Urhe­ber­rechts­ab­ga­ben für PCs – der PC als Bild- und Ton­auf­zeich­nungs­ge­rät

Es kann nicht ohne Wei­te­res davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sämt­li­che PCs mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te, die in den Jah­ren 2002 bis 2005 in Ver­kehr gebracht wur­den, im Sin­ne des § 54 Abs. 1 UrhG aF dazu geeig­net und bestimmt waren, Bild- und Ton­auf­zeich­nun­gen vor­zu­neh­men. Für die Fra­ge, ob PCs mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te im Sin­ne des § 54 Abs. 1 UrhG aF zur Vor­nah­me von Bild- und Ton­auf­zeich­nun­gen geeig­net und bestimmt sind, kommt es nicht dar­auf an, ob sie bereits mit den dafür erfor­der­li­chen Zusatz­ge­rä­ten wie TV- oder Audio-Kar­ten aus­ge­stat­tet sind.

Urhe­ber­rechts­ab­ga­ben für PCs – der PC als Bild- und Ton­auf­zeich­nungs­ge­rät

Soweit PCs als Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te bestim­mungs­ge­mäß nicht nur für Bild- und Ton­auf­zeich­nun­gen, son­dern auch zu ande­ren Zwe­cken genutzt wer­den kön­nen, ist dies für die Ver­gü­tungs­pflicht nach § 54 Abs. 1 UrhG aF selbst dann uner­heb­lich, wenn die Nut­zung der ande­ren Funk­tio­nen über­wie­gen soll­te. Der Abschluss von Gesamt­ver­trä­gen mit dem Bun­des­ver­band Infor­ma­ti­ons­wirt­schaft, Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on und neue Medi­en e.V. (BITKOM) über die Ver­gü­tung von CD-Bren­nern und DVD-Bren­nern steht einem Ver­gü­tungs­an­spruch für PCs mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te nach § 54 Abs. 1 UrhG aF nicht ent­ge­gen.

Soweit PCs für Ver­viel­fäl­ti­gun­gen im Sin­ne des § 54 Abs. 1 UrhG aF zum Pri­vat­ge­brauch nach § 53 Abs. 1 UrhG aF geeig­net und bestimmt sind, besteht auch bei einer Über­las­sung an Geschäfts­kun­den die Ver­mu­tung, dass sie tat­säch­lich für sol­che Ver­viel­fäl­ti­gun­gen ver­wen­det wer­den. Dabei han­delt es sich aller­dings um eine wider­leg­li­che Ver­mu­tung; sie kann durch den Nach­weis ent­kräf­tet wer­den, dass nach dem nor­ma­len Gang der Din­ge eine Ver­wen­dung die­ser PCs für die Erstel­lung pri­va­ter Kopi­en über einen gerin­gen Umfang hin­aus unwahr­schein­lich ist.

Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof in einem Ver­fah­ren, in dem ledig­lich zu beur­tei­len war, ob Ansprü­che wegen PCs mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te begrün­det sind, die bis zum 31.12.2005 in Ver­kehr gebracht wur­den. Damit ist es nicht von Bedeu­tung, dass die Ver­gü­tungs­pflicht für Ver­viel­fäl­ti­gungs­ge­rä­te durch das am 1.01.2008 in Kraft getre­te­ne Zwei­te Gesetz zur Rege­lung des Urhe­ber­rechts in der Infor­ma­ti­ons­ge­sell­schaft 1 neu gere­gelt wor­den ist (§§ 54 ff. UrhG). Für den Streit­fall ist allein die alte Rechts­la­ge maß­geb­lich. Danach gilt Fol­gen­des:

Ist nach der Art eines Wer­kes zu erwar­ten, dass es durch Auf­nah­me von Funk­sen­dun­gen auf Bild- oder Ton­trä­ger oder durch Über­tra­gun­gen von einem Bild- oder Ton­trä­ger auf einen ande­ren nach § 53 Abs. 1 oder 2 UrhG aF ver­viel­fäl­tigt wird, so hat der Urhe­ber des Wer­kes nach § 54 Abs. 1 UrhG aF gegen den Her­stel­ler (§ 54 Abs. 1 Satz 1 UrhG aF) sowie gegen den Impor­teur und den Händ­ler (§ 54 Abs. 1 Satz 2 UrhG aF) von Gerä­ten und von Bild- oder Ton­trä­gern, die erkenn­bar zur Vor­nah­me sol­cher Ver­viel­fäl­ti­gun­gen bestimmt sind, Anspruch auf Zah­lung einer ange­mes­se­nen Ver­gü­tung für die durch die Ver­äu­ße­rung der Gerä­te sowie der Bild- oder Ton­trä­ger geschaf­fe­ne Mög­lich­keit, sol­che Ver­viel­fäl­ti­gun­gen vor­zu­neh­men. Als ange­mes­se­ne Ver­gü­tung nach § 54 Abs. 1 UrhG aF gel­ten gemäß § 54d Abs. 1 UrhG aF die in der Anla­ge bestimm­ten Sät­ze, soweit nicht etwas ande­res ver­ein­bart wird. Nach Zif­fer I 4 der Anla­ge zu § 54d Abs. 1 UrhG aF beträgt die Ver­gü­tung gemäß § 54 Abs. 1 UrhG aF für jedes Bild­auf­zeich­nungs­ge­rät, des­sen Betrieb nach sei­ner Bau­art kei­ne geson­der­ten Trä­ger erfor­dert, 18,42 €.

Der Urhe­ber kann von dem nach § 54 Abs. 1 UrhG aF zur Zah­lung der Ver­gü­tung Ver­pflich­te­ten gemäß § 54g Abs. 1 UrhG aF Aus­kunft über Art und Stück­zahl der im Gel­tungs­be­reich die­ses Geset­zes ver­äu­ßer­ten oder in Ver­kehr gebrach­ten Gerä­te und Bild- oder Ton­trä­ger ver­lan­gen (§ 54g Abs. 1 Satz 1 UrhG aF); die Aus­kunfts­pflicht des Händ­lers erstreckt sich dabei auch auf die Benen­nung der Bezugs­quel­len (§ 54g Abs. 1 Satz 2 Halb­satz 1 UrhG aF).

Die Beklag­te ist danach nur dann zur Aus­kunfts­er­tei­lung und Zah­lung einer Ver­gü­tung ver­pflich­tet, wenn es sich bei den von ihr in den Jah­ren 2002 bis 2005 in Ver­kehr gebrach­ten PCs mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te um ver­gü­tungs­pflich­ti­ge Ver­viel­fäl­ti­gungs­ge­rä­te im Sin­ne des § 54 Abs. 1 UrhG aF han­del­te. Das setzt vor­aus, dass die Gerä­te zur Vor­nah­me von Ver­viel­fäl­ti­gun­gen durch Auf­nah­me von Funk­sen­dun­gen auf Bild- oder Ton­trä­ger oder durch Über­tra­gun­gen von einem Bild- oder Ton­trä­ger auf einen ande­ren nach § 53 Abs. 1 oder 2 UrhG aF tech­nisch geeig­net und erkenn­bar bestimmt waren. Die Klä­ge­rin hat gel­tend gemacht, die von der Beklag­ten in Ver­kehr gebrach­ten PCs mit Fest­plat­te sei­en für die Anfer­ti­gung von Bild- und Ton­auf­zeich­nun­gen zum Pri­vat­ge­brauch (§ 53 Abs. 1 UrhG aF) geeig­net und bestimmt gewe­sen. Auf der Grund­la­ge der vom Ober­lan­des­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen kann nicht ange­nom­men wer­den, dass die hier in Rede ste­hen­den PCs die­se Vor­aus­set­zun­gen erfüll­ten.

Dabei kann zur Beant­wor­tung der Fra­ge, ob die von der Beklag­ten in Ver­kehr gebrach­ten PCs mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te zur Vor­nah­me von Bild- und Ton­auf­zeich­nun­gen geeig­net und bestimmt waren, nicht auf die Gerä­te­gat­tung „PC mit ein­ge­bau­ter Fest­plat­te“ abge­stellt wer­den.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zwar in sei­ner Ent­schei­dung „Tele­fax­ge­rä­te“ aus­ge­führt, dass die Fra­ge, ob Tele­fax­ge­rä­te zur Vor­nah­me urhe­ber­rechts­re­le­van­ter Ver­viel­fäl­ti­gun­gen bestimmt sind, grund­sätz­lich nicht nach der kon­kre­ten Bau­wei­se ein­zel­ner Gerä­te­ty­pen, son­dern gene­rell beant­wor­tet wer­den muss. In jenem Ver­fah­ren war aber nach dem zugrun­de­lie­gen­den Sach­ver­halt davon aus­zu­ge­hen, dass die von der dor­ti­gen Beklag­ten in Ver­kehr gebrach­ten Gerä­te hin­sicht­lich ihrer Taug­lich­keit für die Ver­viel­fäl­ti­gung geschütz­ten Schrift­gu­tes nicht anders beschaf­fen waren als ande­re Gerä­te 2. Eine nach Gerä­te­gat­tun­gen gene­ra­li­sie­ren­de Betrach­tungs­wei­se setzt daher vor­aus, dass alle Gerä­te der frag­li­chen Gat­tung dazu geeig­net und bestimmt sind, ver­gü­tungs­pflich­ti­ge Ver­viel­fäl­ti­gun­gen vor­zu­neh­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Novem­ber 2011 – I ZR 59/​10

  1. vom 26.10.2007,. BGBl. I S. 2513[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 28.01.1999 – I ZR 208/​96, BGHZ 140, 326, 330 – Tele­fax­ge­rä­te[]