Urhe­ber­rechts­ver­gü­tung und die Ver­wer­tungs-GbR

Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind, kön­nen falls die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG von dem Ver­trags­part­ner der Gesell­schaft die Ein­wil­li­gung in die Ände­rung des Ver­tra­ges ver­lan­gen, um auf die­se Wei­se eine ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für die Werk­nut­zung zu errei­chen.

Urhe­ber­rechts­ver­gü­tung und die Ver­wer­tungs-GbR

§ 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG kann der Urhe­ber von sei­nem Ver­trags­part­ner die Ein­wil­li­gung in die Ände­rung des Ver­tra­ges ver­lan­gen, durch die dem Urhe­ber die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung gewährt wird, soweit die für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist.

Der Anspruch aus § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG steht nur Urhe­bern zu. Urhe­ber ist der Schöp­fer des Wer­kes (§ 7 UrhG). Haben meh­re­re ein Werk gemein­sam geschaf­fen, ohne dass sich ihre Antei­le geson­dert ver­wer­ten las­sen, so sind sie Mit­ur­he­ber des Wer­kes (§ 8 Abs. 1 UrhG). Das Beru­fungs­ge­richt hat offen­ge­las­sen, ob es sich bei den in Rede ste­hen­den Leis­tun­gen um urhe­ber­recht­lich geschütz­te Wer­ke han­delt und ob die­se gege­be­nen­falls von den Klä­gern gemein­sam geschaf­fen wor­den sind. Für die Prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz ist der ent­spre­chen­de Vor­trag der Klä­ger daher als rich­tig zu unter­stel­len.

Der Urhe­ber kann einen Anspruch auf ange­mes­se­ne Ver­gü­tung nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG – anders als einen Anspruch auf wei­te­re ange­mes­se­ne Betei­li­gung nach § 32a Abs. 2 UrhG – grund­sätz­lich nur gegen sei­nen Ver­trags­part­ner und nicht gegen Drit­te, denen sein Ver­trags­part­ner sei­ner­seits das Nut­zungs­recht über­tra­gen oder wei­te­re Nut­zungs­rech­te ein­ge­räumt hat, gel­tend machen. Das Beru­fungs­ge­richt ist zwar zutref­fend davon aus­ge­gan­gen, dass die Klä­ger die Beklag­te danach nicht auf Ver­trags­an­pas­sung in Anspruch neh­men kön­nen, weil die hier in Rede ste­hen­den Ver­trä­ge nicht zwi­schen den Klä­gern und der Beklag­ten, son­dern zwi­schen der c. GbR und der Be- klag­ten geschlos­sen wor­den sind. Das Beru­fungs­ge­richt hat jedoch nicht berück­sich­tigt, dass jeden­falls Urhe­ber, die – wie die Klä­ger – ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind, in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG berech­tigt sind, den Ver­trags­part­ner der Gesell­schaft auf Anpas­sung des zwi­schen der Gesell­schaft und dem Ver­trags­part­ner geschlos­se­nen Ver­tra­ges in Anspruch zu neh­men.

Das Beru­fungs­ge­richt ist mit Recht davon aus­ge­gan­gen, dass die Klä­ger die Beklag­te nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG nicht auf Ver­trags­an­pas­sung in Anspruch neh­men kön­nen, weil die Beklag­te die hier in Rede ste­hen­den Ver­trä­ge nicht mit den Klä­gern als Gesamt­hands­ge­mein­schaft der Mit­ur­he­ber, son­dern mit der c. GbR geschlos­sen hat.

Mit­ur­he­bern steht das Recht zur Ver­wer­tung des Wer­kes gemäß § 8 Abs. 2 Satz 1 Halb­satz 1 Fall 2 UrhG zur gesam­ten Hand zu. Sie bil­den, soweit es um die Ver­wer­tung des Wer­kes geht, eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft. Die­se ent­steht kraft Geset­zes durch den Realakt der gemein­sa­men Schöp­fung des Wer­kes und endet kraft Geset­zes mit dem Ablauf der Schutz­frist, die gemäß § 65 Abs. 1 UrhG nach dem Tode des längst­le­ben­den Mit­ur­he­bers berech­net wird1. Aus der gesamt­hän­de­ri­schen Bin­dung der Mit­ur­he­ber folgt, dass die Ver­wer­tung des Wer­kes die Ein­wil­li­gung – also die vor­he­ri­ge Zustim­mung (§ 183 Satz 1 BGB) – aller Mit­ur­he­ber erfor­dert (vgl. § 8 Abs. 2 Satz 2 UrhG2).

Der Abschluss eines Ver­tra­ges, durch den sich die Betei­lig­ten gegen­sei­tig ver­pflich­ten, die Errei­chung eines gemein­sa­men Zwecks in der durch den Ver­trag bestimm­ten Wei­se zu för­dern (§ 705 BGB), lässt eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ent­ste­hen, wenn der Zusam­men­schluss kei­nen kör­per­schaft­li­chen Cha­rak­ter hat und die wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen für eine ande­re Form der Per­so­nen­ge­sell­schaft feh­len3. Ver­ein­ba­ren Mit­ur­he­ber eine gemein­sa­me Ver­wer­tung ihrer Wer­ke, bil­den sie daher – sofern sie kei­ne ande­re Rechts­form wäh­len – eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts4.

Die kraft Geset­zes mit der gemein­sa­men Werk­schöp­fung ent­ste­hen­de Mit­ur­he­ber­ge­mein­schaft ist von der auf ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung beru­hen­den Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft zu unter­schei­den5. Die Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft ist gegen­über der Mit­ur­he­ber­ge­mein­schaft jeden­falls im Ver­hält­nis zu Drit­ten recht­lich eigen­stän­dig. Die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts besitzt – anders als die Gesamt­hands­ge­mein­schaft der Mit­ur­he­ber – nach außen (beschränk­te) Rechts­sub­jek­ti­vi­tät. Sie kann durch Teil­nah­me am Rechts­ver­kehr als Außen­ge­sell­schaft grund­sätz­lich eige­ne Rech­te und Pflich­ten begrün­den6. Eine Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft hat daher – wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat – die Rechts­fä­hig­keit zum Abschluss von Ver­trä­gen mit Drit­ten über die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten an Wer­ken der Mit­ur­he­ber. Sol­che Ver­trä­ge einer Mit­ur­he­ber­ge­sell­schaft sind auch dann nicht zugleich Ver­trä­ge der Mit­ur­he­ber­ge­mein­schaft, wenn die Mit­ur­he­ber die allei­ni­gen Gesell­schaf­ter der Gesell­schaft sind und damit eine per­so­nel­le Iden­ti­tät besteht.

Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind, kön­nen jedoch in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG von dem Ver­trags­part­ner der Gesell­schaft die Ein­wil­li­gung in die Ände­rung des Ver­tra­ges ver­lan­gen, durch die der Gesell­schaft die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung gewährt wird, soweit die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist7. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine ent­spre­chen­de Anwen­dung die­ser Vor­schrift – das Bestehen einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke und einer ver­gleich­ba­ren Inter­es­sen­la­ge – sind bei sol­chen Fall­ge­stal­tun­gen erfüllt.

Es besteht inso­weit eine Rege­lungs­lü­cke, als Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren Gesell­schaf­ter sie sind, nach der Rege­lung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG kei­nen Anspruch auf Ver­trags­an­pas­sung haben, wenn die für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten und die Erlaub­nis zur Werk­nut­zung ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­gü­tung nicht ange­mes­sen ist. Ein Anspruch der Urhe­ber gegen die Ver­trags­part­ner der Gesell­schaft kommt nicht in Betracht, weil die­se – wie unter II 5 a aus­ge­führt – nicht zugleich Ver­trags­part­ner der Urhe­ber sind. Ein Anspruch der Gesell­schaft gegen ihre Ver­trags­part­ner ist aus­ge­schlos­sen, weil die Gesell­schaft nicht Urhe­ber der Wer­ke ist. Es besteht aber auch kein Anspruch der Urhe­ber gegen die Gesell­schaft: Urhe­ber, die ihre Wer­ke durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren Gesell­schaf­ter sie sind, ver­pflich­ten sich zwar durch den Gesell­schafts­ver­trag regel­mä­ßig, die Nut­zungs­rech­te an von ihnen bereits geschaf­fe­nen oder noch zu schaf­fen­den Wer­ken in das Gesell­schafts­ver­mö­gen zu über­füh­ren. Ein sol­cher Gesell­schafts­ver­trag ist jedoch nicht auf den Aus­tausch von Leis­tun­gen (die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten gegen Ent­gelt), son­dern auf die Errei­chung eines gemein­sa­men Zwecks (die gemein­sa­me Ver­wer­tung der Wer­ke) gerich­tet. Gegen eine ver­trag­lich ver­ein­bar­te Ver­gü­tung wer­den Nut­zungs­rech­te erst­mals durch die Ver­trä­ge der Gesell­schaft mit Drit­ten ein­ge­räumt. Beim Abschluss des Gesell­schafts­ver­tra­ges fehlt es daher an dem von § 32 UrhG vor­aus­ge­setz­ten Inter­es­sen­kon­flikt. Gesell­schafts­ver­trä­ge kön­nen daher nicht Gegen­stand eines Anspruchs auf Ver­trags­än­de­rung nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG sein8.

Die­se Rege­lungs­lü­cke ist plan­wid­rig, weil sie den Zie­len des Geset­zes wider­spricht. Die Bestim­mung des § 32 UrhG ist durch das Gesetz zur Stär­kung der ver­trag­li­chen Stel­lung von Urhe­bern und aus­üben­den Künst­lern vom 22.03.20029 geschaf­fen wor­den. Ziel die­ses Geset­zes ist es, die durch das wirt­schaft­li­che Ungleich­ge­wicht der Ver­trags­par­tei­en gestör­te Ver­trags­pa­ri­tät zwi­schen Urhe­bern und Ver­wer­tern her­zu­stel­len10 bzw. – mit ande­ren Wor­ten – die struk­tu­rell beding­te wirt­schaft­li­che und orga­ni­sa­to­ri­sche Unter­le­gen­heit der Krea­ti­ven gegen­über den Pri­mär­ver­wer­tern ihrer Wer­ke und Leis­tun­gen zu kor­ri­gie­ren11. Die­ser Ziel­set­zung wider­spricht es, wenn die ver­trag­li­che Stel­lung von Urhe­bern, die ihre Wer­ke gemein­sam ver­wer­ten, nicht grund­sätz­lich in glei­cher Wei­se gestärkt wird, wie die ver­trag­li­che Stel­lung von Urhe­bern, die ihre Wer­ke allein ver­wer­ten. Dabei ist zu berück­sich­ti­gen, dass die Bedeu­tung von Urhe­ber­ge­mein­schaf­ten nach dem unwi­der­spro­che­nen Vor­brin­gen der Klä­ger in der gesam­ten Krea­tiv­wirt­schaft zunimmt und sich Urhe­ber nicht nur im Bereich der neu­en Medi­en und Tech­no­lo­gi­en, son­dern auch in Berei­chen des klas­si­schen Werk­schaf­fens ver­stärkt zusam­men­schlie­ßen. Es kann nicht ange­nom­men wer­den, der Gesetz­ge­ber habe die­se Urhe­ber vom Anspruch auf Ver­trags­an­pas­sung nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG aus­schlie­ßen wol­len.

Die Inter­es­sen­la­ge von Urhe­bern, die ihre Wer­ke gemein­sam ver­wer­ten, ist mit der Inter­es­sen­la­ge von Urhe­bern, die ihre Wer­ke allein ver­wer­ten, jeden­falls dann in einer Wei­se ver­gleich­bar, die eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG gebie­tet, wenn die­se Urhe­ber ihre Wer­ke­über eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind. An der struk­tu­rell beding­ten wirt­schaft­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Unter­le­gen­heit der Urhe­ber gegen­über den Ver­wer­tern ihrer Wer­ke ändert sich nichts dadurch, dass die Urhe­ber dem Ver­wer­ter auf­grund des Ent­schlus­ses, ihre Wer­ke gemein­sam zu ver­wer­ten, nicht als Mit­ur­he­ber­ge­mein­schaft, son­dern als Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts gegen­über­ste­hen. Die Annah­me des Beru­fungs­ge­richts, Urhe­ber, die ihren Geschäfts­part­nern in der Rechts­form der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts gegen­über­trä­ten, ver­han­del­ten mit ihnen auf Augen­hö­he und stün­den ihnen nicht mehr als schwa­che und schutz­be­dürf­ti­ge Ein­zel­per­so­nen gegen­über, ist – wie die Revi­si­on zutref­fend gel­tend macht – lebens­fremd.

Han­delt es sich bei den Urhe­bern – wie hier zu unter­stel­len ist – um Mit­ur­he­ber, haben die­se es ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts auch nicht selbst in der Hand, es bei der auf­grund der gemein­sa­men Werk­schöp­fung kraft Geset­zes ent­ste­hen­den Gesamt­hands­ge­mein­schaft zu belas­sen oder dar­über hin­aus eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts zu grün­den. Mit­ur­he­ber kön­nen ihr Werk nach der gesetz­li­chen Rege­lung nur gemein­sam ver­wer­ten. Bereits der über­ein­stim­men­de Ent­schluss zur gemein­sa­men Werk­ver­wer­tung lässt – soweit die Mit­ur­he­ber kei­ne ande­re Rechts­form wäh­len – kraft Geset­zes eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ent­ste­hen, ohne dass es dazu eines for­mel­len Grün­dungs­ak­tes bedarf.

Die gegen eine (ent­spre­chen­de) Anwen­dung des § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG geheg­ten Beden­ken grei­fen nicht durch.

Ein Anspruch aus § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG ist nicht aus­ge­schlos­sen, wenn mit dem Ver­trag, des­sen Ände­rung begehrt wird, nicht aus­schließ­lich Nut­zungs­rech­te an eige­nen Wer­ken ein­ge­räumt wor­den sind. Ein Anspruch des Urhe­bers oder der Urhe­ber auf Ände­rung des Ver­tra­ges besteht dann aller­dings nur hin­sicht­lich der Ver­gü­tung, die für die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten an eige­nen Wer­ken ver­ein­bart ist12. Die Klä­ger haben im Übri­gen wie­der­holt klar­ge­stellt, dass sie für frem­de Wer­ke kei­ne Nach­ver­gü­tung bean­spru­chen.

Das Beru­fungs­ge­richt hat gemeint, der Schutz des Rechts­ver­kehrs gebie­te es, § 32 UrhG bei einer Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts nicht anzu­wen­den. Da im Lau­fe der Zeit wei­te­re Gesell­schaf­ter zur Gesell­schaft hin­zu­kom­men könn­ten, von denen der Ver­trags­part­ner kei­ne Kennt­nis habe, kön­ne die­ser sonst nicht ein­schät­zen, wer noch Rech­te nach § 32 UrhG gegen ihn gel­tend mache.

Die­se Befürch­tung des Beru­fungs­ge­richts ist unbe­grün­det. Wer mit einer Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts einen Ver­trag über die Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten schließt, muss ledig­lich damit rech­nen, von Urhe­bern, die bei Abschluss des Ver­trags bereits Gesell­schaf­ter waren, wegen der Ein­räu­mung von Nut­zungs­rech­ten an ihren Wer­ken aus § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG in Anspruch genom­men zu wer­den13. Die­se Vor­aus­set­zung ist im Streit­fall erfüllt.

Im Übri­gen kön­nen die Urhe­ber kei­ne Ände­rung des Ver­trags errei­chen, wenn die Gesell­schaft einer sol­chen Ände­rung – etwa infol­ge eines Wech­sels ihrer Gesell­schaf­ter – nicht zustimmt. Die Urhe­ber kön­nen allein den Ver­trags­part­ner und nicht auch die Gesell­schaft auf Ein­wil­li­gung in eine Ände­rung des zwi­schen der Gesell­schaft und dem Ver­trags­part­ner geschlos­se­nen Ver­trags in Anspruch neh­men. Gegen den Wil­len der Gesell­schaft kön­nen sie daher eine Ver­trags­än­de­rung nicht durch­set­zen.

Das Beru­fungs­ge­richt hat schließ­lich ange­nom­men, die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts wür­de gegen­über ande­ren Rechts­for­men bevor­zugt, wenn § 32 UrhG auf eine von Mit­ur­he­bern zum Zwe­cke der Ver­wer­tung des Wer­kes gegrün­de­te Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts anwend­bar wäre. Für die Anwend­bar­keit von § 32 UrhG kön­ne es nicht dar­auf ankom­men, für wel­che Gesell­schafts­form sich die Urhe­ber ent­schie­den hät­ten.

Es bedarf im Streit­fall kei­ner abschlie­ßen­den Ent­schei­dung, ob § 32 UrhG auch dann anwend­bar ist, wenn Urhe­ber ihre Wer­ke in einer ande­ren Gesell­schafts­form als der Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts oder durch eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts ver­wer­ten, der auch ande­re Gesell­schaf­ter ange­hö­ren. Der Bun­des­ge­richts­hof neigt aller­dings zu der Annah­me, dass eine ent­spre­chen­de Anwen­dung des § 32 UrhG jeden­falls nur bei Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten und nicht etwa bei Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten in Betracht kommt. Die Bestim­mung des § 32 UrhG dürf­te ent­spre­chend anwend­bar sein, wenn Mit­ur­he­ber ihr Werk durch eine offe­ne Han­dels­ge­sell­schaft ver­wer­ten, deren allei­ni­ge Gesell­schaf­ter sie sind. Eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts wird von Geset­zes wegen (§ 105 Abs. 1 HGB) zur offe­nen Han­dels­ge­sell­schaft, wenn sie ein Gewer­be betreibt und das Unter­neh­men nach Art und Umfang einen in kauf­män­ni­scher Wei­se ein­ge­rich­te­ten Geschäfts­be­trieb erfor­dert14. Für die Anwend­bar­keit des § 32 UrhG kommt es, anders als das Beru­fungs­ge­richt meint, nicht dar­auf an, ob die Gesell­schaft einer gewerb­li­chen Tätig­keit nach­geht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Febru­ar 2012 – I ZR 6/​11 – Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­si­gner

  1. Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 8 UrhG Rn. 12; Thum in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 3. Aufl., § 8 UrhG Rn. 22
  2. Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 8 UrhG Rn. 14; Schul­ze in Dreier/​Schulze, UrhG, 3. Aufl., § 8 Rn. 12; Ulmer, Urhe­ber- und Ver­lags­recht, 3. Aufl., S.191
  3. vgl. Palandt/​Sprau, BGB, 71. Aufl., § 705 Rn. 1
  4. vgl. BGH, Urteil vom 05.03.1998 – I ZR 250/​95, GRUR 1998, 673, 675 – Pop­mu­sik­pro­du­zen­ten; Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 8 UrhG Rn. 13; Drey­er in Dreyer/​Kotthoff/​Meckel, Urhe­ber­recht, 2. Aufl., § 8 UrhG Rn. 30, vgl. zu Urhe­bern ver­bun­de­ner Wer­ke BGH, Urteil vom 01.12.1972 – I ZR 81/​70 und I ZR 18/​71, GRUR 1973, 328, 329 – Musik­ver­le­ger II, mwN
  5. vgl. Loewen­heim in Schricker/​Loewenheim aaO § 8 Rn. 13; Thum in Wandtke/​Bullinger aaO § 8 Rn. 52; Schack, Urhe­ber- und Urhe­ber­ver­trags­recht, 5. Aufl., Rn. 323
  6. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – II ZR 331/​00, BGHZ 146, 341, 343 ff.
  7. im Ergeb­nis eben­so LG Stutt­gart, ZUM 2008, 163, 166; vgl. auch Czy­chow­ski in Fromm/​Nordemann, Urhe­ber­recht, 10. Aufl., § 32 UrhG Rn. 142
  8. vgl. Ber­ger in Berger/​Wündisch, Hand­buch des Urhe­ber­ver­trags­rechts, § 2 Rn. 46; Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 UrhG Rn. 5
  9. BGBl. I S. 1155
  10. vgl. BT-Drucks. 14/​6433, S. 2 f.
  11. vgl. BT-Drucks. 14/​6433, S. 9 f.
  12. vgl. Schricker/​Haedicke in Schricker/​Loewenheim aaO § 32 Rn. 5
  13. vgl. auch BGH, Urteil vom 27.06.2007 – VIII ZR 271/​06, NJW 2007, 2845, 2846
  14. BGHZ 146, 341, 346