Zwi­schen­ur­teil

Ein Zwi­schen­ur­teil kann auch dann noch erge­hen, wenn sich das Ver­wal­tungs­ge­richt schon mit Fra­gen der Begründ­etheit aus­ein­an­der­ge­setzt, gege­be­nen­falls sogar schon Beweis erho­ben hat.

Zwi­schen­ur­teil

Gemäß § 109 VwGO kann über die Zuläs­sig­keit der Kla­ge vor­ab ent­schie­den wer­den. Durch das Tat­be­stands­merk­mal „vor­ab“ wird dabei zum Aus­druck gebracht, dass das Zwi­schen­ur­teil vor dem End­ur­teil erge­hen muss; wel­chen Stand das Ver­fah­ren im Übri­gen, also ins­be­son­de­re im Hin­blick auf die Prü­fung der Begründ­etheit der Kla­ge erreicht hat, ist jeden­falls danach unbe­acht­lich.

Auch aus Sinn und Zweck des Zwi­schen­ur­teils folgt nichts grund­le­gend ande­res.

§ 109 VwGO dient der Pro­zess­öko­no­mie: Es soll durch die Klä­rung der Zuläs­sig­keit der Kla­ge (oder auch ein­zel­ner Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen) zum einen ver­mie­den wer­den, dass sich das Gericht und die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten mit dem – mög­li­cher­wei­se schwie­ri­gen und umfang­rei­chen – Pro­zess­stoff abschlie­ßend in der Sache befas­sen müs­sen [1].

Zum ande­ren soll mit dem Insti­tut des Zwi­schen­ur­teils auch eine Ent­las­tung der Gerich­te und der Betei­lig­ten erreicht wer­den. Der Fort­gang des Ver­fah­rens wird über­schau­ba­rer, das wei­te­re pro­zes­sua­le Ver­hal­ten erhält eine gesi­cher­te Grund­la­ge [2].

Zwi­schen­ur­tei­le haben somit den Zweck, den Pro­zess­stoff zu straf­fen, wenn sowohl über die Zuläs­sig­keit als auch über die Begründ­etheit einer Kla­ge gestrit­ten wird [3].

Hier­aus folgt, dass der Erlass eines Zwi­schen­ur­teils nicht davon abhän­gig ist, ob sich das Gericht und die Betei­lig­ten mit dem Pro­zess­stoff, also der Begründ­etheit der Kla­ge, schon (näher) befasst haben oder nicht, son­dern allein davon, ob es aus Sicht des Gerichts aus pro­zess­öko­no­mi­schen Grün­den gerecht­fer­tigt ist, vor­ab über (strei­ti­ge) Zuläs­sig­keits­fra­gen zu ent­schei­den.

Wie sich bereits aus dem Wort­laut des § 109 VwGO ergibt, steht der Erlass eines Zwi­schen­ur­teils im Ermes­sen des Gerichts [4]. Aus­ge­hend von Sinn und Zweck der Norm hat sich die Aus­übung die­ses Ermes­sens allein am Gesichts­punkt der Pro­zess­öko­no­mie zu ori­en­tie­ren. Das Gericht hat dem­nach vor Erlass eines Zwi­schen­ur­teils die Gefahr der Pro­zess­ver­schlep­pung und ‑zer­split­te­rung einer­seits sowie die Aus­sicht, durch ein Zwi­schen­ur­teil das Ver­fah­ren ins­ge­samt zu ent­las­ten, ande­rer­seits gegen­ein­an­der abzu­wä­gen [5].

Gericht­li­ches Ermes­sen

Wie sich bereits aus dem Wort­laut des § 109 VwGO ergibt, steht der Erlass eines Zwi­schen­ur­teils im Ermes­sen des Gerichts [4]. Aus­ge­hend von Sinn und Zweck der Norm hat sich die Aus­übung die­ses Ermes­sens allein am Gesichts­punkt der Pro­zess­öko­no­mie zu ori­en­tie­ren. Das Gericht hat dem­nach vor Erlass eines Zwi­schen­ur­teils die Gefahr der Pro­zess­ver­schlep­pung und ‑zer­split­te­rung einer­seits sowie die Aus­sicht, durch ein Zwi­schen­ur­teil das Ver­fah­ren ins­ge­samt zu ent­las­ten, ande­rer­seits gegen­ein­an­der abzu­wä­gen [5].

Wei­ter­ge­hen­de Anfor­de­run­gen an die Ermes­sens­aus­übung bestehen – ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Beklag­ten – nicht. Das hat zur Fol­ge, dass im Rah­men eines Rechts­mit­tel­ver­fah­rens die Ermes­sens­ent­schei­dung des Gerichts nicht auf sei­ne Zweck­mä­ßig­keit hin über­prüft wird [6], son­dern nur dar­auf­hin, ob sie auf sach­frem­den Erwä­gun­gen oder gro­ben Fehl­ein­schät­zun­gen beruht [7].

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 21. Janu­ar 2015 – 4 B 42.2014 -

  1. BVerwG, Urteil vom 04.02.1982 – 4 C 58.81, BVerw­GE 65, 27, 29; Lind­ner, in: Posser/​Wolff, Beck´scher Online Kom­men­tar VwGO, Stand 1.10.2014, § 109 vor Rn. 1[]
  2. vgl. Clausing, in: Schoch/​Schneider/​Bier, VwGO, Stand März 2014, § 109 Rn. 2[]
  3. BGH, Kar­tell­se­nat, Beschluss vom 11.11.2008 – EnVR 1/​08RdE 2009, 185 – citi­works[]
  4. sie­he schon BVerwG, Urtei­le vom 22.06.1962 – 4 C 245.61, BVerw­GE 14, 273, 279; und vom 04.02.1982 – 4 C 58.81, BVerw­GE 65, 27, 29[][]
  5. vgl. Wolff, in: Sodan/​Ziekow, VwGO, 4. Aufl.2014, § 109 VwGO Rn. 16 m.w.N.[][]
  6. BVerwG, Urteil vom 22.06.1962 – 4 C 245.61, BVerw­GE 14, 73, 279[]
  7. so BVerwG, Beschlüs­se vom 10.04.1992 – 9 B 142.91, Buch­holz 310 § 130a VwGO Nr. 5 2; vom 03.09.1992 – 11 B 22.92, Buch­holz 442.10 § 4 StVG Nr. 88 4; und vom 03.02.1999 – 4 B 4.99, Buch­holz 310 § 130a VwGO Nr. 33 7 m.w.N. jeweils zur Ermes­sens­ent­schei­dung nach § 130a VwGO[]