Bank­ge­büh­ren für die smsTAN

Die vor­for­mu­lier­te Klau­sel "Jede smsTAN kos­tet 0,10 € (unab­hän­gig vom Kon­to­mo­dell)" in einem Ver­trag über Zah­lungs­diens­te zwi­schen einem Kre­dit­in­sti­tut und Ver­brau­chern ist unwirk­sam.

Bank­ge­büh­ren für die smsTAN

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall wand­te sich ein Ver­brau­cher­schutz­ver­band bereits vor 5 Jah­ren mit der Unter­las­sungs­kla­ge nach § 1 UKlaG gegen eine von der beklag­ten Spar­kas­se Groß-Gerau ver­wen­de­te Preis­klau­sel für smsTAN. Der Ver­brau­cher­schutz­ver­band behaup­tet, die Spar­kas­se ver­wen­de in ihrem Preis­ver­zeich­nis eine Klau­sel mit fol­gen­dem Wort­laut: "Jede smsTAN kos­tet 0,10 € (unab­hän­gig vom Kon­to­mo­dell)". Er ist der Ansicht, die­se Klau­sel ver­sto­ße gegen § 307 BGB, und nimmt die Spar­kas­se dar­auf in Anspruch, deren Ver­wen­dung gegen­über Pri­vat­kun­den zu unter­las­sen. Die Spar­kas­se stellt nicht in Abre­de, eine Preis­klau­sel für smsTAN zu ver­wen­den, bestrei­tet aber, dass die­se den vom Ver­brau­cher­schutz­ver­band behaup­te­ten Wort­laut hat.

Die Kla­ge ist in bei­den Vor­in­stan­zen vor dem Land­ge­richt Frank­furt am Main 1 und dem Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main 2 erfolg­los geblie­ben. Das Ober­lan­des­ge­richt hat eine Preis­klau­sel mit dem vom Ver­brau­cher­schutz­ver­band behaup­te­ten Wort­laut als nicht der AGB-Kon­trol­le unter­lie­gen­de soge­nann­te Preis­haupt­ab­re­de ein­ge­ord­net und des­halb Fest­stel­lun­gen dazu, ob die Spar­kas­se die bean­stan­de­te Klau­sel mit dem behaup­te­ten Wort­laut in ihrem Preis­ver­zeich­nis tat­säch­lich ver­wen­det, für ent­behr­lich erach­tet. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun auf­grund der zuge­las­se­nen Revi­si­on des Ver­brau­cher­schutz­ver­ban­des das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts auf­ge­ho­ben und die Sache zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main zurück­ver­wie­sen:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Unter­las­sungs­kla­ge für zuläs­sig erach­tet. Bei Kla­gen nach § 1 UKlaG muss der Kla­ge­an­trag die bean­stan­de­ten Bestim­mun­gen der All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen im Wort­laut ent­hal­ten, ande­ren­falls ist die Kla­ge unzu­läs­sig. Ist strei­tig, ob eine vom Ver­brau­cher­schutz­ver­band bean­stan­de­te Klau­sel in die­ser Fas­sung vom Spar­kas­se tat­säch­lich ver­wen­det wird, reicht es für die Zuläs­sig­keit der Kla­ge aus, wenn unter Anga­be des zugrun­de­lie­gen­den Lebens­sach­ver­halts die Ver­wen­dung der bestimm­ten Klau­sel behaup­tet und deren kon­kre­ter Wort­laut im Kla­ge­an­trag wört­lich wie­der­ge­ge­ben wird; ob die bean­stan­de­te Klau­sel in die­ser Fas­sung tat­säch­lich Ver­wen­dung fin­det, ist dem­ge­gen­über eine Fra­ge der Begründ­etheit der Kla­ge. Den hier­nach bestehen­den Zuläs­sig­keits­vor­aus­set­zun­gen genügt vor­lie­gend das Kla­ge­vor­brin­gen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt a.M. unter­liegt die bean­stan­de­te Klau­sel – deren Ver­wen­dung mit dem vom Ver­brau­cher­schutz­ver­band behaup­te­ten Wort­laut durch die Spar­kas­se man­gels ent­ge­gen ste­hen­der Fest­stel­lun­gen im Revi­si­ons­ver­fah­ren zu unter­stel­len war – gemäß § 307 Abs. 3 BGB der Inhalts­kon­trol­le nach § 307 Abs. 1 und Abs. 2 BGB, weil sie eine von Rechts­vor­schrif­ten abwei­chen­de Rege­lung ent­hält.

Die Klau­sel ist auf­grund ihres ein­schrän­kungs­lo­sen Wort­lauts ("Jede smsTAN…") so aus­zu­le­gen, dass sie ein Ent­gelt in Höhe von 0,10 € für jede TAN vor­sieht, die per SMS an den Kun­den ver­sen­det wird, ohne dass es dar­auf ankommt, ob die­se im Zusam­men­hang mit der Ertei­lung eines Zah­lungs­auf­tra­ges ein­ge­setzt wird. Die Spar­kas­se bean­sprucht danach etwa für jede TAN ein Ent­gelt, die zwar per SMS an den Kun­den über­sen­det, von ihm aber z. B. auf Grund eines begrün­de­ten "Phishing"-Verdachts oder wegen der Über­schrei­tung ihrer zeit­li­chen Gel­tungs­dau­er nicht ver­wen­det wird. Fer­ner fällt nach der Klau­sel ein Ent­gelt auch dann an, wenn die TAN zwar zur Ertei­lung eines Zah­lungs­auf­trags ein­ge­setzt wer­den soll, die­ser aber der Spar­kas­se wegen einer tech­ni­schen Fehl­funk­ti­on gar nicht zugeht.

Mit die­ser aus­nahms­lo­sen Beprei­sung von "smsTAN" weicht die Klau­sel von § 675f Abs. 4 Satz 1 BGB ab. Danach kann ein Zah­lungs­dienst­leis­ter zwar für die Erbrin­gung eines Zah­lungs­diens­tes das ver­ein­bar­te Zah­lungs­ent­gelt ver­lan­gen. Zu den Zah­lungs­diens­ten, für die ein Ent­gelt erho­ben wer­den kann, gehört auch die Aus­ga­be von Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­mit­teln, wie es das Online-Ban­king mit­tels PIN und TAN dar­stellt. In die­sem Rah­men kann die Aus­ga­be einer per SMS über­sen­de­ten TAN aber nur dann als Bestand­teil der Haupt­leis­tung mit einem Ent­gelt nach § 675f Abs. 4 Satz 1 BGB bepreist wer­den, wenn sie auch tat­säch­lich der Ertei­lung eines Zah­lungs­auf­tra­ges dient und damit als Teil des Zah­lungs­au­then­ti­fi­zie­rungs­in­stru­ments "Online-Ban­king mit­tels PIN und TAN" fun­giert, weil von der Spar­kas­se nur in die­sem Fall ein ent­gelt­pflich­ti­ger Zah­lungs­dienst erbracht wird.

Der danach eröff­ne­ten Inhalts­kon­trol­le hält die Klau­sel nicht stand. Sie weicht ent­ge­gen dem Gebot des § 675e Abs. 1 BGB zum Nach­teil des Zah­lungs­dienst­nut­zers von den Vor­ga­ben des § 675f Abs. 4 Satz 1 BGB ab.

Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main wird nun­mehr die bis­lang unter­blie­be­nen Fest­stel­lun­gen dazu nach­zu­ho­len haben, ob die Spar­kas­se die vom Ver­brau­cher­schutz­ver­band bean­stan­de­te Klau­sel "Jede smsTAN kos­tet 0,10 € (unab­hän­gig vom Kon­to­mo­dell)" tat­säch­lich ver­wen­det.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Juli 2017 – – XI ZR 260/​15

  1. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 17.01.2013 – 5 O 168/​12[]
  2. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 29.05.2015 – 10 U 35/​13[]