig zu Will­kür­maß­nah­men gegen Roma und Sin­ti auf­ge­for­dert. Das sei etwa dann der Fall, wenn der Slo­gan dazu auf­for­dern wür­de, Roma und Sin­ti die ihnen recht­lich zuste­hen­den Sozi­al­leis­tun­gen zu neh­men. Den Slo­gan kön­ne man aller­dings auch so aus­le­gen, dass staat­li­che Gel­der eher der älte­ren Genera­ti­on zukom­men sol­len als den genann­ten Volks­grup­pen. Und dies bedeu­te dann eben nicht zwangs­läu­fig eine Dis­kri­mi­nie­rung die­ser Volks­grup­pen. Da man die­se Aus­le­gung aber nicht aus­schlie­ßen kön­ne, lie­ge kei­ne Volks­ver­het­zung vor.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt sieht durch­aus, dass Bür­ger mit dem Slo­gan der NPD eine Abwer­tung von Volks­grup­pen ver­bin­den kön­nen. Weil der Slo­gan aber nicht als Volks­ver­het­zung zu wer­ten sei, müss­ten die Wahl­pla­ka­te in einer Demo­kra­tie auch von denen hin­ge­nom­men wer­den, die ande­rer Auf­fas­sung sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel, Beschluss vom 10. Sep­tem­ber 2013 – 4 L 1117/​13.KS