Nach­ran­gi­ge Schuld­ver­schrei­bun­gen – und die Haf­tung der Kom­ple­men­tä­rin der Emit­ten­tin

Die Inan­spruch­nah­me der Kom­ple­men­tä­rin der zwi­schen­zeit­lich liqui­dier­ten­Emit­ten­tin aus §§ 128, 161 Abs. 2 HGB schei­tert nicht an einem etwai­gen der Emit­ten­tin zugu­te­kom­men­den Rang­rück­tritt.

Nach­ran­gi­ge Schuld­ver­schrei­bun­gen – und die Haf­tung der Kom­ple­men­tä­rin der Emit­ten­tin

Der Anle­ger kann als Inha­ber der Schuld­ver­schrei­bung grund­sätz­lich die Kom­ple­men­tä­rin als Kom­ple­men­tä­rin der Emit­ten­tin­nen auf Zah­lung in Anspruch neh­men. Der Kom­ple­men­tär haf­tet gemäß § 128 HGB akzes­so­risch für Gesell­schafts­ver­bind­lich­kei­ten, weil die Gesell­schaft kein eige­nes, zuguns­ten ihrer Gläu­bi­ger gebun­de­nes, mit­hin garan­tier­tes Haft­ka­pi­tal besitzt.

Gegen sei­ne Inan­spruch­nah­me kann der Gesell­schaf­ter gemäß § 129 Abs. 1 HGB der Gesell­schaft zuste­hen­de Ein­wen­dun­gen erhe­ben. Dabei kann dahin­ste­hen, ob die Emit­ten­tin ihrer Inan­spruch­nah­me den in den Anlei­he­be­din­gun­gen ver­ein­bar­ten Nach­rang ent­ge­gen­hal­ten könn­te. Viel­mehr fällt ent­schei­dend ins Gewicht, dass die Emit­ten­tin liqui­diert wur­de und infol­ge der Abwick­lung ver­gleich­bar dem Fall einer Insol­venz selbst nicht mehr in Anspruch genom­men wer­den kann.

In die­ser Lage eines feh­len­den Haf­tungs­fonds ver­wirk­licht sich typi­scher­wei­se die Gesell­schaf­ter­haf­tung. Die Kom­ple­men­tä­rin kann sich mit­hin nicht dar­auf beru­fen, dass die Emit­ten­tin nicht über die erfor­der­li­chen Mit­tel ver­fügt und des­we­gen die gegen sie gerich­te­te For­de­rung auf­grund eines Rang­rück­tritts undurch­setz­bar ist [1].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Janu­ar 2020 – IX ZR 351/​18

  1. vgl. Haber­sack in Großkomm./HGB, 5. Aufl., Anh. § 129 Rn. 21; Kai­ser, DB 2001, 1543 f[]