Urhe­ber­rechts­streit um „Stutt­gart 21“

Der Bun­des­ge­richts­hof hat im Rechts­streit zwi­schen einem Erben des Archi­tek­ten des Stutt­gar­ter Haupt­bahn­hofs und der Deut­schen Bahn AG die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de des kla­gen­den Erben zurück­ge­wie­sen. Mit sei­ner Beschwer­de woll­te der Klä­ger errei­chen, dass der Bun­des­ge­richts­hof die Revi­si­on gegen das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart vom 6. Okto­ber 2010 zulässt und über den Fall ver­han­delt.

Urhe­ber­rechts­streit um „Stutt­gart 21“

Der Stutt­gar­ter Haupt­bahn­hof ist nach einem Ent­wurf von Prof. Dipl.-Ing. Paul Bonatz aus dem Jah­re 1911 gestal­tet wor­den. Die­se Gestal­tung ist urhe­ber­recht­lich geschützt. Urhe­ber­rechts­schutz besteht, nach­dem der Archi­tekt im Jah­re 1956 ver­stor­ben ist, noch bis Ende des Jah­res 2026. Die im Rah­men des Infra­struk­tur­pro­jekts „Stutt­gart 21″ vor­ge­leg­te Pla­nung der Deut­schen Bahn AG sieht den Abriss der Sei­ten­flü­gel und der Trep­pen­an­la­ge in der gro­ßen Schal­ter­hal­le vor. Einer die­ser Sei­ten­flü­gel ist bereits im Jah­re 2010 abge­ris­sen wor­den. Der Klä­ger sieht durch die­sen, teil­wei­se bereits voll­zo­ge­nen Teil­ab­riss des Bahn­hofs­ge­bäu­des die Urhe­ber­per­sön­lich­keits­rech­te von Paul Bonatz beein­träch­tigt. Mit der Kla­ge will er den Wie­der­auf­bau des Nord­west-Flü­gels errei­chen sowie den Abriss des Süd­ost-Flü­gels und der Trep­pen­an­la­ge ver­hin­dern. Sowohl das Land­ge­richt Stutt­gart [1] als auch das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart [2] haben die Kla­ge abge­wie­sen. Die Revi­si­on war vom Ober­lan­des­lan­des­ge­richt Stutt­gart nicht zuge­las­sen wor­den.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart bestä­tigt und ent­schie­den, dass Grün­de für eine Zulas­sung der Revi­si­on nicht vor­lie­gen. Nach § 543 Abs. 2 ZPO ist die Revi­si­on nur zuzu­las­sen, wenn die Rechts­sa­che grund­sätz­li­che Bedeu­tung hat oder eine Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs zur Fort­bil­dung des Rechts oder zur Siche­rung einer ein­heit­li­chen Recht­spre­chung erfor­der­lich ist. Die­se Vor­aus­set­zun­gen waren vor­lie­gend nicht erfüllt. Die maß­geb­li­chen Rechts­fra­gen, die sich in dem Ver­fah­ren gestellt haben, hat der Bun­des­ge­richts­hof bereits in frü­he­ren Ent­schei­dun­gen geklärt. Das Urteil des Ober­lan­des­ge­richts ließ auch kei­ne Rechts­feh­ler erken­nen, die eine Zulas­sung der Revi­si­on erfor­dert hät­ten.

Beschluss vom 9. Novem­ber 2011 – I ZR 216/​10

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 20.05.2010 – 17 O 42/​10, ZUM-RD 2010, 491[]
  2. OLG Stutt­gart, Urteil vom 06.10.2010 – 4 U 106/​10, GRUR-RR 2011, 56[]