Die Ver­fü­gungs­be­fug­nis im Ver­mö­gens­recht

Ver­fü­gungs­be­fug­ter im Sin­ne von § 2 Abs. 3 VermG ist nicht, wer selbst (Mit-)Berechtigter ist. Das Rechts­ver­hält­nis der Mit­be­rech­tig­ten nach § 2 Abs. 1, 1a VermG unter­ein­an­der bestimmt sich nicht nach den Vor­schrif­ten des Ver­mö­gens­ge­set­zes über das Ver­hält­nis zwi­schen dem Berech­tig­ten und dem Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten, son­dern nach dem Gemein­schafts­ver­hält­nis der Mit­be­rech­tig­ten, bei Mit­er­ben also nach den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs über die Erben­ge­mein­schaft.

Die Ver­fü­gungs­be­fug­nis im Ver­mö­gens­recht

Die Ansprü­che auf Aus­keh­rung von Mie­te und auf Scha­dens­er­satz wegen Ver­let­zung des Unter­las­sungs­ge­bots nach § 3 Abs. 3 Satz 1 VermG rich­ten sich gegen den Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten im Sin­ne von § 2 Abs. 3 VermG. Der Anspruch auf Frei­stel­lung nach § 16 Abs. 10 Satz 3 VermG rich­tet sich gegen den, der das Pfand­recht bestellt hat. Das ist nor­ma­ler­wei­se der Ver­fü­gungs­be­rech­tig­te 1. Der Frei­stel­lungs­an­spruch könn­te auch einen Drit­ten tref­fen.

Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ter nach § 2 Abs. 3 Satz 1 VermG ist der Eigen­tü­mer oder der­je­ni­ge, der Ver­fü­gungs­macht über den Resti­tu­ti­ons­ge­gen­stand hat.

Wer selbst Berech­tig­ter ist, kann nicht Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ter sein.

Nach dem Wort­laut des § 2 Abs. 3 VermG wäre zwar auch der Berech­tig­te Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ter, wenn er vor Erlass des Resti­tu­ti­ons­be­scheids schon Eigen­tü­mer des Resti­tu­ti­ons­ge­gen­stands ist oder Ver­fü­gungs­macht dar­über hat. Inso­weit geht der Wort­laut der Vor­schrift aber über deren Zweck hin­aus und führ­te zu Ergeb­nis­sen, die ihrem Zweck wider­sprä­chen. Er ist des­halb teleo­lo­gisch ein­schrän­kend dahin aus­zu­le­gen, dass Ver­fü­gungs­be­fug­ter nur ist, wer nicht selbst (Mit-)Berechtigter ist.

Der Ver­fü­gungs­be­rech­tig­te steht zu dem Berech­tig­ten in einem treu­hand­ähn­lich aus­ge­stal­te­ten Ver­hält­nis 2. Die­se Rechts­be­zie­hung ist zwar nicht umfas­send, son­dern nur in ein­zel­nen, von dem Gesetz her­vor­ge­ho­be­nen Fäl­len wie ein Treu­hand­ver­hält­nis aus­ge­bil­det 3. Des­halb ist der Ver­fü­gungs­be­rech­tig­te etwa weder ver­pflich­tet, sich um eine Ver­bes­se­rung der Erträ­ge des Resti­tu­ti­ons­grund­stücks zu bemü­hen 4 noch dazu, sich bei Gläu­bi­gern, deren For­de­run­gen durch Grund­pfand­rech­te an dem Grund­stück gesi­chert sind, für eine Stun­dung der For­de­run­gen ein­zu­set­zen 5. Im Übri­gen aber hat er die Inter­es­sen des Berech­tig­ten zu wah­ren. Er hat nach § 3 Abs. 3 Satz 1 VermG Ver­fü­gun­gen und die Ein­ge­hung lang­fris­ti­ger schuld­recht­li­cher Ver­pflich­tun­gen in Anse­hung des Resti­tu­ti­ons­ge­gen­stands grund­sätz­lich zu unter­las­sen. Er muss die zu resti­tu­ie­ren­de Sache erhal­ten 6 und ent­spre­chen­de Maß­nah­men so durch­füh­ren, wie es dem Inter­es­se des Berech­tig­ten ent­spricht (§ 3 Abs. 3 Satz 6 VermG) 7. In die­sem Rah­men muss er etwa die Erträ­ge des Grund­stücks dazu ein­set­zen, die For­de­run­gen zu bedie­nen, die durch Grund­pfand­rech­te an dem Grund­stück gesi­chert sind 5.

Grund­la­ge die­ser Aus­ge­stal­tung der Rechts­stel­lung des Ver­fü­gungs­be­rech­tig­ten ist die – im Nor­mal­fall auch zutref­fen­de – Über­le­gung, dass der Ver­fü­gungs­be­rech­tig­te nach der Stel­lung eines Resti­tu­ti­ons­an­trags, der sich als begrün­det erweist, nur noch "Eigen­tü­mer auf Zeit" ist. Er wird sein Eigen­tum nach § 34 Abs. 1 VermG mit dem Ein­ritt der Bestands­kraft des Resti­tu­ti­ons­be­scheids und der ande­ren in der Vor­schrift genann­ten Bedin­gun­gen ver­lie­ren. In dem mehr oder weni­ger lan­gen Zeit­raum bis zu die­sem Zeit­punkt ist er – mit den erwähn­ten Ein­schrän­kun­gen – ledig­lich Sach­wal­ter des Berech­tig­ten. Auf einen Eigen­tü­mer, der selbst (Mit-)Berechtigter ist, trifft die­ser Grund­ge­dan­ke nicht zu. Er ver­liert sein Eigen­tum nicht. Er bleibt viel­mehr – zusam­men mit den ande­ren Mit­be­rech­tig­ten – Eigen­tü­mer. Er kann nicht auf die Rol­le des Sach­wal­ters frem­der Ange­le­gen­hei­ten ver­wie­sen wer­den. Wel­che Befug­nis­se ihm im Ver­hält­nis zu den übri­gen Mit­be­rech­tig­ten zuste­hen, kann des­halb nur aus sei­ner Eigen­tums­stel­lung und damit aus dem Gemein­schafts­ver­hält­nis zu den Mit­be­rech­tig­ten bestimmt wer­den. Bei einer Erben­ge­mein­schaft, um die es hier geht, sind das die Rege­lun­gen über die Ver­wal­tungs­be­fug­nis­se der Mit­glie­der einer Erben­ge­mein­schaft, nament­lich § 2038 BGB. Nach die­sen Vor­schrif­ten rich­tet sich auch, ob und in wel­chem Umfang ein aus­ge­schie­de­nes Mit­glied der Erben­ge­mein­schaft die­ser gegen­über zum Ersatz von Schä­den aus einem Ver­stoß gegen die erben­ge­mein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben für die Ver­wal­tung des Nach­las­ses ver­pflich­tet ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 18. Okto­ber 2013 – V ZR 281/​11

  1. BGH, Urteil vom 16.12.2005 – V ZR 195/​04, NJW-RR 2006, 733, 735 Rn. 17; vgl. auch Urteil vom 17.10.2008 – V ZR 31/​08, NJW 2009, 1813, 1814 f. Rn. 17[]
  2. BGH, Urtei­le vom 16.12.1994 – V ZR 177/​93, BGHZ 128, 210, 211; vom 30.09.2005 – V ZR 185/​04, ZOV 2005, 359, 360; und vom 18.09.2009 – V ZR 118/​08, NJW-RR 2010, 590, 592 Rn.20; BGH, Urteil vom 16.12.2004 – III ZR 72/​04, NJW-RR 2005, 391, 392[]
  3. BGH, Urteil vom 16.12.2004 – III ZR 72/​04, NJW-RR 2005, 391, 392; BGH, Urteil vom 06.07.2007 – V ZR 244/​06, ZOV 2007, 142, 143 Rn. 13[]
  4. BGH, Urteil vom 29.06.2007 – V ZR 257/​06, NJW-RR 2007, 1611, 1612 Rn. 10 und vom 06.07.2007 – V ZR 244/​06, ZOV 2007, 142, 143 Rn. 1416[]
  5. BGH, Urteil vom 18.09.2009 – V ZR 118/​08, NJW-RR 2010, 590, 592 Rn.20[][]
  6. BGH, Urteil vom 28.06.2002 – V ZR 165/​01, WM 2002, 2425, 2427; BGH, Urteil vom 16.12.2004 – III ZR 72/​04, NJW-RR 2005, 391, 393[]
  7. BGH, Urteil vom 06.07.2007 – V ZR 244/​06, ZOV 2007, 142, 143 Rn. 13[]