Das Fonds­pro­spekt – und die Anga­ben zur Kapi­talga­ran­tie

Die Feh­ler­haf­tig­keit eines Fonds­pro­spekts im Hin­blick auf die Anga­ben zur Kapi­talga­ran­tie war bis­lang nicht Gegen­stand der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs.

Das Fonds­pro­spekt – und die Anga­ben zur Kapi­talga­ran­tie

Der Beschluss vom 19.07.2011 1 befasst sich ledig­lich mit einer feh­ler­haf­ten Dar­stel­lung in einer Kurz­über­sicht zur Fonds­be­tei­li­gung 2. In der instanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung wird teil­wei­se bezo­gen auf den streit­ge­gen­ständ­li­chen Pro­spekt bzw. den Pro­spekt für die VIP 4 GmbH & Co. KG (VIP 4) mit dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen 3 ange­nom­men, dass bereits die Bezeich­nung "Garan­tie­fonds" auf dem Deck­blatt des Pro­spekts den unzu­tref­fen­den Ein­druck ver­mit­te­le, dass der Anle­ger sei­ne Ein­la­ge in jedem Fall zurück­er­hal­te 4.

Teil­wei­se wird der Über­schrift "Garan­tie­fonds" auf dem Titel­blatt des Fonds­pro­spekts der Cha­rak­ter einer anprei­sen­den Wer­bung bei­gemes­sen 5, mit der Fol­ge, dass sich die Feh­ler­haf­tig­keit der Anga­ben zur Kapi­talga­ran­tie nur im Zusam­men­hang mit den wei­ter­ge­hen­den Aus­sa­gen des Fonds­pro­spekts fest­stel­len las­se 6. Dabei wird im Hin­blick auf den hier streit­ge­gen­ständ­li­chen Pro­spekt für den Medi­en­fonds VIP 3 ange­nom­men, dass die­ser eine mög­li­che Irre­füh­rung durch die Ver­wen­dung der Über­schrift "Garan­tie­fonds" auf dem Deck­blatt des Pro­spekts durch die Hin­wei­se auf das Total­ver­lust­ri­si­ko des Anle­gers aus­rei­chend klar­stel­le 7.

Der Pro­spekt ist hin­sicht­lich der Dar­stel­lung der Absi­che­rung des Anle­ger­ka­pi­tals unab­hän­gig davon feh­ler­haft, ob eine Irre­füh­rung bereits auf der Ver­wen­dung des Begriffs "Garan­tie­fonds" auf dem Deck­blatt des Pro­spekts beruht, weil der Pro­spekt auch im Übri­gen den tat­säch­lich unrich­ti­gen Ein­druck erweckt, durch die Schuld­über­nah­me der D. Bank wer­de nicht nur die For­de­rung des Fonds gegen den jewei­li­gen Lizenz­neh­mer, son­dern der Erhalt des Kom­man­dit­ka­pi­tals selbst sicher gestellt. Die­ser Ein­druck ent­steht bereits durch die schlag­wort­ar­ti­ge Dar­stel­lung unter der Über­schrift "Eck­da­ten des Fonds" auf Sei­te 11 des Pro­spekts, weil dort von der Absi­che­rung des "Kom­man­dit­ka­pi­tals" und nicht wie aber tat­säch­lich der Fall von der Absi­che­rung einer For­de­rung des Fonds gegen den Lizenz­neh­mer die Rede ist. Die­se For­mu­lie­rung wird im Pro­spekt mehr­fach wie­der­holt. Der durch sie her­vor­ge­ru­fe­ne Ein­druck einer (unmit­tel­ba­ren) Kapi­tal­ab­si­che­rung wird auch durch die Aus­füh­run­gen auf Sei­te 77 des Pro­spekts, auf die in einem Klam­mer­zu­satz Bezug genom­men wird, nicht ent­kräf­tet. Die­se Aus­füh­run­gen ent­hal­ten zwar die Infor­ma­ti­on, dass der Lizenz­neh­mer auf­grund der Schuld­über­nah­me von sei­ner Schuld befreit wird. Damit wird für den durch­schnitt­li­chen Anle­ger jedoch nicht hin­rei­chend klar­ge­stellt, dass damit ent­ge­gen der schlag­wort­ar­ti­gen Dar­stel­lung an ande­ren Stel­len des Pro­spekts im Ergeb­nis gera­de kei­ne Absi­che­rung des Kom­man­dit­ka­pi­tals ver­bun­den ist. Die den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen ent­spre­chen­den Aus­füh­run­gen des Pro­spekts auf den Sei­ten 27 und 66 ver­mö­gen den beim durch­schnitt­li­chen Anle­ger her­vor­ge­ru­fe­nen Ein­druck einer Kapi­tal­ab­si­che­rung nicht rich­tig zu stel­len. Die­se Aus­füh­run­gen füh­ren allen­falls zu einer wider­sprüch­li­chen und damit eben­falls feh­ler­haf­ten Pro­spekt­dar­stel­lung. Im Übri­gen sug­ge­riert der Klam­mer­zu­satz auf Sei­te 9 des Pro­spekts unter der Über­schrift "Schluss­zah­lun­gen", dass die Absi­che­rung der For­de­rung gegen den Lizenz­neh­mer der Absi­che­rung des Kom­man­dit­ka­pi­tals selbst ent­spricht. Das ist indes nicht der Fall.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 29. Juli 2014 – II ZB 30/​12

  1. BGH, Beschluss vom 19.07.2011 – XI ZR 191/​10, ZIP 2011, 1559 Rn. 14[]
  2. dazu auch die Vor­in­stanz OLG Cel­le, Urteil vom 21.04.2010 – 3 U 202/​09[]
  3. vgl. OLG Mün­chen, Beschluss vom 08.05.2012 – Kap 2707[]
  4. OLG Mün­chen, WM 2010, 836, 840 [VIP 4]; OLG Karls­ru­he, WM 2010, 1264, 1267 [VIP 3]; OLG Frank­furt, Urteil vom 02.08.2010 – 23 U 253/​09 [VIP 4][]
  5. OLG Frank­furt, WM 2010, 1313, 1315; Urteil vom 19.10.2011 – 17 U 34/​10 [VIP 3]; ten­den­zi­ell auch OLG Düs­sel­dorf, WM 2010, 1934, 1940; Urteil vom 20.01.2011 – 6 U 9/​10; offen las­send OLG Hamm, Urteil vom 23.07.2013 – 34 U 53/​10 [VIP 4][]
  6. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 19.04.2012 – 6 U 52/​11 [VIP 4]; OLG Hamm, Urteil vom 23.07.2013 – 34 U 53/​10 [VIP 4][]
  7. OLG Frank­furt, WM 2010, 1313, 1315; Urteil vom 19.10.2011 – 17 U 34/​10 [VIP 3][]