Kei­ne Mar­ken­wa­re für den Dis­coun­ter

Der Inha­ber einer Mar­ke kann sich, wie der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten aktu­ell ent­schie­den hat, dem Wei­ter­ver­kauf sei­ner Pres­ti­ge­wa­ren durch Dis­coun­ter wider­set­zen. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn der Dis­coun­ter von einem Lizenz­neh­mer unter Ver­stoß gegen den Lizenz­ver­trag belie­fert wur­de und die­ser Ver­stoß den Pres­ti­ge­cha­rak­ter schä­digt, der die­sen Waren eine luxu­riö­se Aus­strah­lung ver­leiht.

Kei­ne Mar­ken­wa­re für den Dis­coun­ter

Hin­ter­grund die­ser Ent­schei­dung des EuGH ist ein Recht­streit um Mie­der­wa­ren von Chris­ti­an Dior. Im Jahr 2000 schloss Dior mit der Socié­té indus­tri­el­le lin­ge­rie (SIL) einen Mar­ken­li­zenz­ver­trag für die Her­stel­lung und den Ver­trieb von Mie­der­wa­ren unter der Mar­ke Chris­ti­an Dior. Die­ser Ver­trag sieht vor, dass sich SIL zum Zweck der Erhal­tung des Bekannt­heits­grads und des Anse­hens der Mar­ke ver­pflich­tet, die­se Waren u. a. nicht ohne schrift­li­che Geneh­mi­gung von Dior an Dis­coun­ter zu ver­kau­fen, die nicht dem selek­ti­ven Ver­triebs­netz ange­hö­ren, und dass sie alle Vor­keh­run­gen zu tref­fen hat, um die Ein­hal­tung die­ser Bestim­mung bei ihren Aus­lie­fe­rern und Ein­zel­händ­lern durch­zu­set­zen.

Auf­grund wirt­schaft­li­cher Schwie­rig­kei­ten ver­kauf­te SIL mit der Mar­ke Dior ver­se­he­ne Waren an die Gesell­schaft Copad, die als Dis­coun­ter tätig ist. Da Dior der Ansicht war, die­ser Wei­ter­ver­kauf sei nach dem Ver­trag ver­bo­ten, erhob sie gegen SIL und Copad Kla­ge wegen Mar­ken­rechts­ver­let­zung. Die Wei­ter­ver­käu­fer berie­fen sich dage­gen auf die Erschöp­fung des Rechts von Dior an ihrer Mar­ke, da die Waren mit der Zustim­mung von Dior inner­halb des EWR (Euro­päi­scher Wirt­schafts­raum) in den Ver­kehr gebracht wor­den sei­en.

Die fran­zö­si­sche Cour de cas­sa­ti­on, die letzt­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befasst ist, leg­te dem EuGH im Rah­men eines Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens die Fra­ge vor, wie die Richt­li­nie 89/​104 über die Mar­ken 1 ins­be­son­de­re dann aus­zu­le­gen ist, wenn der Lizenz­neh­mer eine Bestim­mung des Lizenz­ver­trags miss­ach­tet hat, nach der der Ver­kauf an Dis­coun­ter außer­halb des selek­ti­ven Ver­triebs­net­zes aus Grün­den des Anse­hens der Mar­ke unter­sagt ist.

Der Gerichts­hof stellt in sei­ner Ent­schei­dung zunächst fest, dass der Mar­ken­in­ha­ber die Rech­te aus der Mar­ke gegen einen Lizenz­neh­mer gel­tend machen kann, der gegen eine Bestim­mung des Lizenz­ver­trags ver­stößt, nach der aus Grün­den des Anse­hens der Mar­ke der Ver­kauf von Waren an Dis­coun­ter unter­sagt ist, sofern nach­ge­wie­sen ist, dass die­ser Ver­stoß auf­grund der beson­de­ren Umstän­de im Fall des Aus­gangs­ver­fah­rens den Pres­ti­ge­cha­rak­ter schä­digt, der die­sen Waren eine luxu­riö­se Aus­strah­lung ver­leiht. Die Richt­li­nie erlaubt es dem Inha­ber einer Mar­ke näm­lich, die Rech­te aus der Mar­ke gegen den Lizenz­neh­mer gel­tend zu machen, wenn die­ser gegen bestimm­te Klau­seln des Lizenz­ver­trags ver­stößt, die in Art. 8 Abs. 2 der Richt­li­nie genannt sind, dar­un­ter ins­be­son­de­re sol­che, die die Qua­li­tät der Waren betref­fen. Die Qua­li­tät von Pres­ti­ge­wa­ren beruht nicht allein auf ihren mate­ri­el­len Eigen­schaf­ten, son­dern auch auf ihrem Pres­ti­ge­cha­rak­ter, der ihnen eine luxu­riö­se Aus­strah­lung ver­leiht. In die­ser Hin­sicht ist ein selek­ti­ves Ver­triebs­sys­tem wie das hier in Rede ste­hen­de, das ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Bestim­mung des Kun­den­krei­ses, der Wer­bung, der Dar­stel­lung der Waren und der Geschäfts­po­li­tik sicher­stel­len soll, dass die Waren in den Ver­kaufs­stel­len in einer ihren Wert ange­mes­sen zur Gel­tung brin­gen­den Wei­se dar­ge­bo­ten wer­den, geeig­net, zum Anse­hen der frag­li­chen Waren und somit zur Wah­rung ihrer luxu­riö­sen Aus­strah­lung bei­zu­tra­gen.

Folg­lich kann, so der EuGH, nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass der Ver­kauf von Pres­ti­ge­wa­ren durch den Lizenz­neh­mer an Drit­te, die nicht dem selek­ti­ven Ver­triebs­netz ange­hö­ren, die Qua­li­tät die­ser Waren selbst beein­träch­tigt, so dass in die­sem Fall eine Ver­trags­klau­sel, die die­sen Ver­kauf unter­sagt, als in den Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie fal­lend ange­se­hen wer­den muss. Es ist Sache des natio­na­len Gerichts, zu prü­fen, ob der Ver­stoß des Lizenz­neh­mers gegen eine Bestim­mung wie die­je­ni­ge, um die es im vor­lie­gen­den Fall geht, unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des von ihm zu ent­schei­den­den Rechts­streits die luxu­riö­se Aus­strah­lung von Pres­ti­ge­wa­ren schä­digt und damit ihre Qua­li­tät beein­träch­tigt.

Wei­ter argu­men­tiert der EuGH, dass der Ver­kauf, der unter Miss­ach­tung einer Bestim­mung erfolgt ist, nach der der Wei­ter­ver­kauf an Dis­coun­ter außer­halb des selek­ti­ven Ver­triebs­net­zes unter­sagt ist, im Sin­ne der Richt­li­nie als ohne die Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers erfolgt ange­se­hen wer­den kann, wenn nach­ge­wie­sen ist, dass eine sol­che Zuwi­der­hand­lung gegen eine der Bestim­mun­gen ver­stößt, die in der Richt­li­nie genannt sind.

Zwar muss nach Ansicht des EuGH das Inver­kehr­brin­gen von mit der Mar­ke ver­se­he­nen Waren durch einen Lizenz­neh­mer grund­sätz­lich als mit der Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers erfolgt ange­se­hen wer­den, der Lizenz­ver­trag kommt jedoch kei­ner abso­lu­ten und unbe­ding­ten Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers zum Inver­kehr­brin­gen von mit die­ser Mar­ke ver­se­he­nen Waren durch den Lizenz­neh­mer gleich. Die Richt­li­nie räumt dem Mar­ken­in­ha­ber näm­lich aus­drück­lich die Mög­lich­keit ein, sei­ne Rech­te aus der Mar­ke gegen einen Lizenz­neh­mer gel­tend zu machen, wenn die­ser gegen bestimm­te Klau­seln des Lizenz­ver­trags ver­stößt.

Somit ist die Richt­li­nie dahin aus­zu­le­gen, dass das unter Miss­ach­tung einer Bestim­mung des Lizenz­ver­trags erfolg­te Inver­kehr­brin­gen von mit der Mar­ke ver­se­he­nen Waren durch den Lizenz­neh­mer der Erschöp­fung des Rechts, das die Mar­ke ihrem Inha­ber ver­leiht, im Sin­ne des der Richt­li­nie ent­ge­gen­steht, wenn nach­ge­wie­sen ist, dass die­se Bestim­mung einer der in Art. 8 Abs. 2 der Richt­li­nie genann­ten Bestim­mun­gen ent­spricht.

Schließ­lich ist der Gerichts­hof der Ansicht, dass die Schä­di­gung des Rufes der Mar­ke für einen Mar­ken­in­ha­ber grund­sätz­lich ein berech­tig­ter Grund im Sin­ne der Richt­li­nie sein kann, sich dem Wie­der­ver­kauf der Pres­ti­ge­wa­ren zu wider­set­zen, die von ihm oder mit sei­ner Zustim­mung im EWR in den Ver­kehr gebracht wur­den.

Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten, Urteil vom 23. April 2009 – C‑59/​08

  1. Richt­li­nie 89/​104/​EWG des Rates vom 21. Dezem­ber 1988 zur Anglei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Mar­ken (ABl. 1989 L 40, S. 1) in der durch das Abkom­men über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum vom 2. Mai 1992 (ABl. 1994 L 1, S. 3) geän­der­ten Fas­sung.[]