Struk­tur­kün­di­gung bei Auto-Ver­trags­händ­lern

Das Erfor­der­nis der Fris­ten­pa­ri­tät (§ 89 Abs. 2 HGB) ist auf das in einem Ver­trags­händ­ler­ver­trag über den Ver­trieb neu­er Kraft­fahr­zeu­ge ver­ein­bar­te Son­der­kün­di­gungs­recht des Lie­fe­ran­ten mit ein­jäh­ri­ger Frist gemäß Art. 3 Abs. 5 Buchst. b ii GVO 1400/​2002 (Struk­tur­kün­di­gung) nicht ent­spre­chend anwend­bar.

Struk­tur­kün­di­gung bei Auto-Ver­trags­händ­lern

Die von dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten zur Aus­le­gung des Art. 5 Abs. 3 der GVO 1475/​1995 in der Ent­schei­dung Vul­can Sil­ke­borg A/​S ./​. Skan­di­na­visk Motor Co. A/​S ent­wi­ckel­ten Grund­sät­ze 1 sind auch für die Aus­le­gung der inhalt­lich über­ein­stim­men­den Nach­fol­ge­re­ge­lung des Art. 3 Abs. 5 Buchst. b ii GVO 1400/​2002 her­an­zu­zie­hen.

Eine Struk­tur­kün­di­gung gemäß Art. 3 Abs. 5 Buchst. b ii GVO 1400/​2002 setzt eine bedeut­sa­me Ände­rung der Ver­triebs­struk­tu­ren des Lie­fe­ran­ten sowohl in räum­li­cher als auch in finan­zi­el­ler Hin­sicht vor­aus, die auf plau­si­ble Wei­se durch Grün­de der wirt­schaft­li­chen Effi­zi­enz gerecht­fer­tigt sein muss; mög­li­che wirt­schaft­lich nach­tei­li­ge Fol­gen, die der Lie­fe­rant im Fall einer Kün­di­gung der Ver­triebs­ver­ein­ba­rung mit einer Frist von zwei Jah­ren erlei­den könn­te, sind in die­ser Hin­sicht erheb­lich 2.

Eine im Sin­ne die­ser Recht­spre­chung in räum­li­cher und finan­zi­el­ler Hin­sicht bedeut­sa­me Umstruk­tu­rie­rung liegt vor, wenn die Stand­or­te des bis­he­ri­gen Ver­triebs­net­zes zu einem erheb­li­chen Teil weg­fal­len oder ver­la­gert wer­den und durch die Vor­be­rei­tung und Durch­füh­rung der Umstruk­tu­rie­rung erheb­li­che Kos­ten ver­ur­sacht wer­den.

Die Umstruk­tu­rie­rung ist auf plau­si­ble Wei­se durch Grün­de der wirt­schaft­li­chen Effi­zi­enz gerecht­fer­tigt, wenn die Markt­an­tei­le des Lie­fe­ran­ten deut­lich rück­läu­fig sind und die Ursa­che dafür in der Struk­tur des Händ­ler­net­zes liegt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Juni 2009 – VIII ZR 150/​08

  1. EuGH, Urteil vom 7. Sep­tem­ber 2006 – Rs. C‑125/​05, Slg. 2006, I S. 7637, Rdnr. 40[]
  2. im Anschluss an EuGH, aaO[]