Gewerbs­mä­ßi­ge Finanz­port­fo­li­o­ver­wal­tung

Zu den Vor­aus­set­zun­gen einer erlaub­nis­pflich­ti­gen gewerbs­mä­ßi­gen Finanz­port­fo­li­o­ver­wal­tung im Sin­ne des § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 3 KWG hat jetzt der Bun­des­ge­richts­hof Stel­lung genom­men:

Gewerbs­mä­ßi­ge Finanz­port­fo­li­o­ver­wal­tung

Nach § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG 1 bedarf der schrift­li­chen Erlaub­nis des Bun­des­auf­sichts­amts für das Kre­dit­we­sen (jetzt: Bun­des­an­stalt für Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht), wer im Inland gewerbs­mä­ßig oder in einem Umfang, der einen in kauf­män­ni­scher Wei­se ein­ge­rich­te­ten Gewer­be­be­trieb erfor­dert, Bank­ge­schäf­te betrei­ben oder Finanz­dienst­leis­tun­gen erbrin­gen will. Die Vor­schrift ist Schutz­ge­setz im Sin­ne des § 823 Abs. 2 BGB zuguns­ten des ein­zel­nen Anle­gers 2.

Dies gilt auch für eine Tätig­keit als Finanz­port­fo­li­o­ver­wal­tung im Sinn des § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 3 KWG, wor­un­ter die Ver­wal­tung ein­zel­ner in Finanz­in­stru­men­ten ange­leg­ter Ver­mö­gen für ande­re mit Ent­schei­dungs­spiel­raum zu ver­ste­hen ist.

Für die Zuord­nung zu den ein­zel­nen Bank­ge­schäf­ten und Finanz­dienst­leis­tun­gen im Sin­ne des § 1 KWG sind die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen und die aus ihnen fol­gen­de Form des Rechts­ge­schäfts zwi­schen dem Insti­tut und dem Kun­den maß­geb­lich 3.

Eine Ver­mö­gens­ver­wal­tung erfor­dert eine auf lau­fen­de Über­wa­chung und Anla­ge von Ver­mö­gens­ob­jek­ten gerich­te­te Tätig­keit 4. Ver­mö­gens­ob­jek­te im Sin­ne von § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 3 KWG sind dabei Finanz­in­stru­men­te, das heißt gemäß § 1 Abs. 11 KWG Wert­pa­pie­re, Geld­markt­in­stru­men­te, Devi­sen oder Rech­nungs­ein­hei­ten und Deri­va­te. Hier­für ist es weder erfor­der­lich, dass die ein­zel­nen Kun­den­ver­mö­gen getrennt in ein­zel­nen Port­fo­li­os anzu­le­gen sind – es kön­nen auch Ver­mö­gen ver­schie­de­ner Kun­den in einem Port­fo­lio zusam­men­ge­fasst wer­den – noch, dass das Ver­mö­gen bereits in Finanz­in­stru­men­ten ange­legt ist, da auch Erst­an­la­ge­ent­schei­dun­gen erfasst sind 4.

Für ein gewerbs­mä­ßi­ges Han­deln genügt, dass die Tätig­keit auf gewis­se Dau­er ange­legt ist und der Betrei­ber mit Gewinn­erzie­lungs­ab­sicht bezie­hungs­wei­se ent­gelt­lich han­delt 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Novem­ber 2010 – VI ZR 303/​09

  1. in der hier maß­geb­li­chen Fas­sung des 6. Geset­zes zur Ände­rung des Geset­zes über das Kre­dit­we­sen vom 22. Okto­ber 1997, BGBl. I S. 2518[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 23.03.2010 – VI ZR 57/​09, VersR 2010, 910; BGH, Urteil vom 07.12.2009 – II ZR 15/​08, NJW 2010, 1077; und vom 21.04.2005 – III ZR 238/​03, VersR 2005, 1394, jeweils m.w.N.[]
  3. BVerw­GE 122, 29, 36; BVerw­GE 130, 262 Rn. 31, 36[]
  4. BVerw­GE 122, 29, 35[][]
  5. BT-Drs. 13/​7142, S. 62; BVerw­GE 122, 29, 48[]