Gold­rap­per – Rap-Musik als Hin­ter­grund-Loop

Bei Musik­stü­cken liegt die für die Annah­me eines urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Werks erfor­der­li­che schöp­fe­ri­sche Eigen­tüm­lich­keit in ihrer indi­vi­du­el­len ästhe­ti­schen Aus­drucks­kraft. Eine indi­vi­du­el­le schutz­fä­hi­ge Leis­tung kann sich nicht nur aus der Melo­die und dem Ein­satz der musi­ka­li­schen Aus­drucks­mit­tel der Rhyth­mik, des Tem­pos, der Har­mo­nik und des Arran­ge­ments erge­ben, son­dern auch aus der Art und Wei­se des Ein­sat­zes der ein­zel­nen Instru­men­te, also der Durch­füh­rung der Instru­men­tie­rung und Orches­trie­rung. Nicht dem Urhe­ber­rechts­schutz zugäng­lich ist dem­ge­gen­über das rein hand­werk­li­che Schaf­fen unter Ver­wen­dung for­ma­ler Gestal­tungs­ele­men­te, die auf den Leh­ren von Har­mo­nik, Rhyth­mik und Melo­dik beru­hen oder die wie Ton­fol­gen ein­fachs­ter Art oder bekann­te rhyth­mi­sche Struk­tu­ren sonst zum musi­ka­li­schen All­ge­mein­gut gehö­ren.

Gold­rap­per – Rap-Musik als Hin­ter­grund-Loop

Die für die Prü­fung der Urhe­ber­rechts­schutz­fä­hig­keit erfor­der­li­chen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und ihre Wür­di­gung lie­gen auf tatrich­ter­li­chem Gebiet. Sie sind in der Revi­si­ons­in­stanz jedoch dar­auf hin zu über­prü­fen, ob die Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts von den von ihm getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen getra­gen wird. Hier­zu muss das Beru­fungs­ur­teil eine revi­si­ons­recht­lich nach­prüf­ba­re Begrün­dung ent­hal­ten. Erfor­der­lich ist vor allem, dass der für die Fest­stel­lung der Schutz­fä­hig­keit ent­schei­den­de Gesamt­ein­druck und die ihn tra­gen­den ein­zel­nen Ele­men­te nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt wer­den.

Für die Beur­tei­lung der schöp­fe­ri­schen Eigen­tüm­lich­keit eines Musik­stücks und die inso­weit maß­geb­li­che Abgren­zung von nicht dem Urhe­ber­rechts­schutz zugäng­li­chem rein hand­werk­li­chem Schaf­fen unter Ver­wen­dung for­ma­ler Gestal­tungs­ele­men­te, die auf den Leh­ren von Har­mo­nik, Rhyth­mik und Melo­dik beru­hen oder die sonst zum musi­ka­li­schen All­ge­mein­gut gehö­ren, reicht das blo­ße Anhö­ren eines Ton­trä­gers durch die Tatrich­ter grund­sätz­lich nicht aus; es wird viel­mehr im Regel­fall die Hil­fe eines Sach­ver­stän­di­gen uner­läss­lich sein.

Zur Prü­fung, ob eine Bear­bei­tung oder ande­re Umge­stal­tung vor­liegt, ist zunächst im Ein­zel­nen fest­zu­stel­len, wel­che objek­ti­ven Merk­ma­le die schöp­fe­ri­sche Eigen­tüm­lich­keit des benutz­ten Wer­kes bestim­men. Sodann ist durch Ver­gleich der ein­an­der gegen­über­ste­hen­den Gestal­tun­gen zu ermit­teln, ob und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang in der neu­en Gestal­tung eigen­schöp­fe­ri­sche Züge des älte­ren Wer­kes über­nom­men wor­den sind. Maß­ge­bend für die Ent­schei­dung ist letzt­lich ein Ver­gleich des jewei­li­gen Gesamt­ein­drucks der Gestal­tun­gen, in des­sen Rah­men sämt­li­che über­nom­me­nen schöp­fe­ri­schen Züge in einer Gesamt­schau zu berück­sich­ti­gen sind. Stimmt danach der jewei­li­ge Gesamt­ein­druck über­ein, han­delt es sich bei der neu­en Gestal­tung um eine Ver­viel­fäl­ti­gung des älte­ren Wer­kes. Es ist dann wei­ter zu prü­fen, ob die neue Gestal­tung gleich­wohl so wesent­li­che Ver­än­de­run­gen auf­weist, dass sie nicht als rei­ne Ver­viel­fäl­ti­gung, son­dern als Bear­bei­tung oder ande­re Umge­stal­tung (§ 23 UrhG) oder als zuläs­si­ge freie Benut­zung des älte­ren Wer­kes (§ 24 UrhG) anzu­se­hen ist 1.

Aller­dings kön­nen nicht nur die vom Klä­ger kom­po­nier­ten Musik­stü­cke als gan­ze, son­dern auch Tei­le dar­aus urhe­ber­recht­lich geschützt sein, sofern nicht nur das Gesamt­werk als per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung im Sin­ne von § 2 Abs. 2 UrhG anzu­se­hen ist, son­dern auch die über­nom­me­nen Tei­le für sich genom­men 2.

Bei Wer­ken der Musik liegt die schöp­fe­ri­sche Eigen­tüm­lich­keit in ihrer indi­vi­du­el­len ästhe­ti­schen Aus­drucks­kraft. An den für die Zubil­li­gung von Urhe­ber­recht­schutz erfor­der­li­chen indi­vi­du­el­len ästhe­ti­schen Gehalt dür­fen nicht zu hohe Anfor­de­run­gen gestellt wer­den. Im Bereich des musi­ka­li­schen Schaf­fens ist der Schutz der klei­nen Mün­ze aner­kannt, die ein­fa­che und gera­de noch geschütz­te geis­ti­ge Leis­tun­gen erfasst. Es reicht daher aus, wenn die form­ge­ben­de Tätig­keit des Kom­po­nis­ten nur einen ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen Eigen­tüm­lich­keits­grad auf­weist, ohne dass es dabei auf den künst­le­ri­schen Wert ankommt 3. Dabei kann eine indi­vi­du­el­le schutz­fä­hi­ge Leis­tung sich nicht nur aus der Melo­die und dem Ein­satz der musi­ka­li­schen Aus­drucks­mit­tel der Rhyth­mik, des Tem­pos, der Har­mo­nik und des Arran­ge­ments erge­ben 4, son­dern auch aus der Art und Wei­se des Ein­sat­zes der ein­zel­nen Instru­men­te, also der Durch­füh­rung der Instru­men­tie­rung und Orches­trie­rung 5. Nicht dem Urhe­ber­rechts­schutz zugäng­lich ist dem­ge­gen­über das rein hand­werk­li­che Schaf­fen unter Ver­wen­dung for­ma­ler Gestal­tungs­ele­men­te, die auf den Leh­ren von Har­mo­nik, Rhyth­mik und Melo­dik beru­hen 6 oder die wie Ton­fol­gen ein­fachs­ter Art oder bekann­te rhyth­mi­sche Struk­tu­ren sonst zum musi­ka­li­schen All­ge­mein­gut gehö­ren 7. Dabei ist auch im Hin­blick auf Musik­wer­ke zu berück­sich­ti­gen, dass für einen urhe­ber­recht­li­chen Schutz eine nicht zu gerin­ge Gestal­tungs­hö­he zu for­dern ist 8.

Ent­schei­dend für die Fra­ge der Schutz­fä­hig­keit ist, ob der auf dem Zusam­men­spiel all die­ser Ele­men­te beru­hen­de Gesamt­ein­druck den erfor­der­li­chen Eigen­tüm­lich­keits­grad auf­weist 9. Die Beur­tei­lung bemisst sich dabei nach der Auf­fas­sung der mit musi­ka­li­schen Fra­gen eini­ger­ma­ßen ver­trau­ten und hier­für auf­ge­schlos­se­nen Ver­kehrs­krei­se 10.

Die für die Prü­fung der Urhe­ber­rechts­schutz­fä­hig­keit erfor­der­li­chen tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen und ihre Wür­di­gung lie­gen auf tatrich­ter­li­chem Gebiet 11. Sie sind in der Revi­si­ons­in­stanz jedoch dar­auf hin zu über­prü­fen, ob die Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts von den von ihm getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen getra­gen wird 12. Hier­zu muss das Beru­fungs­ur­teil eine revi­si­ons­recht­lich nach­prüf­ba­re Begrün­dung ent­hal­ten 13. Erfor­der­lich ist vor allem, dass der für die Fest­stel­lung der Schutz­fä­hig­keit ent­schei­den­de Gesamt­ein­druck und die ihn tra­gen­den ein­zel­nen Ele­men­te nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt wer­den 14.

Eine indi­vi­du­el­le schutz­fä­hi­ge Leis­tung kann sich auch aus der Art und Wei­se des Ein­sat­zes der ein­zel­nen Instru­men­te, also der Durch­füh­rung der Instru­men­tie­rung und Orches­trie­rung erge­ben 15, sofern dadurch der Gesamt­ein­druck des Musik­werks mit­ge­prägt wird 16. Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer per­sön­li­chen geis­ti­gen Schöp­fung ist jedoch auch inso­weit, dass die vom Kom­po­nis­ten gewähl­te Instru­men­tie­rung eine hin­rei­chen­de Indi­vi­dua­li­tät auf­weist, die sie vom nicht geschütz­ten musi­ka­li­schen All­ge­mein­gut und einer rein hand­werks- oder rou­ti­ne­mä­ßi­gen Leis­tung unter­schei­det 17.

Allei­ne die Gesichts­punk­te der "Ein­präg­sam­keit" und des "Wie­der­erken­nungs­ef­fekts" sind für die Begrün­dung einer eigen­schöp­fe­ri­schen kom­po­si­to­ri­schen Leis­tung nicht geeig­net. Auch kur­ze Ton­fol­gen und Moti­ve, die das rein Hand­werks­mä­ßi­ge und All­täg­li­che nicht über­ra­gen, wer­den nicht sel­ten gera­de auf­grund ihrer Ein­fach­heit und Kür­ze eine beson­ders gro­ße Ein­präg­sam­keit und einen hohen Wie­der­erken­nungs­wert haben.

Um die Gren­ze zwi­schen den urhe­ber­recht­lich rele­van­ten Benut­zungs­hand­lun­gen in der Form der Ver­viel­fäl­ti­gung oder Bear­bei­tung 18 und der nach § 24 Abs. 1 UrhG zuläs­si­gen Ver­wer­tung eines in frei­er Benut­zung geschaf­fe­nen Wer­kes zu zie­hen, kommt es maß­geb­lich auf die Über­ein­stim­mung im Bereich der objek­ti­ven Merk­ma­le an, durch die die schöp­fe­ri­sche Eigen­tüm­lich­keit des Ori­gi­nals bestimmt wird 19. Es ist des­halb durch Ver­gleich der sich gegen­über­ste­hen­den Wer­ke zu ermit­teln, ob und gege­be­nen­falls in wel­chem Umfang eigen­schöp­fe­ri­sche Züge des älte­ren Wer­kes über­nom­men wor­den sind. Maß­ge­bend ist dabei ein Ver­gleich des jewei­li­gen Gesamt­ein­drucks der Gestal­tun­gen, in des­sen Rah­men sämt­li­che über­nom­me­nen schöp­fe­ri­schen Züge in einer Gesamt­schau zu berück­sich­ti­gen sind 20.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. April 2015 – I ZR 225/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 16.05.2013 – I ZR 28/​12, GRUR 2014, 65 Rn. 38 = WRP 2014, 68 Beuys-Akti­on[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 10.12 1987 – I ZR 198/​85, GRUR 1988, 533, 534 Vor­ent­wurf II; Urteil vom 03.02.1988 – I ZR 143/​86, GRUR 1988, 810, 811 Fan­ta­sy; Urteil vom 20.11.2008 – I ZR 112/​06, GRUR 2009, 403 Rn. 16 = WRP 2009, 308 Metall auf Metall I; Urteil vom 01.12 2010 – I ZR 12/​08, GRUR 2011, 134 Rn. 54 = WRP 2011, 249 Per­len­tau­cher; Nor­de­mann in Fromm/​Nordemann aaO § 2 UrhG Rn. 51; HK-UrhR/Drey­er aaO § 2 UrhG Rn. 153; Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 2 UrhG Rn. 125; Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 2 Rn. 76[]
  3. BGH, Urteil vom 26.09.1980 – I ZR 17/​78, GRUR 1981, 267 Dirla­da; Urteil vom 03.02.1988 – I ZR 142/​86; GRUR 1988, 812, 814 Ein biss­chen Frie­den; Urteil vom 24.01.1991 – I ZR 72/​89, GRUR 1991, 533 Brown Girl II[]
  4. vgl. BGH, GRUR 1991, 533, 534 Brown Girl II; Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 2 UrhG Rn. 121[]
  5. BGH, Urteil vom 03.11.1967 Ib ZR 123/​65, GRUR 1968, 321, 325 Hasel­nuß; BGH, GRUR 1981, 267, 268 Dirla­da[]
  6. BGH, GRUR 1981, 267, 268 Dirla­da; Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 2 UrhG Rn. 122 f.[]
  7. vgl. BGH, GRUR 1988, 810, 811 Fan­ta­sy[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 13.11.2013 – I ZR 143/​12, BGHZ 199, 52 Rn. 40 – Geburts­tags­zug[]
  9. BGH, GRUR 1981, 267, 268 Dirla­da; GRUR 1991, 533, 534 Brown Girl II[]
  10. BGH, GRUR 1981, 267, 268 Dirla­da[]
  11. vgl. BGH, GRUR 1981, 267, 268 Dirla­da; BGH, Urteil vom 10.12 1986 – I ZR 15/​85, GRUR 1987, 903, 904 Le Cor­bu­si­er-Möbel[]
  12. BGH, GRUR 1987, 903, 904 Le Cor­bu­si­er-Möbel; BGH, Urteil vom 12.07.1990 – I ZR 16/​89, GRUR 1991, 130, 133 The­men­ka­ta­log[]
  13. vgl. BGH, GRUR 1988, 812, 814 Ein biß­chen Frie­den; BGH, Urteil vom 16.09.1997 – X ZR 54/​95, GRUR 1998, 366, 368 = WRP 1998, 207 Lade­wa­gen, mwN[]
  14. vgl. BGH, GRUR 1991, 533, 535 Brown Girl II; HK-UrhR/Drey­er aaO § 2 UrhG Rn. 73[]
  15. BGH, GRUR 1968, 321, 325 Hasel­nuß; GRUR 1981, 267, 268 Dirla­da[]
  16. vgl. BGH, GRUR 1991, 533, 535 Brown Girl II[]
  17. vgl. Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 2 UrhG Rn. 26[]
  18. vgl. dazu näher BGH, Urteil vom 16.05.2013 – I ZR 28/​12, GRUR 2014, 65 Rn. 36 f. = WRP 2014, 68 Beuys-Akti­on[]
  19. BGH, GRUR 1981, 267, 269 Dirla­da, mwN[]
  20. vgl. BGH, Urteil vom 28.05.1998 – I ZR 81/​96, BGHZ 139, 68, 77 – Stadt­plan­werk; Urteil vom 13.04.2000 – I ZR 282/​97, GRUR 2000, 703, 704 = WRP 2000, 1243 Matt­schei­be; BGH, GRUR 2004, 855, 857 Hun­de­fi­gur; BGH, GRUR 2014, 65 Rn. 38 Beuys-Akti­on; BGH, Urteil vom 17.07.2013 – I ZR 52/​12, GRUR 2014, 258 Rn. 40 = WRP 2014, 178 Pip­pi-Lang­strumpf-Kos­tüm[]