Der ört­li­che Gerichts­stand und die Anzahl der Bau­be­ge­hun­gen

Sind bei einem Pro­jekt­con­tol­ling­ver­trag Bau­be­ge­hun­gen ledig­lich in gewis­sen, im Ver­trag nicht näher fest­ge­leg­ten "regel­mä­ßi­gen" Abstän­den punk­tu­ell vor­ge­se­hen, um den Bau­fort­schritt ein­schließ­lich "all­ge­mei­ner Aus­füh­rungs­stan­dards und ‑qua­li­tä­ten" im Rah­men einer äußer­li­chen Inaugen­sch­ein­nah­me fest­zu­stel­len, so wer­den die ver­trag­li­chen Leis­tun­gen schwer­punkt­mä­ßig im Büro des Auf­trag­neh­mers erbracht.

Der ört­li­che Gerichts­stand und die Anzahl der Bau­be­ge­hun­gen

Bei gegen­sei­ti­gen Ver­trä­gen ist der Erfül­lungs­ort grund­sätz­lich für jede der gegen­sei­ti­gen Ver­pflich­tun­gen geson­dert zu bestim­men und nicht not­wen­dig ein­heit­lich 1. Bei orts­be­zo­ge­ner Ver­pflich­tung der ver­trags­cha­rak­te­ris­ti­schen Werk- oder Dienst­leis­tung kann jedoch ein gemein­sa­mer Erfül­lungs­ort anzu­neh­men sein 2. Beim Bau­werk­ver­trag ist nach gefes­tig­ter höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung gemein­sa­mer Erfül­lungs­ort der bei­der­sei­ti­gen Ver­pflich­tun­gen in der Regel der Ort, wo das Bau­werk errich­tet wird 3. Bei Archi­tek­ten­ver­trä­gen besteht nach herr­schen­der Ansicht grund­sätz­lich kein gemein­sa­mer Erfül­lungs­ort für die bei­der­sei­ti­gen Leis­tungs­pflich­ten 4. Hier kommt es dar­auf an, wo im Ein­zel­fall der Schwer­punkt der von dem Archi­tek­ten geschul­de­ten ein­heit­li­chen Werk­leis­tung liegt 5. Ver­pflich­tet sich der Archi­tekt, die Pla­nung und die voll­stän­di­ge Bau­auf­sicht für ein Bau­vor­ha­ben zu erbrin­gen, liegt der Schwer­punkt sei­ner Leis­tung am Ort des Bau­wer­kes 6. Wird jedoch neben der Pla­nung ledig­lich ein eher unter­ge­ord­ne­ter Teil der Bau­über­wa­chung über­nom­men, so liegt der Schwer­punkt der Leis­tung im Büro des Archi­tek­ten 7.

Aller­dings muss der Pro­jekt­con­trol­ling­ver­trag von der Archi­tek­ten­leis­tung nach dem Leis­tungs­ka­ta­log der HOAI schon im Aus­gangs­punkt deut­lich unter­schie­den wer­den. Ins­be­son­de­re schul­det der Pro­jekt­steue­rer oder ‑con­trol­ler nor­ma­ler­wei­se kei­ne Bau­über­wa­chung, wie sie dem Leis­tungs­bild der HOAI ent­spricht. Die HOAI gilt für der­ar­ti­ge Leis­tun­gen auch grund­sätz­lich nicht 8. Sind im Rah­men eines Pro­jekt­steue­rungs- und Bau­be­treu­ungs­ver­tra­ges im Wesent­li­chen Bera­tungs- und Kon­troll­leis­tun­gen zu erbrin­gen, so wer­den die­se, auch wenn sie durch­aus einen Bezug zum Ort der Bau­stel­le haben, schwer­punkt­mä­ßig im Büro des Auf­trag­neh­mers erbracht 9.

Wen­det man die vor­ge­nann­ten Grund­sät­ze ent­spre­chend auf den vor­lie­gen­den Pro­jekt­con­trol­ling-Ver­trag an, so ist fest­zu­stel­len, dass der Schwer­punkt der von der Beklag­ten geschul­de­ten ein­heit­li­chen Leis­tung an deren Büro­sitz in Frank­furt liegt.

Dass der Schwer­punkt der ver­trags­ge­mä­ßen Leis­tun­gen der Beklag­ten in der Büro­tä­tig­keit und nicht am Ort der Bau­stel­le liegt, geht des­wei­te­ren aus ihrer in der Spe­zi­fi­ka­ti­on her­vor­ge­ho­be­nen Beschrei­bung des „Vor­teils“ des von ihr ange­bo­te­nen pro­ak­ti­ven Con­trol­lings her­vor, die wie folgt lau­tet: “Fest­stel­len von Leis­tungs-/Qua­li­täts­ab­wei­chun­gen vor Aus­füh­rung mit ent­spre­chen­den Ein­fluss­mög­lich­kei­ten, Nut­zung der Ergeb­nis­se des Con­trol­lings als Steue­rungs­in­stru­ment“. Danach hat die Beklag­te, erkenn­bar für die Klä­ge­rin als Erklä­rungs­emp­fän­ger, die hier­auf übri­gens in der Kla­ge­schrift beson­ders hin­weist, gera­de die von ihr ange­bo­te­nen Prü­fungs­leis­tun­gen vor Beginn der Bau­aus­füh­rung im Vor­der­grund ihres Con­trol­ling gese­hen.

Dass die kla­gen­de Stadt, die über ein Bau­amt ver­fügt, mit dem Con­trol­ling-Ver­trag die Erwar­tung einer qua­li­fi­zier­ten Bau­über­wa­chung durch die Beklag­te ver­bun­den hat, erscheint auch wenig nahe­lie­gend, wenn man die von der Beklag­ten in dem Hono­rar­an­ge­bot vom 14.10.2005 mit­ge­teil­ten Hin­wei­se auf die Aus­bil­dung und den beruf­li­chen Hin­ter­grund der von ihr im Pro­jekt­team“ invol­vier­ten Mit­ar­bei­ter ein­be­zieht. Denn unter den auf­ge­führ­ten Mit­ar­bei­tern befin­det sich ersicht­lich kein Archi­tekt oder Inge­nieur mit aus­ge­wie­se­ner Erfah­rung bei der Bau­lei­tung oder Detail­über­wa­chung von Bau­pro­jek­ten nach Art des ein­schlä­gi­gen HOAI-Leis­tungs­bil­des.

Letzt­end­lich spricht dafür, dass der Schwer­punkt der ver­trags­ge­mä­ßen Leis­tun­gen der Beklag­ten in der Büro­tä­tig­keit und nicht am Ort der Bau­stel­le liegt, auch die von der Beklag­ten als Anla­ge B1 vor­ge­leg­te Auf­stel­lung des bei den ver­schie­de­nen Mit­ar­bei­tern ange­fal­le­nen Stun­den­auf­wan­des mit jewei­li­ger Leis­tungs­be­schrei­bung, den die Klä­ge­rin als sol­chen nicht bestrit­ten hat. Danach betrifft ledig­lich ein ganz unter­ge­ord­ne­ter Teil die Bau­be­ge­hun­gen, wohin­ge­gen der weit­aus über­wie­gen­de Teil auf die Durch­sicht und Über­prü­fung von Ver­trags- und Aus­schrei­bungs­un­ter­la­gen sowie Pro­to­kol­len, die Füh­rung von Tele­fon­ge­sprä­chen und Tele­fon­kon­fe­ren­zen sowie der Abfas­sung von Ver­mer­ken, E‑Mails und Brie­fen ent­fällt.

Land­ge­richt Hei­del­berg, Beschluss vom 26. Novem­ber 2012 – 3 O 237/​12

  1. BGHZ 157, 20, 23[]
  2. vgl. Zöller/​Vollkommer, ZPO, 29. Auf­la­ge, § 29 ZPO Rn. 24 m.w.N.[]
  3. Zöller/​Vollkommer, aaO § 29 ZPO Rn. 25 Stich­wort „Bau­werk­ver­trag“ m.w.N.[]
  4. Zöller/​Vollkommer, aaO § 29 ZPO Rn. 25 Stich­wort „Archi­tek­ten­ver­trag“ m.w.N.; Musielak/​Heinrich, ZPO, 9. Auf­la­ge 2012, § 29 ZPO Rn. 30[]
  5. vgl. BGH NJW 2001, 1936 Tz. 29 f.[]
  6. BGH NJW 2001, 1936 Tz. 30[]
  7. LG Hei­del­berg, Bschluss vom 18.12.2006 – 2 O 245/​06NJW-RR 2007, 1030 – künst­le­ri­sche Ober­lei­tung gem. § 15 Abs. 3 HOAI a.F., d.h. Über­wa­chen der Her­stel­lung des Bau­ob­jek­tes hin­sicht­lich der Ein­zel­hei­ten der Gestal­tung[]
  8. vgl. für den Pro­jekt­steue­rungs­ver­trag BGH BauR 2007, 724 Tz. 18[]
  9. OLG Köln, Beschluss vom 12.05.2010 – 8 W 34/​10BauR 2010, 1112 Tz. 2[]