Die Erwei­ter­ten Hono­rar­ver­tei­lung der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Hes­sen

In Hes­sen haben Ver­trags­ärz­tin­nen und Ver­trags­ärz­te – neben Ansprü­chen gegen­über dem Ver­sor­gungs­werk der Lan­des­ärz­te­kam­mer – auch Ver­sor­gungs­an­sprü­che gemäß der soge­nann­ten Erwei­ter­ten Hono­rar­ver­tei­lung (EHV) der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Hes­sen (KV). Nach den sat­zungs­recht­li­chen Bestim­mun­gen der KV wird ein bestimm­ter Anteil der von den Kran­ken­kas­sen zur Ver­gü­tung der ver­trags­ärzt­li­chen Leis­tun­gen bezahl­ten Hono­ra­re nicht an die berufs­tä­ti­gen Ärz­te als Erbrin­ger die­ser Leis­tun­gen ver­teilt. Die­ser Hono­rar­an­teil wird viel­mehr den aus dem Berufs­le­ben aus­ge­schie­de­nen Ver­trags­ärz­ten oder deren Hin­ter­blie­be­nen aus­ge­zahlt.

Die Erwei­ter­ten Hono­rar­ver­tei­lung der Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gung Hes­sen

Im Hin­blick auf die demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung erfolg­te im Jahr 2006 eine grund­sätz­li­che Neu­aus­rich­tung der Hono­rar­ver­tei­lung. Für die Zeit ab dem 3. Quar­tal 2006 wur­de ein soge­nann­ter Nach­hal­tig­keits­fak­tor ein­ge­führt, der eine deut­li­che Absen­kung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge bewirkt. Die­se Neu­re­ge­lung hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richts jetzt in vier Par­al­lel­ver­fah­ren wegen Ver­let­zung der Eigen­tums­ga­ran­tie für rechts­wid­rig erklärt.

Der auf­grund der Neu­re­ge­lung ab dem 3. Quar­tal 2006 ein­ge­tre­te­nen Kür­zung ihrer Ver­sor­gungs­be­zü­ge um ca. 6 % wider­sprach eine Viel­zahl ehe­ma­li­ger Ver­trags­ärz­te aus Hes­sen. Sie ver­sto­ße gegen die Eigen­tums­ga­ran­tie und sei daher ver­fas­sungs­wid­rig. Die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung (KV) ver­wies hin­ge­gen dar­auf, dass der Nach­hal­tig­keits­fak­tor zur Kom­pen­sa­ti­on künf­ti­ger demo­gra­fi­schen Ver­wer­fun­gen auf­grund der Alters­struk­tur sowie der zuneh­men­den Lebens­er­war­tung erfor­der­lich sei. Im Jah­re 2040 wer­de das Ver­hält­nis der EHV-Bezie­her zu den akti­ven Ver­trags­ärz­ten 1:0,8 (2005: 1:1,67) betra­gen. Bei unver­än­der­ter Fort­füh­rung der EHV wer­de der Umla­ge­satz von unter 6 % (2006) auf ca. 10 % stei­gen. Mit dem Nach­hal­tig­keits­fak­tor hin­ge­gen wer­de die Belas­tung der akti­ven Ärz­te dau­er­haft auf einen Umla­ge­satz von 5 % beschränkt.

Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt erklär­te nun den Nach­hal­tig­keits­fak­tor für ver­fas­sungs­wid­rig. Nach­hal­tig­keits­fak­tor sei unver­hält­nis­mä­ßig und ver­let­ze die Eigen­tums­ga­ran­tie. Die erwor­be­nen Ansprü­che aus der EHV stün­den – eben­so wie Ansprü­che auf Ren­ten aus der Sozi­al­ver­si­che­rung – unter dem Schutz der ver­fas­sungs­recht­li­chen Eigen­tums­ga­ran­tie. Der Nach­hal­tig­keits­fak­tor stel­le sich in sei­ner kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung als unver­hält­nis­mä­ßi­ge Belas­tung dar. Durch das Ein­frie­ren der Belas­tung der akti­ven Ärz­te auf 5 % ihres Hono­rars müss­ten die nicht mehr akti­ven Ärz­tin­nen und Ärz­te in Hes­sen letzt­lich die Las­ten allein tra­gen. Kon­kret bedeu­te dies eine 6 %ige Absen­kung zu Beginn der Reform 2006 ver­bun­den mit einer stets wei­ter vor­an­schrei­ten­den Min­de­rung der Ver­sor­gungs­be­zü­ge. Zudem ermög­li­che es die strei­ti­ge Rege­lung den Ver­sor­gungs­be­zie­hern nicht, sich auf die neue Rechts­la­ge in ange­mes­se­ner Zeit ein­zu­stel­len.

Über die zahl­rei­chen – mehr als 3.000 – noch anhän­gi­gen Wider­spruchs­ver­fah­ren wird die Kas­sen­ärzt­li­che Ver­ei­ni­gung nun ent­spre­chend zu ent­schei­den haben.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urtei­le vom 27. Juni 2012 – L 4 KA 43/​11, 45/​11, 46/​11, 47/​11