Wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn der vertraglich festgelegte Grad der Berufsunfähigkeit, meist 50 %, erreicht wird und keine vertraglichen oder formellen Ausschlussgründe vorliegen. Häufige Ablehnungsgründe sind unvollständige oder falsche Angaben im Antrag, fehlende Mitwirkungspflichten, Ausschlussklauseln oder Betrugsverdacht.

Wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt

Wird der Antrag abgelehnt, können Versicherte Widerspruch einlegen, neue medizinische Nachweise nachreichen, rechtliche Unterstützung in Anspruch nehmen und notfalls klagen, Beiträge sollten währenddessen weitergezahlt werden. 

Wann verweigert die Berufsunfähigkeitsversicherung die Zahlung?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung springt nicht in jedem Fall ein. Ein zentraler Grund: Der erforderliche Grad der Berufsunfähigkeit wird nicht erreicht. In den meisten Verträgen gilt, dass mindestens 50 % Berufsunfähigkeit vorliegen müssen, damit Leistungen erbracht werden.

Darüber hinaus gibt es vertragliche und formelle Ausschlussgründe. Dazu zählen etwa Verstöße gegen die vorvertragliche Anzeigepflicht, Fehler in der Antragstellung, bestimmte Risikoausschlüsse oder auch Verweisungsklauseln im Vertrag, sei es in Form der konkreten oder der abstrakten Verweisung. In seltenen Fällen spielen auch Betrugsversuche eine Rolle.

Wer beim Antrag eine bestehende Erkrankung verschweigt, obwohl danach gefragt wird, riskiert eine Anfechtung, Rücktritt oder Kündigung des Vertrags. Der Versicherer kann in diesem Fall die Berufsunfähigkeitsversicherung rückwirkend auflösen. Damit erlischt der Anspruch auf Leistungen vollständig, selbst wenn später tatsächlich eine Berufsunfähigkeit eintritt.

Eine sorgfältige und wahrheitsgemäße Antragstellung ist daher der wichtigste Schritt, um im Ernstfall abgesichert zu sein.

Gründe, warum Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung die Zahlung verweigert

In der Praxis gibt es eine Reihe von Gründen, weshalb Versicherer die Leistung aus einer Berufsunfähigkeitsversicherung ablehnen.

Mehr als die Hälfte aller Ablehnungen (51 %) erfolgt, weil der geforderte Grad der Berufsunfähigkeit nicht erreicht wird. In den meisten Verträgen gilt: Erst ab einem festgelegten Schwellenwert, meist 50 %, besteht ein Anspruch auf Leistungen.

Rund jeder achte Antrag (12 %) scheitert daran, dass der Gesundheitsfragebogen bei Vertragsabschluss nicht vollständig oder nicht wahrheitsgemäß ausgefüllt wurde. In solchen Fällen kann der Versicherer sein Rücktrittsrecht nach § 21 VVG innerhalb eines Monats ab Kenntnis geltend machen, spätestens jedoch bis zu zehn Jahre nach Vertragsabschluss. Alternativ kann er den Vertrag nach § 22 VVG anfechten. Beide Möglichkeiten fallen unter die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht.

Auch fehlende Mitwirkung kann teuer werden: Bleibt eine Rückmeldung des Versicherten nach Antragstellung aus, lehnt der Versicherer häufig ab (11 %). Hintergrund ist die Auskunftspflicht des Versicherungsnehmers nach § 31 VVG.

Weitere Ablehnungsgründe sind Ausschlussklauseln im Vertrag (3 %) sowie, in 8 % der Fälle, Anfechtungen aufgrund von Betrug oder vorsätzlichen Falschangaben.

Eine transparente Antragstellung und aktive Kommunikation mit dem Versicherer sind daher entscheidend, um im Leistungsfall keine bösen Überraschungen zu erleben.

Was Sie tun können, wenn Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung ablehnt

  1. Nicht allein reagieren
    Verzichten Sie darauf, selbst Widerspruch einzulegen. Versicherer lassen sich selten durch eigene Schreiben überzeugen. Zudem können Fehler im Schriftverkehr später kaum noch korrigiert werden.
  2. Rechtliche Unterstützung sichern
    Wenden Sie sich möglichst sofort an einen Fachanwalt für Versicherungsrecht. Er prüft die Ablehnungsgründe, ergänzt fehlende medizinische Nachweise und vertritt Sie professionell im Kontakt mit der Versicherung.
  3. Gerichtliche Schritte erwägen
    Bleibt der Widerspruch erfolglos, steht Ihnen der Klageweg offen. Gerade hier ist die Unterstützung durch einen erfahrenen Anwalt wichtig, da Versicherer juristisch bestens aufgestellt sind.
  4. Beiträge weiterhin zahlen
    Auch während des gesamten Verfahrens sollten Sie Ihre Versicherungsbeiträge weiter entrichten, um eine Kündigung der Police zu vermeiden. Wird später festgestellt, dass die Ablehnung unrechtmäßig war, muss der Versicherer die zwischenzeitlich gezahlten Beiträge erstatten.

Wie lange müssen Sie warten, bis Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt?

Ab dem Zeitpunkt der Antragstellung vergeht im Durchschnitt eine Wartezeit von ca. 3 Monaten, bis die Versicherungsgesellschaft eine Entscheidung trifft, sei es eine Leistungsbewilligung oder eine Ablehnung.

Nach der Meldung des Leistungsfalls prüft der Versicherer zunächst alle eingereichten Unterlagen, wie medizinische Berichte, ärztliche Gutachten und Tätigkeitsbeschreibungen. Liegen sämtliche erforderlichen Dokumente vollständig vor, beträgt die durchschnittliche Bearbeitungszeit bis zur Entscheidung nur noch etwa 9 Tage.

Die tatsächliche Dauer bis zur Auszahlung kann jedoch variieren. Einfluss haben unter anderem die Komplexität Ihres Falls, die schnelle Verfügbarkeit aller relevanten Nachweise sowie mögliche Verzögerungen durch personelle Engpässe oder Feiertage.

Welche Versicherung können Sie als Alternative abschließen?

Nicht jeder Antrag auf eine Berufsunfähigkeitsversicherung wird angenommen. Besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen ist es oft schwierig, passenden Versicherungsschutz zu finden. Wenn die Aussicht besteht, dass Sie später einmal auf eine BU angewiesen sind, kann ein Vertragsabschluss sogar nahezu unmöglich erscheinen.

Trotzdem gibt es Möglichkeiten, sich zumindest teilweise abzusichern. Diese Alternativen ersetzen zwar keine vollständige Berufsunfähigkeitsversicherung, können aber einzelne Risiken abdecken. In der Regel sind die Gesundheitsfragen hier weniger umfangreich oder streng.

  1. Erwerbsunfähigkeitsversicherung
    Diese Versicherung leistet erst, wenn Sie überhaupt keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen können, unabhängig davon, in welchem Beruf. Sie ist damit strenger als die BU, die schon zahlt, wenn Sie Ihren bisherigen Beruf nicht mehr ausüben können.
  2. Dread-Disease-Versicherung
    Hier erhalten Sie eine einmalige Geldsumme, wenn bei Ihnen eine schwere Krankheit diagnostiziert wird, etwa Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  3. Grundfähigkeitsversicherung
    Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt nur, wenn der vertraglich festgelegte Grad der Berufsunfähigkeit, meist 50 %, erreicht wird und keine vertraglichen oder formellen Ausschlussgründe vorliegen. 
    Häufige Ablehnungsgründe sind unvollständige oder falsche Angaben im Antrag, fehlende Mitwirkungspflichten, Ausschlussklauseln oder Betrugsverdacht.
    Wird der Antrag abgelehnt, können Versicherte Widerspruch einlegen, neue medizinische Nachweise nachreichen, rechtliche Unterstützung in Anspruch nehmen und notfalls klagen, Beiträge sollten währenddessen weitergezahlt werden. 

Wichtiger Hinweis:
Alle genannten Alternativen enthalten oft kritische Vertragsklauseln. Schließen Sie deshalb keinesfalls vorschnell ab, sondern lassen Sie den Vertrag vorab gründlich prüfen, um sicherzustellen, dass er wirklich zu Ihrer persönlichen Situation passt.

Quellen: 
Dejure.org
Berufsunfähigkeitshilfe.de
Gesamtverband der Versicherer e. V.