Honorarberatung bei Finanzdienstleistungen

Honorarberatung bei Finanzdienstleistungen ist bislang eine Ausnahmeerscheinung in Deutschland. Nach Schätzungen findet nur etwa ein Prozent der Finanzberatung auf Honorarbasis statt. Mit dem Honorar- Anlageberatungsgesetz werden jetzt gesetzliche Rahmenbedingungen für Honorarberater geschaffen. Damit soll die Verbreitung dieses Beratungsansatzes gefördert werden.

Honorarberatung bei Finanzdienstleistungen

Honorarberatung bietet mehr Unabhängigkeit

Verbraucherschützer fordern bereits seit Längerem Finanzberatung auf Honorarbasis, weil sie mehr Unabhängigkeit verspricht. Berater werden hier ausschließlich für ihre Beratungsleistung bezahlt. Das unterscheidet sie wesentlich von der sonst üblichen Finanzberatung, bei der der Berater über Vermittlungsprovisionen entgolten wird.

Dieses Modell ist immer wieder kritisiert worden, weil es zu Fehlsteuerungen führt. Der Berater hat hier ein Interesse, seinen Kunden diejenigen Produkte zu empfehlen, die die höchsten Provisionen bringen. Der tatsächliche Kundenbedarf droht in den Hintergrund zu geraten. Dies ist bei einer Finanzberatung auf Honorarbasis anders. Hier wird der Berater – unabhängig von Produktempfehlungen – für die Qualität seiner Beratung bezahlt. Das schafft einen Anreiz, den Kunden die bestmögliche Lösung zu bieten.

Das Honorar-Anlageberatungsgesetz

Das Honorar-Anlageberatungsgesetz ist bereits in der letzten Legislaturperiode verabschiedet worden. Die Umsetzung durch Einführung der gesetzlich geschützten Berufsbezeichnung ‘Honorar-Anlageberater’ erfolgt aber erst zur Mitte dieses Jahres. Der Honorar-Anlageberater darf nur gegen Honorar tätig werden, erhaltene Provisionen muss er unverzüglich an seine Kunden weiterleiten. Er muss außerdem den Nachweis seiner fachlichen Qualifikation erbringen und unterliegt einer besonderen Registrierungspflicht.

Honorar-Anlageberater sind bei der Finanzberatung auf Honorarbasis auf bestimmte Bereiche beschränkt. Bausparen und Kredite bleiben zunächst ausgeschlossen. Für den Versicherungsbereich existiert mit dem Versicherungsberater bereits eine eigene geschützte Berufsbezeichnung. Diese Beschränkung bildet einen weiteren Kritikpunkt, weil sie einer ganzheitlichen Beratung im Wege steht.

Ausland schon weiter

Ob sich das Modell des Honorar-Anlageberaters durchsetzt, bleibt abzuwarten. Vermutlich ist langer Atem nötig, denn viele Anleger werden nach wie vor die vermeintlich kostenlose Finanzberatung auf Provisionsbasis präferieren. Dass die Honorarberatung Chancen hat, beweisen andere Länder wie zum Beispiel  Großbritannien oder Dänemark.