Kapi­tal­an­la­ge­be­ra­tung – und die nicht beant­wor­te­te Fra­ge nach der Ban­ken­pro­vi­si­on

Ein Anla­ge­in­ter­es­sent, der im Rah­men eines Bera­tungs­ge­sprächs nach der Höhe der an die Bank flie­ßen­den Pro­vi­si­on fragt und trotz aus­drück­li­cher Erklä­rung des Anla­ge­be­ra­ters der Bank, ihm die Höhe der an die Bank flie­ßen­den Rück­ver­gü­tung nicht mit­zu­tei­len, das Anla­ge­ge­schäft gleich­wohl abschließt, ver­hält sich wider­sprüch­lich, wenn er spä­ter von der Bank Scha­dens­er­satz wegen feh­len­der Auf­klä­rung über die Rück­ver­gü­tung gel­tend macht.

Kapi­tal­an­la­ge­be­ra­tung – und die nicht beant­wor­te­te Fra­ge nach der Ban­ken­pro­vi­si­on

In dem vor­lie­gen­den Fall vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ist zwi­schen der Bank und ihrem Kun­den kon­klu­dent ein Anla­ge­be­ra­tungs­ver­trag zustan­de gekom­men ist. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kommt ein Aus­kunfts­ver­trag (nicht Anla­ge­ver­mitt­lungs­ver­trag) kon­klu­dent nur dann zustan­de, wenn ein rei­ner Anla­ge­ver­mitt­ler 1 ohne Bera­tung ein Anla­ge­pro­dukt ver­treibt und der Anla­ge­in­ter­es­sent erkenn­bar die beson­de­ren Erfah­run­gen und Kennt­nis­se des Ver­mitt­lers in Anspruch neh­men will und der Anla­ge­ver­mitt­ler die gewünsch­te Tätig­keit beginnt 2. Dem­ge­gen­über ist im vor­lie­gen­den Fall zwi­schen dem Bank­kun­den und der Bank nach den Grund­sät­zen des Bond, Urteils 3 ein Bera­tungs­ver­trag 4 und nicht ledig­lich ein Aus­kunfts­ver­trag zustan­de gekom­men, da eine Bank regel­mä­ßig Anla­ge­be­ra­te­rin und nicht ledig­lich rei­ne Anla­ge­ver­mitt­le­rin ist 5.

Die Bank hat ihre Pflicht, über erhal­te­ne Rück­ver­gü­tun­gen auf­zu­klä­ren, ver­letzt. Hier­auf kann sich aber der Bank­kun­de nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) nicht beru­fen.

Nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist eine Bank aus dem Anla­ge­be­ra­tungs­ver­trag ver­pflich­tet, über die von ihr ver­ein­nahm­ten Rück­ver­gü­tun­gen unge­fragt auf­zu­klä­ren. Auf­klä­rungs­pflich­ti­ge Rück­ver­gü­tun­gen in die­sem Sin­ne sind regel­mä­ßig umsatz­ab­hän­gi­ge Pro­vi­sio­nen, die im Gegen­satz zu ver­steck­ten Innen­pro­vi­sio­nen nicht aus dem Anla­ge­ver­mö­gen, son­dern aus offen aus­ge­wie­se­nen Pro­vi­sio­nen wie z.B. Aus­ga­be­auf­schlä­gen und Ver­wal­tungs­ver­gü­tun­gen gezahlt wer­den, deren Rück­fluss an die bera­ten­de Bank aber nicht offen­bart wird, son­dern hin­ter dem Rücken des Anle­gers erfolgt.

Hier­durch kann beim Anle­ger zwar kei­ne Fehl­vor­stel­lung über die Wert­hal­tig­keit der Anla­ge ent­ste­hen, er kann jedoch das beson­de­re Inter­es­se der bera­ten­den Bank an der Emp­feh­lung gera­de die­ser Anla­ge nicht erken­nen 6. Danach han­delt es sich auch dann um auf­klä­rungs­pflich­ti­ge Rück­ver­gü­tun­gen, wenn die­se nicht aus einem Agio oder aus Ver­wal­tungs­ge­büh­ren, son­dern aus sons­ti­gen offen aus­ge­wie­se­nen Ver­triebs­kos­ten flie­ßen, wobei es auch nicht dar­auf ankommt, ob die Zah­lung des Anle­gers über die Bank oder direkt an die Fonds­ge­sell­schaft erfolgt 7.

Die Bank hat nach den unan­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts unstrei­tig eine umsatz­ab­hän­gi­ge Pro­vi­si­on aus den im Pro­spekt aus­ge­wie­se­nen Ver­triebs­kos­ten bzw. Kos­ten der Eigen­ka­pi­tal­be­schaf­fung erhal­ten. Dabei han­delt es sich um eine auf­klä­rungs­pflich­ti­ge Rück­ver­gü­tung 8. Zu einer ord­nungs­ge­mä­ßen Auf­klä­rung gehört nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs auch die Mit­tei­lung der Höhe der Rück­ver­gü­tung 9. Über die­se hat der Mit­ar­bei­ter der Bank den Bank­kun­den unstrei­tig nicht auf­ge­klärt. Auch aus dem Pro­spekt war dies nicht zu erse­hen.

Der Bank­kun­de kann sich aber nicht auf die­se Auf­klä­rungs­pflicht­ver­let­zung beru­fen kann, weil der Bank­mit­ar­bei­ter auf die kon­kre­te Nach­fra­ge des Bank­kun­den die Mit­tei­lung der Höhe der Pro­vi­si­on aus­drück­lich ver­wei­gert hat und der Bank­kun­de danach gleich­wohl die Anla­ge gezeich­net hat. Ein Anla­ge­in­ter­es­sent, der im Rah­men eines Bera­tungs­ge­sprächs nach der Höhe der an die Bank flie­ßen­den Pro­vi­si­on fragt und trotz aus­drück­li­cher Erklä­rung des Anla­ge­be­ra­ters der Bank, ihm die Höhe der an die Bank flie­ßen­den Rück­ver­gü­tung nicht mit­zu­tei­len, das Anla­ge­ge­schäft gleich­wohl abschließt, ver­hält sich wider­sprüch­lich, wenn er spä­ter von der Bank Scha­dens­er­satz wegen feh­len­der Auf­klä­rung über die Rück­ver­gü­tung gel­tend macht 10.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. April 2014 – XI ZR 341/​12

  1. zur Unter­schei­dung zwi­schen Anla­ge­ver­mitt­ler und Anla­ge­be­ra­ter vgl. BGH, Urtei­le vom 13.05.1993 – III ZR 25/​92, WM 1993, 1238, 1239; und vom 12.02.2004 – III ZR 359/​02, WM 2004, 631, 633, inso­fern in BGHZ 158, 110 nicht abge­druckt[]
  2. BGH, Urtei­le vom 13.01.2000 – III ZR 62/​99, WM 2000, 426, 427; vom 12.05.2005 – III ZR 413/​04, WM 2005, 1219, 1220; vom 11.01.2007 – III ZR 193/​05, WM 2007, 585 Rn. 10; und vom 25.10.2007 – III ZR 100/​06, WM 2007, 2228 Rn. 7; BGH, Urteil vom 07.10.2008 – XI ZR 89/​07, BGHZ 178, 149 Rn. 11[]
  3. BGH, Urteil vom 06.07.1993 – XI ZR 12/​93, BGHZ 123, 126, 128[]
  4. vgl. auch BGH, Urtei­le vom 09.05.2000 – XI ZR 159/​99, WM 2000, 1441, 1442; vom 25.06.2002 – XI ZR 218/​01, WM 2002, 1683, 1686; vom 21.03.2006 – XI ZR 63/​05, WM 2006, 851 Rn. 10; und vom 25.09.2007 – XI ZR 320/​06, BKR 2008, 199 Rn. 12[]
  5. BGH, Beschluss vom 09.03.2011 – XI ZR 191/​10, WM 2011, 925 Rn.19[]
  6. vgl. nur BGH, Beschluss vom 09.03.2011 – XI ZR 191/​11, WM 2011, 925 Rn. 25 und BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 17[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 262/​10, BGHZ 193, 159 Rn. 18 mwN[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 19.02.2013 – XI ZR 493/​11 14[]
  9. BGH, Urteil vom 19.12 2006 – XI ZR 56/​05, BGHZ 170, 226 Rn. 24 und BGH, Beschluss vom 19.07.2011 – XI ZR 191/​10, WM 2011, 1506 Rn. 9[]
  10. vgl. all­ge­mein zum Ein­wand des veni­re con­tra fac­tum pro­pri­um: Palandt/​Grüneberg, BGB, 73. Auf­la­ge, § 242 Rn. 55, 59 mwN[]