Bank­klau­sel über Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren unwirk­sam

Die Ver­wen­dung der Klau­sel über "Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren für Dar­le­hens­kon­ten 12,00 Euro pro Jahr" ist gegen­über Ver­brau­chern unwirk­sam. Durch die­se Klau­sel wer­den nach der Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Karls­ru­he die Ver­brau­cher in unzu­läs­si­ger Wei­se benach­tei­ligt, denn es wird ein Ent­gelt vom Ver­brau­cher ver­langt, obwohl die Tätig­keit (Ent­ge­gen­nah­me von Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen, Zah­lungs­über­wa­chung) allein im Inter­es­se der Spar­kas­se liegt.

Bank­klau­sel über Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren unwirk­sam

Die Schutz­ge­mein­schaft Bank­kun­den e.V. hat beim Land­ge­richt Karls­ru­he gegen die Spar­kas­se im Wege der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung die Unter­las­sung der Ver­wen­dung der genann­ten Klau­sel bean­tragt. Das Land­ge­richt Karls­ru­he hat dem Antrag statt­ge­ge­ben, da die­se Klau­sel den Ver­brau­cher in unan­ge­mes­se­ner Wei­se benach­tei­li­ge. Die Beru­fung der Spar­kas­se zum Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he blieb ohne Erfolg.

Bei die­ser Klau­sel aus dem Preis- und Leis­tungs­ver­zeich­nis der Spar­kas­se han­delt es sich um eine All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung im Sin­ne von § 305 Abs. 1 Satz 1 BGB. Da es sich nicht um eine Preis­ver­ein­ba­rung han­delt, son­dern um eine Preis­ne­ben­ab­re­de, unter­liegt sie der Inhalts­kon­trol­le für All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gemäß § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB. Die Klau­sel hält die­ser Kon­trol­le nicht stand. Sie ist mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lung nicht ver­ein­bar und benach­tei­ligt pri­va­te Dar­le­hens­neh­mer (Ver­brau­cher) in unan­ge­mes­se­ner Wei­se.

Es ent­spricht der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass Ent­gelt­klau­seln, in denen ein Kre­dit­in­sti­tut einen Ver­gü­tungs­an­spruch für Tätig­kei­ten nor­miert, zu deren Erbrin­gung es bereits gesetz­lich oder auf­grund einer selb­stän­di­gen ver­trag­li­chen Neben­pflicht ver­pflich­tet ist oder die es vor­wie­gend im eige­nen Inter­es­se vor­nimmt, mit wesent­li­chen Grund­ge­dan­ken der gesetz­li­chen Rege­lun­gen nicht ver­ein­bar sind, da nach dem gesetz­li­chen Leit­bild für sol­che Tätig­kei­ten ein Ent­gelt nicht bean­sprucht wer­den kann. Zur strei­ti­gen Klau­sel gibt es bis­her kei­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­ho­fes.
Nach § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB ist der Dar­le­hens­neh­mer auf­grund des Dar­le­hens­ver­tra­ges ver­pflich­tet, einen geschul­de­ten Zins zu zah­len und bei Fäl­lig­keit das zur Ver­fü­gung gestell­te Dar­le­hens­ka­pi­tal zurück­zu­er­stat­ten. In wel­cher Wei­se der Dar­le­hens­ge­ber – hier die Spar­kas­se – die Zins­zah­lung und die Rück­füh­rung des Dar­le­hens über­wa­chen will und in wel­cher Art und Wei­se er die Zah­lun­gen des Dar­le­hens­neh­mers ver­bucht, ist sei­ne Sache. Um Zah­lun­gen ein­deu­tig zuord­nen zu kön­nen, wird die Spar­kas­se regel­mä­ßig für das Dar­le­hen eine Kon­to­num­mer ver­ge­ben und damit ein Kon­to ein­rich­ten müs­sen. Ein Ent­gelt für die­se aus­schließ­lich in ihrem Eigen­in­ter­es­se lie­gen­de Kon­to­füh­rung darf sie aber vom Dar­le­hens­neh­mer nicht ver­lan­gen und des­halb eine Kon­to­füh­rungs­ge­bühr auch nicht in ihren All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen fest­le­gen. Das Ver­lan­gen zusätz­li­cher Kon­to­füh­rungs­ge­büh­ren führt näm­lich zu einer ver­deck­ten Ver­teue­rung der Kre­di­te durch die Abwäl­zung von antei­li­gen all­ge­mei­nen Betriebs­kos­ten und Ver­wal­tungs­auf­wen­dun­gen, die das Kre­dit­in­sti­tut aus den Kre­dit­zin­sen decken muss.

Soweit die Spar­kas­se argu­men­tiert, sie stel­le dem Kun­den zum Jah­res­en­de einen Jah­res­kon­to­aus­zug zur Ver­fü­gung, wird die­se zusätz­li­che Ser­vice­leis­tung für den Kun­den nicht durch die strei­ti­ge Klau­sel abge­deckt. Denn nach die­ser berech­net die Spar­kas­se ein Ent­gelt für die lau­fen­de Kon­to­füh­rung, die Erstel­lung eines Jah­res­kon­to­aus­zu­ges mit einer Zusam­men­stel­lung aller im Lau­fe des Jah­res auf die­sem Kon­to ein­ge­gan­ge­nen Zah­lun­gen und der Mit­tei­lung des aktu­el­len Dar­le­hens­stan­des wird nach dem Wort­laut der Klau­sel – „Kon­to­füh­rung“ – gera­de nicht erfasst.

Ober­lan­des­ge­richt Karls­ru­he, Urteil vom 8. Febru­ar 2011 – 17 U 138/​10