Nich­tig­keit eines Ver­tra­ges – wegen einer Schmier­geld­ab­re­de

Die Nich­tig­keit einer Schmier­geld­ver­ein­ba­rung erfasst regel­mä­ßig auch den Haupt­ver­trag und die im Anschluss dar­an geschlos­se­nen Fol­ge­ver­trä­ge.

Nich­tig­keit eines Ver­tra­ges – wegen einer Schmier­geld­ab­re­de

Aller­dings ist bei einer Schmier­geld­zah­lung an einen Bevoll­mäch­tig­ten der von die­sem geschlos­se­ne Ver­trag nicht (teil­wei­se) als Schein­ge­schäft gemäß § 117 BGB unwirk­sam.

Ein blo­ßes Schein­ge­schäft liegt vor, wenn die Par­tei­en ein­ver­ständ­lich nur den äuße­ren Schein eines Rechts­ge­schäfts her­vor­ru­fen, dage­gen die mit dem Geschäft ver­bun­de­nen Rechts­fol­gen nicht ein­tre­ten las­sen wol­len 1.

Es ist jedoch nicht ersicht­lich, dass der Ver­trag von bei­den Ver­trags­tei­len mit dem Ziel abge­schlos­sen wor­den wären, die damit ver­bun­de­nen Rechts­fol­gen nicht ein­tre­ten zu las­sen. Viel­mehr war es Ziel des Bevoll­mäch­tig­ten und des schmie­ren­den Ver­trags­part­ners, den vom Bevoll­mäch­tig­ten ver­tre­te­ne Ver­trags­part­ner wirk­sam zur Zah­lung der über­höh­ten Ver­gü­tung zu ver­pflich­ten, um Tei­le die­ser Ver­gü­tung als Schmier­geld für den Bevoll­mäch­tig­ten ver­wen­den zu kön­nen.

Soweit von dem Bevoll­mächt­gig­ten mit dem Ver­trags­part­ner eine über­höh­te Ver­gü­tung zu dem Zweck ver­ein­bart wur­de, aus die­ser Ver­gü­tung ein Schmier­geld zu erhal­ten, wäre die­se Ver­ein­ba­rung wegen Sit­ten­ver­sto­ßes nach § 138 BGB oder wegen Ver­sto­ßes gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot nach § 134 BGB in Ver­bin­dung mit § 299 StGB nich­tig 2. Die Nich­tig­keit einer Schmier­geld­ver­ein­ba­rung erfasst regel­mä­ßig auch den Haupt­ver­trag und die im Anschluss dar­an geschlos­se­nen Fol­ge­ver­trä­ge, wenn sie – bei­spiels­wei­se auf­grund eines Auf­schlags auf das ansons­ten zu zah­len­de Ent­gelt – zu einer für den Geschäfts­herrn nach­tei­li­gen Ver­trags­ge­stal­tung geführt hat 3.

Die Erstre­ckung der Nich­tig­keit einer Schmier­geld­ver­ein­ba­rung auf den durch das Schmier­geld zustan­de gekom­me­nen Haupt­ver­trag ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs schon des­halb anzu­neh­men, weil der Ver­tre­ter im Zwei­fel ohne vor­he­ri­ge Infor­ma­ti­on des Ver­tre­te­nen nicht befugt ist, für die­sen einen Ver­trag mit dem Ver­hand­lungs­part­ner abzu­schlie­ßen, der den Ver­tre­ter gera­de besto­chen hat 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Janu­ar 2018 – I ZR 150/​15

  1. BGHZ 36, 84, 87 f.; BGH, Urteil vom 24.01.1980 – III ZR 169/​78, NJW 1980, 1572, 1573; Urteil vom 20.07.2006 – IX ZR 226/​03, ZIP 2006, 1639, 1640[]
  2. vgl. Rn. 23[]
  3. vgl. BGH, NJW 1989, 26, 27; BGH, Urteil vom 10.01.1990 – VIII ZR 337/​88, NJW-RR 1990, 442, 443; BGHZ 141, 357, 361; BGH, NJW 2001, 1065, 1067 mwN; BGHZ 201, 129 Rn. 33[]
  4. vgl. BGH, NJW 2001, 1065, 1067; BGHZ 201, 129 Rn. 33[]