Ein­wen­dungs­durch­griff bei der kre­dit­fi­nan­zier­ten Fonds­be­tei­li­gung

Ein Dar­le­hens­neh­mer kann sich gegen­über der sei­ne Fonds­be­tei­li­gung finan­zie­ren­den Bank in Fäl­len eines ver­bun­de­nen Geschäfts mit Erfolg auf einen Ein­wen­dungs­durch­griff beru­fen, wenn er durch vor­sätz­lich fal­sche Anga­ben des Ver­mitt­lers zu dem Fonds­bei­tritt bewo­gen wor­den ist, nicht hin­ge­gen wenn sein Bei­tritt durch eine nur fahr­läs­si­ge Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung ver­ur­sacht wur­de 1.

Ein­wen­dungs­durch­griff bei der kre­dit­fi­nan­zier­ten Fonds­be­tei­li­gung

Der Dar­le­hens­neh­mer kann der finan­zie­ren­den Bank eine sol­che fahr­läs­si­ge Ver­let­zung einer Auf­klä­rungs­pflicht durch den Ver­mitt­ler nicht im Wege eines Ein­wen­dungs­durch­griffs ent­ge­gen­hal­ten. Dies steht im Ein­klang mit der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zu dem Haf­tungs­sys­tem bei ver­bun­de­nen Anla­ge­ge­schäf­ten 2. Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits mehr­fach ent­schie­den, dass der finan­zie­ren­den Bank auch in Fäl­len eines ver­bun­de­nen Geschäfts nur ein vor­sätz­li­ches Ver­hal­ten des Ver­mitt­lers zuzu­rech­nen ist 3.

Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs muss sich eine finan­zie­ren­de Bank ein Fehl­ver­hal­ten eines im Rah­men von Erwer­ber­mo­del­len auf­tre­ten­den Anla­ge­ver­mitt­lers durch unrich­ti­ge Anga­ben zu dem Anla­ge­ob­jekt nicht gemäß § 278 BGB zurech­nen las­sen 4. Dies gilt im Grund­satz auch dann, wenn Kre­dit­ver­trag und Fonds­bei­tritt ein ver­bun­de­nes Geschäft bil­den. Auch bei einem ver­bun­de­nen Geschäft geht das Gesetz von zwei recht­lich selb­stän­di­gen Ver­trä­gen aus 5, bei denen jedoch auf­grund der bestehen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit der kre­dit­ge­ben­den Bank unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 9 Ver­brKrG Ein­wen­dun­gen aus dem finan­zier­ten Geschäft ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den kön­nen. Hät­te der Gesetz­ge­ber gewollt, dass sämt­li­che, also auch fahr­läs­si­ge Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zun­gen durch den Fonds­ver­trei­ber oder Ver­mitt­ler der kre­dit­ge­ben­den Bank nach § 278 BGB ohne wei­te­res zuge­rech­net wer­den, hät­te es der kom­pli­zier­ten Rege­lun­gen über den Ein­wen­dungs­durch­griff nicht bedurft 6.

Daher ist mit der Zurech­nung aus­schließ­lich vor­sätz­li­chen Ver­hal­tens nicht etwa eine ent­ge­gen §§ 276, 278 BGB vor­ge­se­he­ne Begren­zung der Haf­tung ohne gesetz­li­che Grund­la­ge ver­bun­den. Ent­schei­dend ist viel­mehr, dass der Ver­brau­cher gemäß § 9 Abs. 3 Ver­brKrG im Wege des Ein­wen­dungs­durch­griffs gegen­über der Finan­zie­rungs­bank die Rück­zah­lung des Kre­dits nur inso­weit ver­wei­gern kann, als ihm aus dem ver­bun­de­nen Ver­trag gegen­über dem Ver­käu­fer – im Fal­le eines Fonds­bei­tritts also gegen­über der Fonds­ge­sell­schaft – ein Recht zur Ver­wei­ge­rung der Leis­tung zusteht.

Bei einer Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung durch einen Ver­mitt­ler ist das nach der lang­jäh­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht der Fall, weil hier nur der für die Gesell­schaft han­deln­de Ver­tre­ter per­sön­lich, nicht aber die übri­gen Gesell­schaf­ter und die Gesell­schaft aus vor­ver­trag­li­chem Auf­klä­rungs-ver­schul­den haf­ten 7. Anders lässt sich eine geord­ne­te Aus­ein­an­der­set­zung der Fonds­ge­sell­schaft nach dem Regel­werk über die feh­ler­haf­te Gesell­schaft bzw. den feh­ler­haf­ten Gesell­schafts­bei­tritt nicht durch­füh­ren 8. Zwar hat grund­sätz­lich der­je­ni­ge, der einen ande­ren zur Füh­rung von Ver­trags­ver­hand­lun­gen ermäch­tigt, ein schuld­haf­tes Ver­hal­ten sei­nes Ver­tre­ters eben­so zu ver­ant­wor­ten wie eige­nes Ver­schul­den. Gera­de im Fal­le einer rein kapi­ta­lis­tisch orga­ni­sier­ten Gesell­schafts­be­tei­li­gung hat der Bun­des­ge­richts­hof aber eine Haf­tung der Gesell­schaft und der übri­gen Gesell­schaf­ter gemäß § 278 BGB aus vor­ver­trag­li­chem Auf­klä­rungs­ver­schul­den aus­ge­schlos­sen und eine allei­ni­ge Haf­tung des Ver­tre­ters ange­nom­men, weil die Gesell­schaft und die übri­gen Gesell­schaf­ter kei­ner­lei Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten bei Bei­tritts­ver­hand­lun­gen haben und allein der die Ver­hand­lun­gen füh­ren­de Ver­tre­ter der Gesell­schaft das Ver­hand­lungs­ver­trau­en des Bei­tritts­in­ter­es­sen­ten für sich in Anspruch nimmt. Für eine Haf­tung der Gesell­schaft und der übri­gen Kom­man­di­tis­ten für die Ver­let­zung vor­ver­trag­li­cher Ver­hal­tens­pflich­ten des Ver­tre­ters besteht danach kein Grund 9. Dies hat zur Fol­ge, dass der Anle­ger einen sol­chen Anspruch auch nicht der Finan­zie­rungs­bank im Wege des Ein­wen­dungs­durch­griffs ent­ge­gen­hal­ten kann.

Im Fal­le einer vor­sätz­li­chen arg­lis­ti­gen Täu­schung ver­hält es sich anders. Der arg­lis­tig getäusch­te Anle­ger kann nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs unter ande­rem die Fonds­be­tei­li­gung frist­los kün­di­gen und der kre­dit­ge­ben­den Bank den ihm zuste­hen­den Anspruch auf ein Abfin­dungs­gut­ha­ben gegen die Fonds­ge­sell­schaft im Wege des Ein­wen­dungs­durch­griffs gemäß § 9 Abs. 3 Satz 1 Ver­brKrG ent­ge­gen­hal­ten 10. Zur Kün­di­gung der Fonds­be­tei­li­gung ist der Anle­ger in die­sem Fall berech­tigt, weil ein Anfech­tungs­tat­be­stand nach § 123 BGB wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung nach der lang­jäh­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs stets ein wich­ti­ger Grund zur Kün­di­gung der Gesell­schaft ist 11. Dies der Ein­wand, es gebe kei­nen recht­fer­ti­gen­den Grund, arg­lis­ti­ges Fehl­ver­hal­ten des Ver­mitt­lers im Gegen­satz zu bloß fahr­läs­si­gem der Gesell­schaft zuzu­rech­nen. Wie die Revi­si­ons­er­wi­de­rung zu Recht gel­tend macht, nimmt die Recht­spre­chung die Nach­tei­le, die für die ver­blei­ben­den Gesell­schaf­ter einer in Voll­zug gesetz­ten Gesell­schaft im Fal­le der außer­or­dent­li­chen Kün­di­gung ent­ste­hen, für den Fall eines durch arg­lis­ti­ge Täu­schung ver­ur­sach­ten Bei­tritts hin 12.

Nichts ande­res kann – im Anschluss an das oben zitier­te Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart 13 – aus dem Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 21. Juli 2003 14 her­lei­ten. Zwar ist die Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 21. Juli 2003 nicht ganz ein­deu­tig, weil sie im Aus­gangs­punkt 15 ein Recht zur frist­lo­sen Kün­di­gung der Gesell­schaft auch an ein Auf­klä­rungs­ver­schul­den des Ver­mitt­lers anknüpft, im Wei­te­ren dann aller­dings tra­gend aus­schließ­lich auf Ein­wen­dun­gen aus einer arg­lis­ti­gen Täu­schung des Anle­gers durch den Fonds­ver­trei­ber oder Ver­mitt­ler abstellt 16. Ob damit die fahr­läs­si­ge Ver­let­zung einer Auf­klä­rungs­pflicht und die arg­lis­ti­ge Täu­schung als gleich­wer­ti­ge Alter­na­ti­ven für ein der Finan­zie­rungs­bank zure­chen­ba­res Ver­hal­ten des Ver­mitt­lers benannt wer­den soll­ten, kann aber offen blei­ben. Denn die­se Ent­schei­dung ist inso­weit jeden­falls durch die im Ein­ver­neh­men zwi­schen dem II. und XI. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs ent­wi­ckel­te neue­re Recht­spre­chung zu den Ansprü­chen von Anle­gern über­holt 17. Danach sind der kre­dit­ge­ben­den Bank nur Ein­wen­dun­gen aus einer arg­lis­ti­gen Täu­schung durch den Ver­mitt­ler oder Ver­trei­ber des Fonds zuzu­rech­nen 18, die ihr der Anle­ger unter ande­rem im Wege des Ein­wen­dungs­durch­griffs ent­ge­gen­hal­ten kann 19.

Soweit die BGH-Ent­schei­dung vom 25. April 2006 20 unter Hin­weis auf BGHZ 156, 46 ff. die der finan­zie­ren­den Bank im Wege eines Ein­wen­dungs­durch­griffs ent­ge­gen­zu­hal­ten­den Ansprü­che des auf­grund fal­scher Anga­ben zum Erwerb der Fonds­be­tei­li­gung bewo­ge­nen Dar­le­hens­neh­mers gegen die Fonds­ge­sell­schaft anspricht, betrifft auch dies aus­weis­lich der Ent­schei­dungs­grün­de allein vor­sätz­lich fal­sche Anga­ben des Ver­mitt­lers 21. Der II. Zivil­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat, soweit er zuvor auch wei­ter­ge­hen­de Rech­te des Anle­gers bejaht hat­te 22, dar­an mit Rück­sicht auf die ein­ver­nehm­lich ent­wi­ckel­te neue Recht­spre­chung zum Schut­ze arg­lis­tig getäusch­ter Anle­ger 23 nicht fest­ge­hal­ten 24.

Schließ­lich ergibt sich auch kein abwei­chen­des Ergeb­nis aus dem BGH-Urteil vom 10. Novem­ber 2009 25, mit dem der BGH das oben zitier­te Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart auf­ge­ho­ben und den Rechts­streit an die Vor­in­stanz zurück­ver­wie­sen hat. Für die dort zur Ent­schei­dung ste­hen­den Fra­gen kam es dar­auf, ob sich der Anle­ger gegen­über der Finan­zie­rungs­bank bei fahr­läs­si­ger Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung auf einen Ein­wen­dungs­durch­griff beru­fen kann, nicht an. Auch aus den Aus­füh­run­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zu einer an Sinn und Zweck ori­en­tier­ten Aus­le­gung von § 9 Abs. 3 Ver­brKrG 26 folgt nichts Ande­res. Dort ist ledig­lich aus­ge­führt, dass der Ver­brau­cher nach dem Schutz­zweck des § 9 Abs. 3 Ver­brKrG vor dem Auf­spal­tungs­ri­si­ko geschützt wer­den soll­te. Ein Ein­wen­dungs­durch­griff kommt daher auch hier­nach nur in Fra­ge, wenn und soweit dem Ver­brau­cher gegen­über dem Ver­käu­fer – hier also der Gesell­schaft – ein Anspruch zusteht. Wie oben näher dar­ge­legt, fehlt es aber in Fäl­len fahr­läs­si­ger Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung an einem sol­chen Anspruch des Anle­gers gegen die Gesell­schaft.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Okto­ber 2010 – XI ZR 376/​09

  1. Bestä­ti­gung von BGHZ 167, 239 Rn. 27 ff.[]
  2. hier­zu BGH, Urteil vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 ff. Rn. 27 ff.[]
  3. BGH, Urtei­le vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 Rn. 27 ff.; vom 05.06.2007 – XI ZR 348/​05, WM 2007, 1367 Rn. 21; und vom 01.07.2008 – XI ZR 411/​06, WM 2008, 1596 Rn. 19; a.A. OLG Stutt­gart, ZIP 2008, 1570, 1571 f.; dem fol­gend Palandt/​Sprau, BGB, 69. Aufl., § 705 Rn. 19b[]
  4. BGH, Urtei­le vom 12.11.2002 – XI ZR 47/​01, BGHZ 152, 331, 333; und vom 16.05.2006 – XI ZR 6/​04, BGHZ 168, 1 Rn. 63, jeweils mwN[]
  5. BGH, Urtei­le vom 14.06.2004 – II ZR 393/​02, BGHZ 159, 294, 309; und vom 04.12.2007 – XI ZR 227/​06, BGHZ 174, 334 Rn. 36[]
  6. Nob­be, WM 2007, Son­der­bei­la­ge Nr. 1, S. 33[]
  7. BGH, Urtei­le vom 14.12.1972 – II ZR 82/​70, WM 1973, 863, 865; vom 24.04.1978 – II ZR 172/​76, BGHZ 71, 284, 286 ff.; vom 21.07.2003 – II ZR 387/​02, BGHZ 156, 46, 51 f.; und vom 03.12.2007 – II ZR 21/​06, WM 2008, 391 Rn. 7[]
  8. BGH, Urteil vom 21.07.2003 – II ZR 387/​02, BGHZ 156, 46, 52[]
  9. BGH, Urtei­le vom 14.12.1972 – II ZR 82/​70, WM 1973, 863, 865; und vom 21.07.2003 – II ZR 387/​02, BGHZ 156, 46, 51 f.[]
  10. BGH, Urtei­le vom 21.07.2003 – II ZR 387/​02, BGHZ 156, 46, 53 f.; vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 Rn. 27; und vom 21.11.2006 – XI ZR 347/​05, WM 2007, 200 Rn. 28[]
  11. BGH, Urteil vom 14.12.1972 – II ZR 82/​70, WM 1973, 863, 864 f. mwN[]
  12. BGH, Urteil vom 21.07.2003 – II ZR 387/​02, BGHZ 156, 46, 52 f.[]
  13. OLG Stutt­gart, ZIP 2008, 1570, 1571 f.[]
  14. BGH, Urteil vom 21.07.2003 – II ZR 387/​02, BGHZ 156, 46 ff.[]
  15. aaO S. 53[]
  16. aaO S. 53 f., hier­zu auch Nob­be, WM 2007, Son­der­bei­la­ge Nr. 1, S. 33[]
  17. so auch zu Recht Schnau­der, juris PR-BKR 6/​2010, Anm. 3[]
  18. BGH, Urtei­le vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 Rn. 27 ff.; und vom 05.06.2007 – XI ZR 348/​05, WM 2007, 1367 Rn. 21[]
  19. BGH, Urteil vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 Rn. 27 f.[]
  20. BGH, Urteil vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239, Leit­satz c) []
  21. BGHZ 167, 239 Rn. 26 ff.[]
  22. hier­zu auch Strohn, WM 2005, 1441 ff.[]
  23. vgl. BGH, Urteil vom vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 Rn. 29 ff.[]
  24. vgl. BGH, Urteil vom 25.04.2006 – XI ZR 106/​05, BGHZ 167, 239 Rn. 28[]
  25. BGH, Urteil vom 10.11.2009 – XI ZR 252/​08, BGHZ 183, 112[]
  26. BGH, Urteil vom 10.11.2009 – XI ZR 252/​08, BGHZ 183, 112 Rn. 56[]