Reißt eine auf dem Dach montierte Photovoltaikanlage bei einem Sturmtief ab, kann ein Regressanspruch des Gebäudeversicherers gegen den Bauunternehmer bestehen, wenn sich eine sach- und fachgerechte Befestigung der Anlage im Zuge der Montage nicht feststellen lässt.
In dem hier vom Landgericht Köln entschiedenen Fall riss die Photovoltaikanlage während des Sturmtiefs „Sabine“ in Februar 2020 vom Dach ab. Das Landgericht sprach der klagenden Gebäudeversicherung des betroffenen Gebäudes gegen den seinerzeitigen Bauunternehmer zu:
Nach der von der klagenden Gebäudeversicherung mit ihrer Versicherungsnehmerin abgeschlossenen Firmenimmobilienversicherung sind deren Betriebsgebäude und dessen Anlagen zum Neuwert versichert. Auf dem Satteldach einer der Betriebshallen der Versicherungsnehmerin hatte das beklagte Fachunternehmen, eine GbR, im Jahre 2019 eine Photovoltaikanlage montiert. Für eine sach- und fachgerechte Montage der Photovoltaikanlage sind unter anderem sogenannte Ballastierungssteine mit einem Gesamtgewicht von fast 5 t zur Fixierung der beidseitigen Modulfelder vorgesehen. Am 10.02.2020 war der Versicherungsort von dem Sturmtief „Sabine“ betroffen. Am Schadensort traten zum Schadenszeitpunkt nach einer Analyse jedenfalls Windgeschwindigkeiten von etwas mehr als 100 km/h (Windstärke 10 Bft) auf. Durch den Wind des Sturmtiefs riss die Photovoltaikanlage von dem Satteldach ab, wurde auf ein anderes Gebäude geschleudert und zerstört. Nachdem die Versicherungsnehmerin selbst zunächst erfolglos Gewährleistungsansprüche gegenüber der Bauunternehmerin zu 3)) angemeldet hatte, erwarb sie im Anschluss eine neue Photovoltaikanlage zum Gesamtpreis i.H.v. 75.000, 00 € netto. Die Versicherung regulierte diese Kosten gegenüber ihrer Versicherungsnehmerin und verlangt diese mit ihrer Klage von den Handwerker-GbR und deren beiden Gesellschaftern erstattet. Dazu behauptet sie insbesondere, dass die Anlage nicht sach- und fachgerecht montiert worden sei. Die Photovoltaikanlage sei nur mittels ihres Eigengewichts auf dem Dach aufgesetzt und mit dem Dach nicht mechanisch verbunden gewesen; zur Fixierung der beidseitigen Modulfelder seien seitens des Herstellers zudem Ballastierungssteine vorgesehen. Die tatsächlichen Böengeschwindigkeiten zum Schadenzeitpunkt hätten unterhalb der Normböengeschwindigkeit für die Windzone 1 und der Geländekategorie II gelegen.
Dieser Argumentation ist das Landgericht Köln mit Urteil vom 09.05.2025 nach umfangreicher Beweisaufnahme gefolgt und hat der Klage auf Ersatz von 75.000 € stattgegeben. Nach der Urteilsbegründung stehe der Versicherung der geltend gemachte Schadensersatz in Höhe von 75.000 € aus übergegangenem Recht zu.
Ihre Versicherungsnehmerin habe gegen die Bauunternehmerin einen Schadensersatzanspruch aus dem mit der Bauunternehmerin zu 3)) bestehenden Werkvertrag über die Installation einer Photovoltaikanlage. Da die Versicherung diesen Schaden ersetzt habe, sei dieser Anspruch der Versicherungsnehmerin auf die Versicherung als Gebäudeversicherin übergegangen (§ 86 VVG).
Nach dem gesamten Inhalt der Verhandlungen und dem Ergebnis der Beweisaufnahme habe das Landgericht insbesondere feststellen können, dass die fehlerhafte Montage der Photovoltaikanlage aufgrund gänzlich oder aber in Teilen fehlender Ballastierungssteine ursächlich für das Abheben und die Zerstörung der Anlage im Sturmtief Sabine gewesen sei.
Dabei sei die Montagepflichtverletzung vorliegend bereits nach dem sogenannten Beweis des ersten Anscheins zulasten der Bauunternehmerin zu vermuten. Dieser greife bei typischen Geschehensabläufen ein, also in Fällen, in denen ein bestimmter Tatbestand nach der Lebenserfahrung auf eine bestimmte Ursache für den Eintritt eines bestimmten Erfolges hinweise. Anwendungsfälle des sogenannten Anscheinsbeweises im Werkvertragsrecht seien dabei nach der Rechtsprechung unter anderem objektive Pflichtverletzungen, auch Montagefehler.
Im vorliegenden Rechtsstreit habe die Bauunternehmerin – so das Landgericht weiter – die sach- und fachgerechte und damit auch die sturmsichere Errichtung der Photovoltaikanlage geschuldet. Der Umstand, dass die Photovoltaikanlage unstreitig im Sturm von dem Dach abgehoben wurde, spreche dafür, dass sie gerade nicht sturmsicher montiert worden sei. Dies gelte zwar dann nicht, wenn ein außergewöhnliches Naturereignis vorliege, dem auch ein fehlerfrei errichtetes oder sorgfältig unterhaltenes Werk nicht standhalten könne. Dies sei dagegen nur bei einem Orkan im Binnenland mit dort bisher nicht gemessenen Windstärken der Fall, worauf sich die Bauunternehmerin dagegen nicht stütze.
Sodann begründet das Gericht weiter, dass derjenige, zu dessen Lasten zunächst von einem Beweis des ersten Anscheins auszugehen sei – hier die Bauunternehmerin – sodann Tatsachen ausreichend nachvollziehbar (sog. substantiiert) vorzutragen und ggf. nachzuweisen habe, aus denen sich die ernsthafte Möglichkeit für einen anderen als den typischen Hergang ergebe. Nur dann würden wieder die allgemeinen Beweisregeln (d. h. die volle Beweislast des Anspruchstellers, hier der Versicherung) eingreifen.
Die Bauunternehmerin hätten im vorliegenden Fall dagegen lediglich pauschal unter Berufung auf bundesweit bzw. sogar im Ausland – nicht aber für den konkreten Schadensort – gemessene Windböen des Sturmtiefs Sabine behauptet, dass diese mit Windstärke 12 und ggf. noch höher aufgetreten sein könnten. Zudem hätten sie das von der Versicherung vorgelegte Windgutachten nicht ausreichend in Abrede gestellt, wonach es an dem konkreten Schadensort im maßgeblichen Zeitpunkt lediglich zu Böen mit einer maximalen Windgeschwindigkeit von 100 km/h, also 10 Bft. gekommen sei.
Im Übrigen hätten die Bauunternehmerin auch keine sach- und fachgerechte Befestigung der Photovoltaikanlage nachweisen können. Das Landgericht habe nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme und dem Inbegriff der mündlichen Verhandlung nicht feststellen können, dass die Bauunternehmerin sog. Ballastierungssteine in ausreichender Anzahl verwendet habe.
Die Angaben der Bauunternehmerinseite in der persönlichen Anhörung als auch des von ihr benannten Zeugen stünden in Widerspruch zu den Angaben es von der Versicherung vorgerichtlich hinzugezogenen Gutachters als Zeugen, der weiter angehörten Zeugen und den Ausführungen des gerichtlich beauftragten Sachverständigen. Danach seien insbesondere keinerlei – obwohl zu erwarten gewesen – Abdrücke von Ballastierungssteinen auf dem Hallendach wahrnehmbar gewesen.
Landgericht Köln, Urteil vom 9. Mai 2025 – 18 O 254/23
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