Rauch­ver­bot in baye­ri­schen Shi­sha-Bars

Das am 1. August 2010 durch einen Volks­ent­scheid beschlos­se­ne neue baye­ri­sche Gesetz zum Schutz der Gesund­heit sieht ein strik­tes Rauch­ver­bot für alle Gast­stät­ten vor. Die frü­her gel­ten­den Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für geträn­ke­gepräg­te klei­ne Ein­raum­gast­stät­ten sind eben­so ent­fal­len wie die zur glei­chen Zeit geschaf­fe­ne Mög­lich­keit, Rau­cher­ne­ben­räu­me ein­zu­rich­ten.

Rauch­ver­bot in baye­ri­schen Shi­sha-Bars

Die­ses baye­ri­sches Rauch­ver­bot ist nach Ansicht des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts auch in Shi­sha-Bars nicht ver­fas­sungs­wid­rig.

Der Antrag­stel­ler des jet­tz vom Buzn­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fah­rens ist Inha­ber eines aus einem Raum bestehen­den Bis­tros, in dem er vor allem Was­ser­pfei­fen zum Rau­chen anbie­tet. Er macht im Wesent­li­chen gel­tend, durch die strik­te Neu­fas­sung des Rauch­ver­bots in sei­ner Berufs­frei­heit bzw. all­ge­mei­nen Hand­lungs­frei­heit ver­letzt zu sein. Infol­ge der Neu­re­ge­lung sei er auf­grund des beson­de­ren Kon­zepts sei­ner Gast­stät­te zu deren Schlie­ßung gezwun­gen. Zumin­dest wären eine Über­gangs­re­ge­lung oder ein finan­zi­el­ler Aus­gleich für beson­ders belas­te­te Gast­stät­ten­in­ha­ber gebo­ten gewe­sen.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat sei­nen Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung abge­lehnt, da eine in der Haupt­sa­che zu erhe­ben­de Ver­fas­sungs­be­schwer­de unbe­grün­det wäre. Die strik­te Neu­fas­sung des Rauch­ver­bots ver­letzt den Antrag­stel­ler nach dem Karls­ru­her Rich­ter­spruch nicht in sei­nen Grund­rech­ten.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat bereits mit Urteil vom 30. Juli 2008 ent­schie­den, dass der Gesetz­ge­ber von Ver­fas­sungs wegen nicht gehin­dert ist, dem Gesund­heits­schutz gegen­über den damit beein­träch­tig­ten Frei­heits­rech­ten, ins­be­son­de­re der Berufs­frei­heit der Gast­wir­te und der Ver­hal­tens­frei­heit der Rau­cher, den Vor­rang ein­zu­räu­men und ein strik­tes Rauch­ver­bot in Gast­stät­ten zu ver­hän­gen 1. Auf die­ser Grund­la­ge hat es auch das Gesund­heits­schutz­ge­setz vom 20. Dezem­ber 2007 in sei­ner ursprüng­li­chen Fas­sung, der das hier ange­grif­fe­ne Gesetz wei­test­ge­hend ent­spricht, aus­drück­lich gebil­ligt 2.

Inso­weit gilt für das Rau­chen von Was­ser­pfei­fen nichts ande­res als für ande­re For­men des Tabak­rau­chens. Es begeg­net kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken, die­se Form des Rau­chens eben­falls in das Rauch­ver­bot ein­zu­be­zie­hen 3. Ange­sichts des Ein­schät­zungs­spiel­raums, der dem Gesetz­ge­ber zusteht, wenn er zur Ver­hü­tung von Gefah­ren für die All­ge­mein­heit tätig wird 4, ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber auch den beim Rau­chen von Was­ser­pfei­fen ent­ste­hen­den Tabak­rauch in der Umge­bungs­luft als Gefahr für die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung ansieht 5.

Ent­schei­det sich der Gesetz­ge­ber wegen des hohen Rangs der zu schüt­zen­den Rechts­gü­ter für ein strik­tes Rauch­ver­bot in allen Gast­stät­ten im Sin­ne von § 1 GastG, so darf er die­ses Kon­zept kon­se­quent ver­fol­gen und muss sich auch nicht auf Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für sol­che Gast­stät­ten ein­las­sen, bei denen – wie bei so genann­ten Shi­sha-Bars – das Rau­chen Teil des gas­tro­no­mi­schen Kon­zepts ist. Auch die beson­de­re Belas­tung des Antrag­stel­lers begrün­det kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fel am strik­ten Rauch­ver­bot. Zwar kann ein die Berufs­frei­heit beschrän­ken­des Gesetz, das als sol­ches dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ent­spricht, inso­weit gegen Art. 12 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 3 Abs. 1 GG ver­sto­ßen, als bei der Rege­lung Ungleich­hei­ten nicht berück­sich­tigt wur­den, die typi­scher­wei­se inner­halb der betrof­fe­nen Berufs­grup­pe bestehen. Dies ist anzu­neh­men, wenn Grup­pen­an­ge­hö­ri­ge nicht nur in ein­zel­nen, aus dem Rah­men fal­len­den Son­der­kon­stel­la­tio­nen, son­dern in bestimm­ten, wenn auch zah­len­mä­ßig begrenz­ten typi­schen Fäl­len ohne zurei­chen­de sach­li­che Grün­de ver­hält­nis­mä­ßig stär­ker belas­tet wer­den als ande­re 6. Der Gesetz­ge­ber kann dann gehal­ten sein, den unter­schied­li­chen Aus­wir­kun­gen einer gesetz­li­chen Rege­lung durch Här­te­re­ge­lun­gen oder wei­te­re Dif­fe­ren­zie­run­gen wie Aus­nah­me­tat­be­stän­de Rech­nung zu tra­gen 7. Auch wenn für den Antrag­stel­ler, der sich als aus­län­di­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger für sei­ne Berufs­tä­tig­keit auf die Ver­hal­tens­frei­heit (Art. 2 Abs. 1 GG) beru­fen kann 8, das Glei­che gel­ten mag, bedarf es vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, ob Gast­stät­ten, die über­wie­gend auf das Rau­chen von Was­ser­pfei­fen aus­ge­rich­tet sind, die beschrie­be­nen Vor­aus­set­zun­gen einer beson­de­ren Betrof­fen­heit erfül­len 9. Denn eine stär­ke­re Belas­tung von Inha­bern bestimm­ter Arten von Gast­stät­ten – bis hin zur Gefähr­dung ihrer wirt­schaft­li­chen Exis­tenz – ist ange­sichts der für alle Gast­stät­ten gel­ten­den Rege­lung durch hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt, wes­halb weder Aus­nah­me- noch Här­te­re­ge­lun­gen erfor­der­lich sind 10.


Ange­sichts sei­nes Ein­schät­zungs­spiel­raums ist es ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass der Lan­des­ge­setz­ge­ber auch den beim Rau­chen von Was­ser­pfei­fen ent­ste­hen­den Tabak­rauch in der Umge­bungs­luft als Gefahr für die Gesund­heit der Bevöl­ke­rung ansieht. Ent­schei­det sich der Gesetz­ge­ber wegen des hohen Rangs der zu schüt­zen­den Rechts­gü­ter für ein strik­tes Rauch­ver­bot in allen Gast­stät­ten, so darf er die­ses Kon­zept kon­se­quent ver­fol­gen und muss sich auch nicht auf Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für sol­che Gast­stät­ten ein­las­sen, bei denen – wie bei so genann­ten Shi­sha-Bars – das Rau­chen Teil des gas­tro­no­mi­schen Kon­zepts ist. Auch die beson­de­re Belas­tung des Antrag­stel­lers begrün­det kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fel am strik­ten Rauch­ver­bot. Denn eine stär­ke­re Belas­tung von Inha­bern bestimm­ter Arten von Gast­stät­ten – bis hin zur Gefähr­dung ihrer wirt­schaft­li­chen Exis­tenz – ist ange­sichts der ohne Aus­nah­men für alle Gast­stät­ten gel­ten­den Rege­lung durch hin­rei­chen­de sach­li­che Grün­de gerecht­fer­tigt, wes­halb weder Aus­nah­me- noch Här­te­re­ge­lun­gen erfor­der­lich sind.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 2. August 2010 – 1 BvQ 23/​10

  1. vgl. BVerfGE 121, 317, 357 ff.[]
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 06.08.2008 – 1 BvR 3198/​07, 1 BvR 1431/​08, NJW 2008, S. 2701[]
  3. vgl. dazu LT-Drs 15/​8603, S. 10[]
  4. vgl. BVerfGE 121, 317, 350, m.w.N.[]
  5. vgl. dazu Deut­sches Krebs­for­schungs­zen­trum, Was­ser­pfei­fe – die süße Ver­su­chung; Bun­des­in­sti­tut für Risi­ko­be­wer­tung, Aus­ge­wähl­te Fra­gen und Ant­wor­ten zu Was­ser­pfei­fen, Aktua­li­sier­te FAQ des BfR vom 1. Mai 2009[]
  6. vgl. BVerfGE 77, 84, 113, m.w.N.[]
  7. vgl. BVerfGE 34, 71, 80[]
  8. vgl. BVerfGE 104, 337, 346[]
  9. vgl. in die­sem Zusam­men­hang VerfGH Saar­land, Urteil vom 01.12.2008 – Lv 2/​08 u.a.; VerfGH Ber­lin, Beschluss vom 11.07.2008 – 93 A/​08[]
  10. vgl. BVerfGE 121, 317, 358[]