Seil­zir­kus

Bei einem Gebrauchs­ge­gen­stand kön­nen nur sol­che Merk­ma­le Urhe­ber­rechts­schutz als Werk der ange­wand­ten Kunst im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG begrün­den, die nicht allein tech­nisch bedingt, son­dern auch künst­le­risch gestal­tet sind. Eine Gestal­tung genießt kei­nen Urhe­ber­rechts­schutz, wenn sie allein aus zwar frei wähl­ba­ren oder aus­tausch­ba­ren, aber tech­nisch beding­ten Merk­ma­len besteht und kei­ne künst­le­ri­sche Leis­tung erken­nen lässt. Allein durch die Aus­nut­zung eines hand­werk­lich-kon­struk­ti­ven Gestal­tungs­spiel­raums oder durch den Aus­tausch eines tech­ni­schen Merk­mals durch ein ande­res ent­steht noch kein eigen­schöp­fe­ri­sches Kunst­werk.

Seil­zir­kus

Wer für einen Gebrauchs­ge­gen­stand Urhe­ber­rechts­schutz als Werk der ange­wand­ten Kunst im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG bean­sprucht, muss genau und deut­lich dar­le­gen, inwie­weit der Gebrauchs­ge­gen­stand über sei­ne von der Funk­ti­on vor­ge­ge­be­ne Form hin­aus künst­le­risch gestal­tet ist.

KlettergerüstDies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof im Streit zwei­er Her­stel­ler von Klet­ter­net­zen:

Kein Urhe­ber­rechts­schutz

Der Bun­des­ge­richts­hof ver­neint zunächst urhe­ber­recht­li­che Ansprü­che auf Unter­las­sung, Aus­kunfts­er­tei­lung und Rech­nungs­le­gung sowie Scha­dens­er­satz. Der BGH hat ange­nom­men, die Leis­tung, die Con­rad Roland nach Behaup­tung der Klä­ge­rin mit der Ent­wick­lung der Klet­ter­net­ze vom Typ „Seil­zir­kus“ erbracht habe, sei nicht als Werk der ange­wand­ten Kunst im Sin­ne des § 2 Abs. 1 Nr. 4, Abs. 2 UrhG urhe­ber­recht­lich geschützt, weil sie nicht auf gestal­te­ri­schem, son­dern allein auf tech­ni­schem Gebiet lie­ge.

Nach § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG gehö­ren Wer­ke der bil­den­den Kunst, ein­schließ­lich der Wer­ke der Bau­kunst und der ange­wand­ten Kunst und Ent­wür­fe sol­cher Wer­ke zu den urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Wer­ken, sofern sie nach § 2 Abs. 2 UrhG per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fun­gen sind.

Die von der Klä­ge­rin her­ge­stell­ten Klet­ter­net­ze die­nen einem Gebrauchs­zweck und sind daher dem Bereich der ange­wand­ten Kunst und nicht dem der „rei­nen“ (zweck­frei­en) Kunst zuzu­rech­nen. Eine per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung ist eine Schöp­fung indi­vi­du­el­ler Prä­gung, deren ästhe­ti­scher Gehalt einen sol­chen Grad erreicht hat, dass nach Auf­fas­sung der für Kunst emp­fäng­li­chen und mit Kunst­an­schau­un­gen eini­ger­ma­ßen ver­trau­ten Krei­se von einer „künst­le­ri­schen“ Leis­tung gespro­chen wer­den kann [1].

Nach den getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen han­delt es sich bei den hier in Rede ste­hen­den Klet­ter­net­zen der Klä­ge­rin nicht um Schöp­fun­gen indi­vi­du­el­ler Prä­gung.

Nur sol­che Merk­ma­le eines Gebrauchs­ge­gen­stan­des kön­nen Urhe­ber­rechts­schutz begrün­den, die nicht allein tech­nisch bedingt, son­dern auch künst­le­risch gestal­tet sind.

Tech­nisch bedingt sind die­je­ni­gen Merk­ma­le eines Gebrauchs­ge­gen­stan­des, ohne die er nicht funk­tio­nie­ren könn­te [2]. Dazu gehö­ren sowohl Merk­ma­le, die bei gleich­ar­ti­gen Erzeug­nis­sen aus tech­ni­schen Grün­den zwin­gend ver­wen­det wer­den müs­sen, als auch Merk­ma­le, die zwar aus tech­ni­schen Grün­den ver­wen­det wer­den, aber frei wähl­bar oder aus­tausch­bar sind [3]. Soweit die Gestal­tung sol­cher Merk­ma­le allein auf tech­ni­schen Erfor­der­nis­sen beruht, kön­nen sie einem Gebrauchs­ge­gen­stand kei­nen Urhe­ber­rechts­schutz ver­lei­hen [4]. Das folgt bereits dar­aus, dass nach § 2 Abs. 2 UrhG nur per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fun­gen als Wer­ke urhe­ber­recht­lich geschützt sind. Eine per­sön­li­che geis­ti­ge Schöp­fung ist aus­ge­schlos­sen, wo für eine künst­le­ri­sche Gestal­tung kein Raum besteht, weil die Gestal­tung durch tech­ni­sche Erfor­der­nis­se vor­ge­ge­ben ist.

Hin­zu kommt, dass im Sys­tem der Rech­te des geis­ti­gen Eigen­tums tech­nisch beding­te Merk­ma­le, die nicht (mehr) als tech­ni­sche Erfin­dun­gen Patent­schutz oder Gebrauchs­mus­ter­schutz genie­ßen, im Hin­blick auf das öffent­li­che Inter­es­se an einer unge­hin­der­ten tech­ni­schen Ent­wick­lung grund­sätz­lich frei ver­wend­bar sein sol­len. So sind nach Art. 3 Abs. 1 Buchst. e Zif­fer ii Mar­kenRL, Art. 7 Abs. 1 Buchst. e Zif­fer ii GMV und § 3 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG Zei­chen, die aus­schließ­lich aus einer Form bestehen, die zur Errei­chung einer tech­ni­schen Wir­kung erfor­der­lich ist, dem Schutz als Mar­ke nicht zugäng­lich. Fer­ner sind gemäß Art. 7 Abs. 1 der Richt­li­nie 98/​71/​EG über den recht­li­chen Schutz von Mus­tern und Model­len, § 3 Abs. 1 Nr. 1 GeschmMG und Art. 8 Abs. 1 GGV Erschei­nungs­merk­ma­le von Erzeug­nis­sen, die aus­schließ­lich durch deren tech­ni­sche Funk­ti­on bedingt sind, vom Geschmacks­mus­ter­schutz aus­ge­schlos­sen. Dem Inha­ber eines Mar­ken­rechts oder Geschmacks­mus­ter­rechts ist es dadurch im öffent­li­chen Inter­es­se ver­wehrt, tech­ni­sche Lösun­gen für sich zu mono­po­li­sie­ren [5]. Dem wider­sprä­che es, wenn tech­nisch beding­te Merk­ma­le urhe­ber­recht­lich schutz­fä­hig wären und der Urhe­ber den frei­en Stand der Tech­nik für sich mono­po­li­sie­ren könn­te.

Urhe­ber­rechts­schutz für einen Gebrauchs­ge­gen­stand kommt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs daher nur in Betracht, wenn sei­ne Gestal­tung nicht nur eine tech­ni­sche Lösung ver­kör­pert, son­dern einen durch eine künst­le­ri­sche Leis­tung geschaf­fe­nen ästhe­ti­schen Gehalt auf­weist [6]. Zwar kann auch eine Gestal­tung, die ledig­lich eine tech­ni­sche Lösung ver­kör­pert, eine ästhe­ti­sche Wir­kung haben. Urhe­ber­recht­lich geschützt ist jedoch nur die Gestal­tung, die auf einer künst­le­ri­schen Leis­tung beruht [7]. Dabei muss das künst­le­ri­sche Ele­ment nicht in schmü­cken­dem Bei­werk – im Zier­rat oder Orna­ment – lie­gen. Eben­so wenig muss der ästhe­ti­sche Gehalt gegen­über dem Gebrauchs­zweck über­wie­gen. Die Urhe­ber­rechts­schutz­fä­hig­keit besteht viel­mehr auch bei einem über­wie­gen­den Gebrauchs­zweck und kann auch dann gege­ben sein, wenn der ästhe­ti­sche Gehalt in die ihrem Zwe­cke gemäß – in kla­rer Lini­en­füh­rung ohne schmü­cken­des Bei­werk – gestal­te­te Gebrauchs­form ein­ge­gan­gen ist. Maß­ge­bend ist allein, ob der ästhe­ti­sche Gehalt als sol­cher aus­reicht, um von einer künst­le­ri­schen Leis­tung zu spre­chen [8].

Die Klä­ge­rin trägt die Dar­le­gungs­last dafür, dass die von ihr her­ge­stell­ten Klet­ter­net­ze über indi­vi­du­el­le Gestal­tungs­merk­ma­le ver­fü­gen, die über die Ver­wirk­li­chung einer tech­ni­schen Lösung hin­aus­ge­hen und dadurch den Schutz des Urhe­ber­rechts begrün­den kön­nen.

Der Klä­ger trägt im urhe­ber­recht­li­chen Ver­let­zungs­pro­zess die Dar­le­gungs­last für das Vor­lie­gen einer per­sön­li­chen geis­ti­gen Schöp­fung [9]. Er hat daher nicht nur das betref­fen­de Werk vor­zu­le­gen, son­dern grund­sätz­lich auch die kon­kre­ten Gestal­tungs­ele­men­te dar­zu­le­gen, aus denen sich der urhe­ber­recht­li­che Schutz erge­ben soll [10].

Nähe­re Dar­le­gun­gen sind zwar ent­behr­lich, wenn sich die maß­geb­li­chen Umstän­de schon bei einem blo­ßen Augen­schein erken­nen las­sen. In sol­chen ein­fach gela­ger­ten Fäl­len kann der Klä­ger sei­ner Dar­le­gungs­last bereits durch Vor­la­ge des Wer­kes oder von Foto­gra­fien des Wer­kes genü­gen [11]. Bei Gebrauchs­ge­gen­stän­den, die bestimm­ten tech­ni­schen Anfor­de­run­gen genü­gen müs­sen und tech­nisch beding­te Gestal­tungs­merk­ma­le auf­wei­sen, sind die Mög­lich­kei­ten einer künst­le­ri­sch­äs­the­ti­schen Aus­for­mung zwar nicht aus­ge­schlos­sen, aber regel­mä­ßig ein­ge­schränkt [12]. Bei sol­chen Form­ge­stal­tun­gen stellt sich daher in beson­de­rem Maß die Fra­ge, ob die gewähl­te Form durch den Gebrauchs­zweck tech­nisch bedingt ist [13]. Des­halb muss bei der­ar­ti­gen Wer­ken der ange­wand­ten Kunst genau und deut­lich dar­ge­legt wer­den, inwie­weit der Gebrauchs­ge­gen­stand über sei­ne von der Funk­ti­on vor­ge­ge­be­ne Form hin­aus künst­le­risch gestal­tet ist [14].

Nach die­sen Maß­stä­ben kann auf­grund der getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen nicht ange­nom­men wer­den, dass es sich bei den Klet­ter­net­zen der Klä­ge­rin um Schöp­fun­gen indi­vi­du­el­ler Prä­gung und damit um ein Werk der ange­wand­ten Kunst han­delt.

Das Beru­fungs­ge­richt hat ange­nom­men, es sei weder von der Klä­ge­rin hin­rei­chend dar­ge­legt noch sonst ersicht­lich, durch wel­che indi­vi­du­el­len Gestal­tungs­merk­ma­le, die über die tech­ni­sche Idee und ihre Ver­wirk­li­chung hin­aus­gin­gen, die Raum­net­ze der Klä­ge­rin den Schutz des Urhe­ber­rechts erlangt haben könn­ten. Die Ent­wick­lung der Klet­ter­net­ze sei zunächst eine tech­ni­sche Idee gewe­sen. Sie habe die tech­ni­sche Auf­ga­be gelöst, ein zum Klet­tern geeig­ne­tes Spiel­ge­rät aus einem Mast und Sei­len zu kon­stru­ie­ren. Die tech­ni­sche Ziel­rich­tung kom­me ins­be­son­de­re dar­in zum Aus­druck, dass die Kon­struk­ti­on für die Ertei­lung eines Patents ange­mel­det wor­den sei. Die Pro­duk­te der Klä­ge­rin setz­ten das tech­ni­sche Kon­zept ein­fach und ratio­nell um. Dar­in allein sei noch kei­ne künst­le­ri­sche Gestal­tungs­leis­tung zu sehen. Eine schöp­fe­ri­sche Gestal­tung der Ein­zel­tei­le – wie etwa des Mas­tes, der Sei­le, der Ver­an­ke­run­gen oder der Ver­bin­dungs­glie­der – sei nicht zu erken­nen. Soweit die Net­ze eine ästhe­ti­sche Wir­kung erziel­ten, beru­he die­se auf der tech­ni­schen Kon­struk­ti­on.

Die Revi­si­on macht ohne Erfolg gel­tend, das Beru­fungs­ge­richt habe das Vor­brin­gen der Klä­ge­rin nicht berück­sich­tigt, dass ein erheb­li­cher Spiel­raum für die Gestal­tung von Klet­ter­ge­rä­ten bestehe und die von der Klä­ge­rin gewähl­te Form eines Klet­ter­net­zes daher nicht zwin­gend vor­ge­ge­ben sei. Das Beru­fungs­ge­richt hät­te als Ver­gleichs­maß­stab „Klet­ter­ge­rüs­te für Kin­der“ her­an­zie­hen müs­sen. Dann hät­te es fest­ge­stellt, dass der­ar­ti­ge Klet­ter­ge­rä­te einen erheb­li­chen Gestal­tungs­spiel­raum für die Form­ge­bung eröff­ne­ten und die von der Klä­ge­rin gewähl­te Seil­kon­struk­ti­on und Pyra­mi­den­form nicht zwin­gend erfor­der­lich sei. Aber selbst wenn man den Ver­gleichs­maß­stab mit dem Beru­fungs­ge­richt auf „Klet­ter­net­ze mit Mast, Sei­len und Innen­netz“ ver­en­ge, bestehe noch ein erheb­li­cher Gestal­tungs­spiel­raum für die Form­ge­bung. So sei es tech­nisch schon nicht zwin­gend not­wen­dig, ein Klet­ter­netz um einen ein­zi­gen zen­tra­len Mast her­um anzu­ord­nen. Viel­mehr könn­ten zum Bei­spiel auch meh­re­re Mas­ten am Rand des Net­zes ange­ord­net wer­den. Bereits dadurch erge­be sich eine Viel­zahl neu­er Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten. Aber selbst bei Klet­ter­ge­rä­ten, die im Wesent­li­chen aus nur einem ein­zel­nen Mast und Sei­len bestün­den, ergä­ben sich zahl­rei­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten, die deren Erschei­nungs­bild ent­schei­dend ver­än­der­ten. So sei es etwa mög­lich, die Stütz­sei­le ver­setzt am Mast anzu­brin­gen, den Mast auf einer Sei­te anzu­ord­nen oder das Netz waa­ge­recht oder hän­ge­mat­ten­ar­tig aus­zu­bil­den.

Ent­ge­gen der Dar­stel­lung der Revi­si­on hat das Beru­fungs­ge­richt berück­sich­tigt, dass es zahl­rei­che ande­re Mög­lich­kei­ten zur Gestal­tung von Klet­ter­ge­rä­ten gibt und die Gestal­tung der Klet­ter­net­ze der Klä­ge­rin nicht zwin­gend vor­ge­ge­ben ist. Das Beru­fungs­ge­richt hat ange­nom­men, die Gestal­tungs­merk­ma­le der Klet­ter­net­ze der Klä­ge­rin – der Mast, die am Mast ver­an­ker­ten Stütz­sei­le, die Ver­an­ke­run­gen die­ser Sei­le im Boden, das Innen­netz und die Ver­knüp­fun­gen der Sei­le mit­ein­an­der – sei­en nicht tech­nisch not­wen­dig, weil bei der Kon­struk­ti­on eines Klet­ter­ge­räts ein tech­ni­scher Gestal­tungs­spiel­raum bestehe. So könn­ten anstel­le der tex­ti­len Sei­le etwa Ket­ten aus Metall­glie­dern oder statt fle­xi­bler Ver­bin­dun­gen star­re Druck­stä­be ver­wen­det wer­den.

Die Revi­si­on geht zu Unrecht davon aus, dass nur eine Ver­wen­dung tech­nisch zwin­gend not­wen­di­ger Gestal­tungs­merk­ma­le einen Urhe­ber­rechts­schutz aus­schließt. Sie berück­sich­tigt nicht, dass eine Gestal­tung auch dann kei­nen Urhe­ber­rechts­schutz genießt, wenn sie allein aus zwar frei wähl­ba­ren oder aus­tausch­ba­ren, aber tech­nisch beding­ten Merk­ma­len besteht und kei­ne künst­le­ri­sche Leis­tung erken­nen lässt. Nach den rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ist dies hier der Fall. Das Beru­fungs­ge­richt hat ange­nom­men, die von der Klä­ge­rin gewähl­ten Gestal­tungs­merk­ma­le sei­en zwar nicht tech­nisch not­wen­dig, aber tech­nisch bedingt, weil die Net­ze der Klä­ge­rin ohne sie ihrer Zweck­be­stim­mung als Klet­ter­ge­rä­te nicht die­nen könn­ten. Wer­de ein Gerät – wie hier – als Netz aus Mast und Sei­len kon­stru­iert, sei­en die­se Tei­le essen­ti­el­ler Bestand­teil der tech­ni­schen Kon­struk­ti­on. Die Ent­schei­dun­gen über das Aus­maß und die Pro­por­tio­nen des Net­zes, die Dicht­heit des Innen­net­zes, die Zahl und Stär­ke der Sei­le und die Form der Ver­bin­dungs­glie­der sei­en in ers­ter Linie dem Zweck des Geräts geschul­det und tech­nisch bedingt. Dabei ver­wirk­li­che sich allein der tech­ni­sche Gestal­tungs­spiel­raum. Allein durch die Aus­nut­zung eines hand­werk­lich­kon­struk­ti­ven Gestal­tungs­spiel­raums oder durch den Aus­tausch eines tech­ni­schen Merk­mals durch ein ande­res ent­ste­he noch kein eigen­schöp­fe­ri­sches Kunst­werk. Die Gestal­tung der Klet­ter­net­ze der Klä­ge­rin errei­che daher kei­ne künst­le­ri­sche Qua­li­tät.

Die Revi­si­on setzt dem ver­geb­lich ent­ge­gen, aus der For­mu­lie­rung des Beru­fungs­ge­richts, die Ori­gi­na­li­tät und der Reiz der Klet­ter­net­ze beru­he wesent­lich nicht auf einer gestal­te­ri­schen, son­dern auf einer tech­ni­schen Idee, fol­ge, dass das Beru­fungs­ge­richt den Klet­ter­net­zen der Klä­ge­rin jeden­falls das erfor­der­li­che Mini­mum an Gestal­tungs­hö­he zubil­li­ge. Das Beru­fungs­ge­richt ist ein­deu­tig davon aus­ge­gan­gen, dass weder dar­ge­legt noch ersicht­lich sei, durch wel­che indi­vi­du­el­len Gestal­tungs­merk­ma­le, die über die tech­ni­sche Idee und ihre Ver­wirk­li­chung hin­aus­gin­gen, die von der Klä­ge­rin her­ge­stell­ten Raum­net­ze den Schutz des Urhe­ber­rechts erlangt haben könn­ten. Es hat ange­nom­men, die Klä­ge­rin habe den – von vorn­her­ein nur ver­hält­nis­mä­ßig gerin­gen – Spiel­raum für eine ästhe­ti­sche Gestal­tung nicht genutzt.

Die Revi­si­on macht fer­ner ohne Erfolg gel­tend, das Beru­fungs­ge­richt habe nicht berück­sich­tigt, dass Con­rad Roland für einen Pro­to­typ der Raum­netz­wer­ke, das soge­nann­te Spiel­Raum­netz, im Jah­re 1971 mit dem Son­der­preis des Bun­des­prei­ses „Gute Form“ aus­ge­zeich­net wor­den sei und dies ein star­kes Indiz für die beson­de­re Gestal­tungs­hö­he der Raum­netz­wer­ke der Klä­ge­rin sei. Die Revi­si­on legt schon nicht dar, dass es sich bei dem „Spiel­Raum­netz“ Con­rad Rolands um ein dem „Seil­zir­kus“ der Klä­ge­rin ent­spre­chen­des Klet­ter­netz han­delt. Nach den von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Abbil­dun­gen unter­schei­det sich die Gestal­tung des Spiel­Raum­net­zes in mehr­fa­cher Hin­sicht ganz erheb­lich von den Klet­ter­net­zen der Par­tei­en.

Da bereits nicht ange­nom­men wer­den kann, dass es sich bei den hier in Rede ste­hen­den Klet­ter­net­zen der Klä­ge­rin um Schöp­fun­gen indi­vi­du­el­ler Prä­gung han­delt, kommt es nicht auf den Grad des ästhe­ti­schen Gehalts die­ser Klet­ter­net­ze an. Es kann daher offen­blei­ben, ob an der vom Beru­fungs­ge­richt refe­rier­ten Recht­spre­chung fest­zu­hal­ten ist, nach der bei Wer­ken der ange­wand­ten Kunst höhe­re Anfor­de­run­gen an die Gestal­tungs­hö­he eines Wer­kes zu stel­len sind als bei Wer­ken der zweck­frei­en Kunst.

Nach die­ser Recht­spre­chung ist bei Wer­ken der zweck­frei­en bil­den­den Kunst – eben­so wie im Bereich des lite­ra­ri­schen und musi­ka­li­schen Schaf­fens – die soge­nann­te klei­ne Mün­ze aner­kannt, die ein­fa­che Schöp­fun­gen umfasst. Dage­gen ist bei Wer­ken der ange­wand­ten Kunst, soweit sie einem Geschmacks­mus­ter­schutz zugäng­lich sind, ein deut­li­ches Über­ra­gen der Durch­schnitts­ge­stal­tung gefor­dert. Dies wird damit begrün­det, dass zwi­schen dem Urhe­ber­recht und dem Geschmacks­mus­ter­recht kein Wesens­un­ter­schied, son­dern nur ein gra­du­el­ler Unter­schied bestehe. Da sich bereits die geschmacks­mus­ter­schutz­fä­hi­ge Gestal­tung von der nicht geschütz­ten Durch­schnitts­ge­stal­tung – dem rein Hand­werks­mä­ßi­gen und All­täg­li­chen – abhe­ben müs­se, sei für die Urhe­ber­rechts­schutz­fä­hig­keit ein noch wei­te­rer Abstand, das heißt ein deut­li­ches Über­ra­gen der Durch­schnitts­ge­stal­tung zu for­dern. Für den Urhe­ber­rechts­schutz sei danach ein höhe­rer schöp­fe­ri­scher Eigen­tüm­lich­keits­grad als bei nur geschmacks­mus­ter­fä­hi­gen Gegen­stän­den zu ver­lan­gen, wobei die Gren­ze zwi­schen bei­den nicht zu nied­rig ange­setzt wer­den dür­fe [15], Beschluss vom 26.01.2005 – 1 BvR 157/​02, GRUR 2005, 410 – Lau­fen­des Auge)).

Gegen eine Fort­füh­rung die­ser Recht­spre­chung wird ins­be­son­de­re ein­ge­wandt, dass das Geschmacks­mus­ter­recht nach sei­ner Neu­ge­stal­tung durch das Geschmacks­mus­ter­re­form­ge­setz vom 12.03.2004 [16], mit dem die Richt­li­ne 98/​71/​EG über den recht­li­chen Schutz von Mus­tern und Model­len umge­setzt wor­den ist, sich nicht mehr als Unter­bau zum Urhe­ber­recht eig­ne, weil zwi­schen bei­den Schutz­rech­ten kein Stu­fen­ver­hält­nis mehr bestehe. Der Gesetz­ge­ber habe mit dem Geschmacks­mus­ter­recht ein eigen­stän­di­ges gewerb­li­ches Schutz­recht schaf­fen und den engen Bezug zum Urhe­ber­recht besei­ti­gen wol­len. Urhe­ber­rechts­schutz und Geschmacks­mus­ter­schutz schlös­sen sich nicht aus, son­dern könn­ten neben­ein­an­der bestehen. Zudem gebe die euro­päi­sche Urhe­ber­rechts­ent­wick­lung Anlass, auch bei Wer­ken der ange­wand­ten Kunst nicht mehr von einer höhe­ren Schutz­un­ter­gren­ze aus­zu­ge­hen [17].

Da sich die Fra­ge der Anfor­de­run­gen an die Gestal­tungs­hö­he von Wer­ken der ange­wand­ten Kunst im Streit­fall nicht stellt, kann offen­blei­ben, ob die­se Ein­wän­de durch­grei­fen. Selbst wenn bei Wer­ken der ange­wand­ten Kunst kei­ne höhe­ren Anfor­de­run­gen an die Gestal­tungs­hö­he eines Wer­kes zu stel­len wären als bei Wer­ken der zweck­frei­en Kunst, wäre bei der Beur­tei­lung der Gestal­tungs­hö­he eines Wer­kes der ange­wand­ten Kunst, das einem Gebrauchs­zweck dient, zu berück­sich­ti­gen, dass die ästhe­ti­sche Wir­kung der Gestal­tung einen Urhe­ber­rechts­schutz nur begrün­den kann, soweit sie nicht dem Gebrauchs­zweck geschul­det und tech­nisch bedingt ist, son­dern auf einer künst­le­ri­schen Leis­tung beruht. Das kann dazu füh­ren, dass ein Werk der ange­wand­ten Kunst, das eine eben­so gro­ße ästhe­ti­sche Wir­kung aus­übt wie ein Werk der zweck­frei­en Kunst, anders als die­ses kei­nen Urhe­ber­rechts­schutz genießt.

Kein wett­be­werbs­recht­li­cher Leis­tungs­schutz

Sodann ver­neint der Bun­des­ge­richts­hof auch Ansprü­che aus ergän­zen­dem wett­be­werbs­recht­li­chem Leis­tungs­schutz:

Das Beru­fungs­ge­richt hat­te auch über den hilfs­wei­se gel­tend gemach­ten Anspruch aus ergän­zen­dem wett­be­werbs­recht­li­chem Leis­tungs­schutz in der Sache zu ent­schei­den. Hat der Klä­ger einen Haupt­an­trag und einen Hilfs­an­trag gestellt und ist in ers­ter Instanz dem Haupt­an­trag statt­ge­ge­ben wor­den, fällt durch die Beru­fung des Beklag­ten der Hilfs­an­trag ohne wei­te­res dem Beru­fungs­rechts­zug an, ohne dass es einer Anschluss­be­ru­fung des Klä­gers bedarf; das Beru­fungs­ge­richt hat des­halb, wenn es den Haupt­an­trag abwei­sen will, auch über den Hilfs­an­trag zu befin­den [18].

Hin­sicht­lich der maß­geb­li­chen Rechts­grund­la­gen ist zwi­schen dem Unter­las­sungs­an­spruch einer­seits und den Ansprü­chen auf Aus­kunfts­er­tei­lung und Rech­nungs­le­gung sowie Scha­dens­er­satz ande­rer­seits zu unter­schei­den. Auf das in die Zukunft gerich­te­te Unter­las­sungs­be­geh­ren der Klä­ge­rin sind die Bestim­mun­gen des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb in der der­zeit gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den. Der auf Wie­der­ho­lungs­ge­fahr gestütz­te Unter­las­sungs­an­spruch besteht aller­dings nur, wenn das bean­stan­de­te Ver­hal­ten der Beklag­ten auch nach der zur Zeit der Bege­hung gel­ten­den Fas­sung des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb wett­be­werbs­wid­rig war. Dage­gen kommt es für die Fra­ge, ob der Klä­ge­rin ein Scha­dens­er­satz­an­spruch und – als Hilfs­an­sprü­che zu des­sen Durch­set­zung – Ansprü­che auf Aus­kunfts­er­tei­lung und Rech­nungs­le­gung zuste­hen, allein auf das zur Zeit der bean­stan­de­ten Hand­lun­gen gel­ten­de Recht an [19]. Eine für die Beur­tei­lung des Streit­falls maß­geb­li­che Ände­rung der Rechts­la­ge ist aller­dings nicht ein­ge­tre­ten, so dass im Fol­gen­den zwi­schen altem und neu­em Recht nicht unter­schie­den zu wer­den braucht.

Die Richt­li­nie 2005/​29/​EG über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken steht einer Anwen­dung des § 4 Nr. 9 UWG nicht ent­ge­gen. Sie bezweckt zwar eine voll­stän­di­ge Anglei­chung des Rechts der Mit­glied­staa­ten über unlau­te­re Geschäfts­prak­ti­ken und lässt in ihrem Anwen­dungs­be­reich des­halb – von aus­drück­lich genann­ten Aus­nah­men abge­se­hen – weder mil­de­re noch stren­ge­re natio­na­le Rege­lun­gen zu. Die Vor­schrift des § 4 Nr. 9 UWG liegt jedoch außer­halb des Anwen­dungs­be­reichs der Richt­li­nie und bleibt daher von die­ser unbe­rührt [20].

Das Beru­fungs­ge­richt ist zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass Ansprü­che aus ergän­zen­dem wett­be­werbs­recht­li­chem Leis­tungs­schutz wegen der Ver­wer­tung eines frem­den Leis­tungs­er­geb­nis­ses unab­hän­gig vom Bestehen von Ansprü­chen aus einem Schutz­recht gege­ben sein kön­nen, wenn beson­de­re Begleit­um­stän­de vor­lie­gen, die außer­halb des son­der­ge­setz­li­chen Tat­be­stands lie­gen [21]. Die Klä­ge­rin begrün­det ihre wett­be­werbs­recht­li­chen Ansprü­che damit, dass die Beklag­ten die Merk­ma­le ihrer Klet­ter­net­ze über­nom­men hät­ten, die deren wett­be­werb­li­che Eigen­art begrün­den, und dadurch die Abneh­mer über die betrieb­li­che Her­kunft der Klet­ter­net­ze in ver­meid­ba­rer Wei­se getäuscht und zugleich die Wert­schät­zung der Klet­ter­net­ze unan­ge­mes­sen aus­ge­nutzt habe. Sie macht damit Begleit­um­stän­de gel­tend, die nicht in den Schutz­be­reich des Urhe­ber­rechts fal­len.

Wer Waren oder Dienst­leis­tun­gen anbie­tet, die eine Nach­ah­mung der Waren oder Dienst­leis­tun­gen eines Mit­be­wer­bers dar­stel­len, han­delt unlau­ter, wenn er eine ver­meid­ba­re Täu­schung der Abneh­mer über die betrieb­li­che Her­kunft her­bei­führt (§ 4 Nr. 9 Buchst. a UWG) oder die Wert­schät­zung der nach­ge­ahm­ten Ware oder Dienst­leis­tung unan­ge­mes­sen aus­nutzt oder beein­träch­tigt (§ 4 Nr. 9 Buchst. b UWG). Durch die Bestim­mung des § 4 Nr. 9 UWG ist der ergän­zen­de wett­be­werbs­recht­li­che Leis­tungs­schutz ledig­lich gesetz­lich gere­gelt, nicht aber inhalt­lich geän­dert wor­den, so dass die von der Recht­spre­chung hier­zu ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze wei­ter­hin gel­ten [22]. Danach kann der Ver­trieb eines nach­ah­men­den Erzeug­nis­ses wett­be­werbs­wid­rig sein, wenn das nach­ge­ahm­te Pro­dukt über wett­be­werb­li­che Eigen­art ver­fügt und beson­de­re Umstän­de hin­zu­tre­ten, die die Nach­ah­mung unlau­ter erschei­nen las­sen. So ver­hält es sich, wenn die Nach­ah­mung geeig­net ist, eine Her­kunfts­täu­schung her­vor­zu­ru­fen und der Nach­ah­mer geeig­ne­te und zumut­ba­re Maß­nah­men zur Ver­mei­dung der Her­kunfts­täu­schung unter­lässt oder wenn die Nach­ah­mung die Wert­schät­zung der nach­ge­ahm­ten Ware unan­ge­mes­sen aus­nutzt oder beein­träch­tigt. Dabei besteht eine Wech­sel­wir­kung zwi­schen dem Grad der wett­be­werb­li­chen Eigen­art, der Art und Wei­se und der Inten­si­tät der Über­nah­me sowie den beson­de­ren wett­be­werb­li­chen Umstän­den, so dass bei einer grö­ße­ren wett­be­werb­li­chen Eigen­art und einem höhe­ren Grad der Über­nah­me gerin­ge­re Anfor­de­run­gen an die unlau­ter­keits­be­grün­den­den Umstän­de zu stel­len sind und umge­kehrt [23].

Ein Erzeug­nis besitzt wett­be­werb­li­che Eigen­art, wenn des­sen kon­kre­te Aus­ge­stal­tung oder bestimm­te Merk­ma­le geeig­net sind, die inter­es­sier­ten Ver­kehrs­krei­se auf sei­ne betrieb­li­che Her­kunft oder sei­ne Beson­der­hei­ten hin­zu­wei­sen [24]. Das Beru­fungs­ge­richt ist zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass grund­sätz­lich auch tech­nisch beding­te Gestal­tungs­merk­ma­le die wett­be­werb­li­che Eigen­art eines Erzeug­nis­ses begrün­den kön­nen. Tech­nisch not­wen­di­ge Merk­ma­le – also Merk­ma­le, die bei gleich­ar­ti­gen Erzeug­nis­sen aus tech­ni­schen Grün­den zwin­gend ver­wen­det wer­den müs­sen – kön­nen aller­dings aus Rechts­grün­den kei­ne wett­be­werb­li­che Eigen­art begrün­den. Die Über­nah­me sol­cher nicht (mehr) unter Son­der­rechts­schutz ste­hen­der Gestal­tungs­merk­ma­le ist mit Rück­sicht auf den Grund­satz der Frei­heit des Stan­des der Tech­nik wett­be­werbs­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Dage­gen kön­nen Merk­ma­le, die zwar tech­nisch bedingt, aber frei wähl­bar oder aus­tausch­bar sind, einem Erzeug­nis wett­be­werb­li­che Eigen­art ver­lei­hen [25]. Nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ist die von der Klä­ge­rin für ihre Klet­ter­net­ze gewähl­te Gestal­tung zwar tech­nisch bedingt, aber nicht tech­nisch not­wen­dig. Die Gestal­tung kann daher zur wett­be­werb­li­chen Eigen­art der Klet­ter­net­ze bei­tra­gen.

Da das Beru­fungs­ge­richt kei­ne wei­te­ren Fest­stel­lun­gen zur wett­be­werb­li­chen Eigen­art getrof­fen hat, ist für die Revi­si­ons­in­stanz davon aus­zu­ge­hen, dass den Klet­ter­net­zen der Klä­ge­rin hoch­gra­di­ge wett­be­werb­li­che Eigen­art zukommt.

Das Beru­fungs­ge­richt hat hin­sicht­lich der Inten­si­tät der Über­nah­me ange­nom­men, es sei kei­ne iden­ti­sche Über­nah­me gege­ben. Die Knüpf­mus­ter der Innen­net­ze bil­de­ten bei den in Rede ste­hen­den Pro­duk­ten der Klä­ge­rin und der Beklag­ten zwar jeweils geo­me­tri­sche For­men, wichen aber in den Ein­zel­hei­ten – etwa in der Boden­ebe­ne – nicht uner­heb­lich von­ein­an­der ab. Soweit die Revi­si­on dem ent­ge­gen­setzt, bei zwei – näher bezeich­ne­ten – Vari­an­ten der Raum­netz­wer­ke der Beklag­ten han­de­le es sich um iden­ti­sche Kopien bzw. skla­vi­sche Nach­bau­ten der Raum­netz­wer­ke der Klä­ge­rin, weil nur gering­fü­gi­ge kon­struk­ti­ve Detail­un­ter­schie­de bestün­den, die für die Gestal­tung uner­heb­lich und prak­tisch kaum wahr­nehm­bar sei­en, ver­sucht sie ledig­lich, die tatrich­ter­li­che Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts durch ihre eige­ne zu erset­zen. Damit kann sie in der Revi­si­ons­in­stanz kei­nen Erfolg haben. Da das Beru­fungs­ge­richt kei­ne wei­te­ren Fest­stel­lun­gen zur Inten­si­tät der Über­nah­me getrof­fen hat, ist zuguns­ten der Klä­ge­rin davon aus­zu­ge­hen, dass die Beklag­te die Klet­ter­net­ze der Klä­ge­rin nahe­zu iden­tisch nach­ge­ahmt hat.

Nach den rechts­feh­ler­frei­en Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts lie­gen aller­dings kei­ne beson­de­ren Umstän­de vor, die eine Nach­ah­mung der Klet­ter­net­ze der Klä­ge­rin unlau­ter erschei­nen las­sen.

Die Über­nah­me von Merk­ma­len, die dem frei­zu­hal­ten­den Stand der Tech­nik ange­hö­ren und – unter Berück­sich­ti­gung des Gebrauchs­zwecks, der Ver­käuf­lich­keit der Ware sowie der Ver­brau­cher­er­war­tung – der ange­mes­se­nen Lösung einer tech­ni­schen Auf­ga­be die­nen, kann grund­sätz­lich nicht als wett­be­werbs­recht­lich unlau­ter ange­se­hen wer­den. Sie ist aller­dings unlau­ter, wenn durch die Über­nah­me sol­cher Merk­ma­le die Gefahr einer Her­kunfts­täu­schung her­vor­ge­ru­fen und die­ser Gefahr nicht durch zumut­ba­re Maß­nah­men ent­ge­gen­ge­wirkt wird [26]. Dabei ist es Wett­be­wer­bern nicht zuzu­mu­ten, auf eine ange­mes­se­ne tech­ni­sche Lösung zu ver­zich­ten, um die Gefahr einer Her­kunfts­täu­schung zu ver­mei­den [27]. Dage­gen kann es ihnen zuzu­mu­ten sein, die­ser Gefahr durch eine (unter­schei­den­de) Kenn­zeich­nung ihrer Pro­duk­te ent­ge­gen­zu­wir­ken [28]. Eine dann noch ver­blei­ben­de Gefahr der Her­kunfts­täu­schung muss grund­sätz­lich hin­ge­nom­men wer­den [29].

Das Beru­fungs­ge­richt hat rechts­feh­ler­frei ange­nom­men, dass danach kei­ne unlau­te­re Täu­schung über die betrieb­li­che Her­kunft der Erzeug­nis­se zu erken­nen ist. Dem­nach kann auch nicht ange­nom­men wer­den, dass es – wie die Revi­si­on gel­tend macht – infol­ge einer Her­kunfts­täu­schung zu einer Ruf­aus­beu­tung gekom­men ist.

Die Beklag­ten haben nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ledig­lich Merk­ma­le über­nom­men, die dem frei­zu­hal­ten­den Stand der Tech­nik ange­hö­ren und unter Berück­sich­ti­gung des Gebrauchs­zwecks, der Ver­käuf­lich­keit der Ware und der Ver­brau­cher­er­war­tung der ange­mes­se­nen Lösung einer tech­ni­schen Auf­ga­be die­nen. Sie haben nur von dem in der Offen­le­gungs­schrift beschrie­be­nen frei­en Stand der Tech­nik Gebrauch gemacht; es ist unstrei­tig, dass sich die Klet­ter­net­ze der Par­tei­en allein auf­grund der Anga­ben und der Kon­struk­ti­ons­zeich­nun­gen in der Offen­le­gungs­schrift kon­stru­ie­ren las­sen. Klet­ter­net­ze der von den Par­tei­en her­ge­stell­ten Art gehö­ren zum Stan­dard, den die Abneh­mer der Pro­duk­te erwar­ten; das ergibt sich ins­be­son­de­re dar­aus, dass ein ver­gleich­ba­res Mus­ter mit Mit­tel­mast, Stütz­sei­len und Innen­netz in dem Ent­wurf einer DIN EN 117611 als Stan­dard dar­ge­stellt ist.

Die Gefahr einer Her­kunfts­täu­schung ist nach den Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts bereits des­halb gering, weil sich die Pro­duk­te der Par­tei­en nicht an Ver­brau­cher, son­dern an einen sehr begrenz­ten Adres­sa­ten­kreis von meist öffent­li­chen Auf­trag­ge­bern rich­ten, die fach­kun­dig sind und dem Erwerb über­dies nicht sel­ten eine Aus­schrei­bung vor­schal­ten. Die Beklag­ten haben der ohne­hin nur gerin­gen Gefahr einer Her­kunfts­täu­schung aus­rei­chend ent­ge­gen­ge­wirkt. Die Beklag­te zu 1 weist in ihrem Kata­log die betrieb­li­che Her­kunft der von ihr ver­trie­be­nen Net­ze aus. Die Beklag­te zu 2 kenn­zeich­net die von ihr her­ge­stell­ten Net­ze ein­deu­tig als „Tayplay“-Kletternetze.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Mai 2011 – I ZR 53/​10

  1. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1983 – I ZR 177/​80, GRUR 1983, 377, 378 = WRP 1983, 484 Brom­beer-Mus­ter; Urteil vom 10.12.1986 – I ZR 15/​85, GRUR 1987, 903, 904 – LeCor­bu­si­er-Möbel; Urteil vom 01.06.2011 – I ZR 140/​09, GRUR 2011, 803 Rn. 31 = WRP 2011, 1070 – Lern­spie­le[]
  2. vgl. Schul­ze in Dreier/​Schulze, UrhG, 3. Aufl., § 2 Rn. 47[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 28.05.2009 I ZR 124/​06, GRUR 2010, 80 Rn. 27 = WRP 2010, 94 – LIKE-a-BIKE[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 23.10.1981 – I ZR 62/​79, GRUR 1982, 305, 307 Büro­mö­bel­pro­gramm; Urteil vom 15.07.2004 – I ZR 142/​01, GRUR 2004, 941, 942 = WRP 2004, 1498 – Metall­bett[]
  5. vgl. zu Art. 3 Abs. 1 Buchst. e Zif­fer ii Mar­kenRL EuGH, Urteil vom 18.06.2002 – C299/​99, Slg.2002, I5475 = GRUR 2002, 804 Rn. 78 bis 80 = WRP 2002, 924 – Philips/​Remington; zu Art. 7 Abs. 1 Buchst. e Zif­fer ii GMV EuGH, Urteil vom 14.09.2010 – C48/​09, GRUR 2010, 1008 Rn. 43 bis 48 = WRP 2010, 1359 – Lego Juris/​HABM; zu § 3 Abs. 2 Nr. 2 Mar­kenG BGH, Beschluss vom 17.11.2005 – I ZB 12/​04, GRUR 2006, 589 Rn. 15 = WRP 2006, 900 – Rasie­rer mit drei Scher­köp­fen; Beschluss vom 16.07.2009 – I ZB 53/​07, BGHZ 182, 325 Rn. 25 – Lego­stein; vgl. zu § 3 Abs. 1 Nr. 1 GeschmMG Eich­mann in Eichmann/​v. Falcken­stein, GeschmMG, 4. Aufl., § 3 Rn. 4; zu Art. 8 Abs. 1 GGV Ruhl, Gemein­schafts­ge­schmacks­mus­ter, 2. Aufl., Art. 8 Rn. 1; zum GeschmMG aF BGH, Urteil vom 10.01.2008 – I ZR 67/​05, GRUR 2008, 790 Rn. 22 = WRP 2008, 1234 – Bau­grup­pe, mwN[]
  6. BGH, Urteil vom 27.11.1956 – I ZR 57/​55, BGHZ 22, 209, 215 – Euro­pa­post; vgl. schon RGZ, Urteil vom 10.06.1911 – I 133/​10, RGZ 76, 339, 344 – Schul­frak­tur[]
  7. vgl. Ulmer, Urhe­ber- und Ver­lags­recht, 3. Aufl., S. 150[]
  8. vgl. BGHZ 22, 209, 215 – Euro­pa­post; Urteil vom 29.03.1957 – I ZR 236/​55, GRUR 1957, 391, 392 f.- Ledi­gen­heim; Urteil vom 27.02.1961 – I ZR 127/​59, GRUR 1961, 635, 637 f. Stahl­rohr­stuhl; Urteil vom 21.05.1969 – I ZR 42/​67, GRUR 1972, 38, 39 Vasen­leuch­ter[]
  9. BGH, Urteil vom 19.03.2008 – I ZR 166/​05, GRUR 2008, 984 Rn.19 = WRP 2008, 1440 – St. Gott­fried, mwN[]
  10. vgl. BGH, Urteil vom 10.10.1973 – I ZR 93/​72, GRUR 1974, 740, 741 – Ses­sel; Urteil vom 14.11.2002 – I ZR 199/​00, GRUR 2003, 231, 233 = WRP 2003, 279 Staats­bi­blio­thek[]
  11. vgl. BGH, GRUR 2003, 231, 233 Staats­bi­blio­thek; GRUR 2008, 984 Rn.19 St. Gott­fried, mwN[]
  12. vgl. BGH, GRUR 1982, 305, 306 f. – Büro­mö­bel­pro­gramm[]
  13. vgl. Loe­wen­heim in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 2 UrhG Rn. 162[]
  14. vgl. Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 2 Rn. 159; vgl. auch BGH, Urteil vom 14.05.2009 – I ZR 98/​06, BGHZ 181, 98 Rn. 45 – Tripp-Trapp-Stuhl[]
  15. st. Rspr., vgl. BGH, Urteil vom 22.06.1995 – I ZR 119/​93, GRUR 1995, 581, 582 = WRP 1995, 908 – Sil­ber­dis­tel, mwN; vgl. auch BVerfG ((Kam­mer[]
  16. BGBl. I S. 390 ff.[]
  17. Loe­wen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 2 UrhG Rn. 34 und 160; A. Nor­de­mann in Fromm/​Nordemann, Urhe­ber­recht, 10. Aufl., § 2 UrhG Rn. 146 ff.; Drey­er in Dreyer/​Kotthoff/​Meckel, Urhe­ber­recht, 2. Aufl. § 2 UrhG Rn. 64; Bul­lin­ger in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 2 UrhG Rn. 98; Möhring/​Nicolini/​Ahlberg, UrhG, 2. Aufl., § 2 Rn. 110 ff.; Kosch­ti­al, GRUR 2004, 555; Zen­tek, WRP 2010, 73; aA wohl Schul­ze in Dreier/​Schulze aaO § 2 Rn. 174; ders. in Loe­wen­heim, Hand­buch des Urhe­ber­rechts, 2. Aufl., § 9 Rn. 98; Ohly, GRUR 2007, 731, 733[]
  18. BGH, Urteil vom 16.01.1951 I ZR 22/​51, LM Nr. 1 zu § 525 ZPO; Urteil vom 29.01.1964 – V ZR 23/​63, BGHZ 41, 38, 39 f.; Urteil vom 24.09.1991 – XI ZR 245/​90, NJW 1992, 117[]
  19. st. Rspr.; vgl. BGH, GRUR 2010, 80 Rn. 15 = WRP 2010, 94 – LIKE-a-BIKE[]
  20. BGH, GRUR 2010, 80 Rn. 17 – LIKE-a-BIKE[]
  21. vgl. BGH, GRUR 2010, 80 Rn.19 – LIKE-a-BIKE, mwN[]
  22. vgl. BGH, GRUR 2010, 80 Rn.20 – LIKE-a-BIKE, mwN[]
  23. st. Rspr.; vgl. BGH, GRUR 2010, 80 Rn. 21 – LIKE-a-BIKE[]
  24. st. Rspr.; vgl. BGH, GRUR 2010, 80 Rn. 23 – LIKE-a-BIKE[]
  25. BGH, GRUR 2010, 80 Rn. 27 – LIKE-a-BIKE[]
  26. vgl. BGH, GRUR 2010, 80 Rn. 27 – LIKE-a-BIKE, mwN[]
  27. vgl. BGH, Urteil vom 08.11.2001 – I ZR 199/​99, GRUR 2002, 275, 276 f. = WRP 2002, 207 – Nop­pen­bah­nen[]
  28. vgl. BGH, Urteil vom 14.01.1999 – I ZR 203/​96, GRUR 1999, 751, 753 = WRP 1999, 816 – Gül­le­pum­pen; BGH, GRUR 2002, 275, 277 – Nop­pen­bah­nen; Urteil vom 19.10.2000 – I ZR 225/​98, GRUR 2001, 443, 445 f. = WRP 2001, 534 – Vien­net­ta; Urteil vom 07.02.2002 – I ZR 289/​99, GRUR 2002, 820, 823 = WRP 2002, 1054 – Brems­zan­gen[]
  29. BGH, GRUR 2002, 275, 277 – Nop­pen­bah­nen; Urteil vom 21.09.2006 – I ZR 270/​03, GRUR 2007, 339 Rn. 44 = WRP 2007, 313 – Stu­fen­lei­tern[]