Pri­va­te Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten

Die pri­va­te Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten ist nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Braun­schweig wei­ter­hin unzu­läs­sig. Die Ent­schei­dun­gen des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 8. Sep­tem­ber 2010 zum staat­li­chen Wett­mo­no­pol [1] haben nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Braun­schweig nicht zur Fol­ge, dass Betrei­ber pri­va­ter Sport­wett­bü­ros jetzt vor Gericht erfolg­reich mit neu­en Eil­an­trä­gen gegen Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen des Nie­der­säch­si­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums vor­ge­hen kön­nen. Die Betrei­ber der Sport­wett­bü­ros müs­sen die Unter­sa­gungs­ver­fü­gun­gen des­halb auch dann vor­läu­fig wei­ter­hin befol­gen, wenn sie Kla­ge gegen die Ver­fü­gun­gen erho­ben haben.

Pri­va­te Ver­mitt­lung von Sport­wet­ten

Die Antrag­stel­le­rin des jetzt vom Ver­wal­tug­ns­ge­richt Braun­schweig ent­schie­de­nen Eil­ver­fah­rens betrieb eine pri­va­te Sport­wet­ten­ver­mitt­lung. Dies unter­sag­te ihr das Nie­der­säch­si­sche Innen­mi­nis­te­ri­um mit sofor­ti­ger Wir­kung. Hier­ge­gen wand­te sich die Antrag­stel­le­rin mit einer Kla­ge und einem Eil­an­trag. Mit letz­te­rem begehr­te sie die vor­läu­fi­ge Erlaub­nis zum Wei­ter­be­trieb ihrer Betriebs­stät­te bis zum Abschluss des Kla­ge­ver­fah­rens. Die­sen Eil­an­trag lehn­te letzt­lich das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in einem frü­he­ren Ver­fah­ren ab. Das Kla­ge­ver­fah­ren hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig aus­ge­setzt, um die nun­mehr ergan­ge­nen Ent­schei­dun­gen des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on abzu­war­ten.

In dem aktu­el­len Ver­fah­ren bean­trag­te die Antrag­stel­le­rin im Hin­blick auf die Ent­schei­dun­gen des EuGH vom Sep­tem­ber 2010, die frü­he­ren Eil­ent­schei­dun­gen wegen „ver­än­der­ter Umstän­de“ zu ändern und ihr den Betrieb ihrer Sport­wet­ten­ver­mitt­lung vor­läu­fig – bis zum Abschluss des Kla­ge­ver­fah­rens – zu gestat­ten. Zur Begrün­dung mach­te sie gel­tend, der EuGH habe ent­schie­den, dass das deut­sche staat­li­che Sport­wet­ten­mo­no­pol den euro­pa­recht­li­chen Anfor­de­run­gen nicht genü­ge. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig ist die­ser Argu­men­ta­ti­on nicht gefolgt.

Der EuGH habe, so das Braun­schwei­ger Ver­wal­tungs­ge­richt, nicht ent­schie­den, dass die der­zei­ti­ge recht­li­che und tat­säch­li­che Aus­ge­stal­tung des staat­li­chen Mono­pols im Bereich der Sport­wet­ten­ver­mitt­lung gegen euro­päi­sches Gemein­schafts­recht ver­sto­ße, weil sie die Glücks­spie­le nicht in kohä­ren­ter und sys­te­ma­ti­scher Wei­se begren­ze. Viel­mehr habe der Gerichts­hof – wie in der­ar­ti­gen soge­nann­ten Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren üblich – die tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen der vor­le­gen­den Gerich­te – hier der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Gie­ßen und Stutt­gart – sei­ner Ent­schei­dung zugrun­de gelegt, ohne inso­weit eige­ne Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen zu tref­fen. Die­se Tat­sa­chen­fest­stel­lung der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Gie­ßen und Stutt­gart, die sich zudem auf die Sach­la­ge vor Inkraft­tre­ten des Glücks­spiel­staats­ver­tra­ges zum 1. Janu­ar 2008 bezö­gen, tei­le das Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig im Eil­ver­fah­ren nicht unein­ge­schränkt. Die Braun­schwei­ger Rich­ter ver­tre­ten viel­mehr – wie das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in frü­he­ren Ent­schei­dun­gen – die Auf­fas­sung, es müs­se dem Kla­ge­ver­fah­ren vor­be­hal­ten blei­ben, die rele­van­ten Umstän­de fest­zu­stel­len und zu bewer­ten. Für die Zeit bis zur Ent­schei­dung über die Kla­ge­ver­fah­ren erge­be eine Güter­ab­wä­gung, dass die Inter­es­sen der pri­va­ten Sport­wet­ten­ver­mitt­ler zurück­zu­tre­ten haben. Denn von einem unre­gu­lier­ten Markt­zu­gang gin­gen erheb­li­che Gefah­ren aus; außer­dem hät­ten die Ver­mitt­ler ihr Geschäft in einer Zeit begon­nen, in der ihre Tätig­keit nach deut­schen Geset­zen ver­bo­ten war.

Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 7. Okto­ber 2010 – 5 B 178/​10

  1. EuGH, Urtei­le vom 08.09.2010 – C‑409/​06, C‑316/​07, C‑358/​07, C‑359/​07, C‑360/​07, C‑409/​07, C‑410/​07 und C‑46/​08[]