Ver­trags­stra­fean­sprü­che – und die sach­li­che Zustän­dig­keit der Land­ge­rich­te

Nach § 13 Abs. 1 Satz 1 UWG sind die Land­ge­rich­te für bür­ger­li­che Rechts­strei­tig­kei­ten aus­schließ­lich zustän­dig, in denen ein Anspruch auf Grund des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb gel­tend gemacht wird. Dies gilt auch für Ansprü­che auf Grund von Ver­trags­stra­fever­spre­chen.

Ver­trags­stra­fean­sprü­che – und die sach­li­che Zustän­dig­keit der Land­ge­rich­te

Aller­dings ist die Fra­ge, ob Ansprü­che auf Grund von Ver­trags­stra­fever­spre­chen und Unter­las­sungs­ver­trä­gen von der Zustän­dig­keits­re­ge­lung des § 13 Abs. 1 Satz 1 UWG erfasst wer­den, in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur umstrit­ten.

Nach einer Ansicht wird die aus­schließ­li­che Zustän­dig­keit der Land­ge­rich­te für der­ar­ti­ge Ansprü­che nach § 13 Abs. 1 Satz 1 UWG wegen des Wort­lauts der Vor­schrift ver­neint 1.

Nach ande­rer Auf­fas­sung wird durch § 13 Abs. 1 Satz 1 UWG unab­hän­gig von der Höhe des gel­tend gemach­ten Anspruchs die erst­in­stanz­li­che land­ge­richt­li­che Zustän­dig­keit auch bei Ver­trags­stra­fean­sprü­chen begrün­det, die ihren Ursprung in einem auf einer wett­be­werbs­recht­li­chen Abmah­nung beru­hen­den Unter­las­sungs­ver­trag haben 2.

Die zuletzt genann­te Ansicht trifft zu. Dies ergibt sich aus einer am Geset­zes­zweck ori­en­tier­ten Aus­le­gung von § 13 Abs. 1 UWG.

Der Wort­laut des § 13 Abs. 1 Satz 1 UWG setzt vor­aus, dass Ansprü­che "auf Grund" des Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb gel­tend gemacht wer­den. Durch den wett­be­werbs­recht­li­chen Ver­trag, mit dem sich der Schuld­ner gegen­über dem Gläu­bi­ger straf­be­wehrt zur Unter­las­sung einer nach § 3 oder § 7 UWG unzu­läs­si­gen geschäft­li­chen Hand­lung ver­pflich­tet, wer­den der­ar­ti­ge Ansprü­che begrün­det. Die ver­trag­li­che Unter­las­sungs­ver­pflich­tung lässt die Wie­der­ho­lungs­ge­fahr für den gesetz­li­chen Unter­las­sungs­an­spruch nach § 8 UWG ent­fal­len, wobei die ver­trag­li­che Ver­pflich­tung in Form eines abs­trak­ten Schuld­an­er­kennt­nis­ses im Wege der Schuld­um­schaf­fung an die Stel­le des gesetz­li­chen Anspruchs tritt 3.

Die­ses Ver­ständ­nis ent­spricht dem mit der Neu­re­ge­lung der gericht­li­chen Zustän­dig­keit in Wett­be­werbs­sa­chen in § 13 Abs. 1 UWG ver­folg­ten Geset­zes­zweck. Der Gesetz­ge­ber hat­te das Ziel, statt der bis­her gege­be­nen streit­wert­ab­hän­gi­gen Zustän­dig­keit von Amts- und Land­ge­rich­ten (vgl. § 27 Abs. 1 UWG in der bis zum 7.07.2004 gel­ten­den Fas­sung in Ver­bin­dung mit § 23 Nr. 1, § 73 Abs. 1 GVG) eine aus­schließ­li­che, streit­wertu­n­ab­hän­gi­ge sach­li­che Zustän­dig­keit der Land­ge­rich­te in Wett­be­werbs­sa­chen ein­zu­füh­ren, weil bei den Land­ge­rich­ten auf­grund der dort streit­wert­be­dingt über­wie­gend anfal­len­den Wett­be­werbs­sa­chen der für die Behand­lung die­ser Sachen erfor­der­li­che Sach­ver­stand und das not­wen­di­ge Erfah­rungs­wis­sen vor­han­den sind. Ins­be­son­de­re soll­ten Rechts­strei­tig­kei­ten, in denen Abmahn­kos­ten gemäß § 12 Abs. 1 Satz 2 UWG gel­tend gemacht wer­den und bei denen eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit für eine Unter­schrei­tung der die Zustän­dig­keit bestim­men­de Streit­wert­gren­ze von 5.000 € vor­han­den ist, in die Zustän­dig­keit der Land­ge­rich­te fal­len, weil bei ihnen als Vor­fra­gen sämt­li­che ein­schlä­gi­gen wett­be­werbs­recht­li­chen Fra­gen geprüft wer­den müs­sen. Zudem soll­te mit der Allein­zu­stän­dig­keit der Land­ge­rich­te der inhalt­li­che Gleich­klang mit § 140 Abs. 1 Mar­kenG, § 15 Abs. 1 GeschmMG aF, § 27 Abs. 1 GebrMG, § 143 Abs. 1 PatG und § 6 Abs. 1 UKlaG her­ge­stellt wer­den 4. Die­se Erwä­gun­gen gel­ten glei­cher­ma­ßen für die Behand­lung von Strei­tig­kei­ten auf­grund von Ver­trags­stra­fever­spre­chen und Unter­las­sungs­ver­trä­gen, in denen ähn­li­che, spe­zi­fisch wett­be­werbs­recht­li­che Pro­ble­me auf­tre­ten wie bei ori­gi­nä­ren Ansprü­chen aus dem Gesetz gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb.

Zwar heißt es in der Zustän­dig­keits­re­ge­lung in § 140 Abs. 1 Mar­kenG, eben­so wie in § 52 Abs. 1 DesignG (frü­her § 15 Abs. 1 GeschmMG), § 27 Abs. 1 GebrMG und § 143 Abs. 1 PatG, dass sie für alle Kla­gen gilt, durch die ein "Anspruch aus einem der in die­sem Gesetz gere­gel­ten Rechts­ver­hält­nis­se" gel­tend gemacht wird, wäh­rend § 13 Abs. 1 UWG auf alle bür­ger­li­chen Rechts­strei­tig­kei­ten anzu­wen­den ist, in denen ein "Anspruch auf Grund die­ses Geset­zes" in Streit steht. § 6 UKlaG stellt dage­gen ähn­lich wie § 13 Abs. 1 Satz 2 UWG auf "Kla­gen nach die­sem Gesetz" ab. Ange­sichts des erklär­ten gesetz­ge­be­ri­schen Ziels, mit § 13 Abs. 1 UWG einen inhalt­li­chen Gleich­klang mit ande­ren die streit­wertu­n­ab­hän­gi­ge, aus­schließ­li­che erst­in­stanz­li­che Zustän­dig­keit der Land­ge­rich­te begrün­den­den Vor­schrif­ten im Bereich des gewerb­li­chen Rechts­schut­zes und nach dem Unter­las­sungs­kla­gen­ge­setz her­zu­stel­len, steht der gering­fü­gig abwei­chen­de Wort­laut der Vor­schrif­ten einer über­ein­stim­men­den Aus­le­gung nicht ent­ge­gen.

Die Vor­schrif­ten, auf die die Geset­zes­be­grün­dung Bezug nimmt, wer­den weit aus­ge­legt 5. Sie begrün­den nach nahe­zu ein­hel­li­ger Mei­nung eine aus­schließ­li­che sach­li­che Zustän­dig­keit der Land­ge­rich­te für Kla­gen aus straf­be­wehr­ten Unter­las­sungs­er­klä­run­gen. Dies gilt für § 140 Mar­kenG 6, für § 143 Abs. 1 PatG 7, für § 52 DesignG 8, für § 27 GebrMG 9 und für § 6 UKlaG 10. Dies muss auch für § 13 Abs. 1 UWG gel­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Okto­ber 2016 – I ZR 93/​15

  1. OLG Ros­tock, GRUR-RR 2005, 176; GRUR 2014, 304; OLG Köln, Urteil vom 05.06.2014 – 8 AR 68/​14 10; Ahrens/​Bähr, Der Wett­be­werbs­pro­zess, 7. Aufl., Kap. 17 Rn. 38; Ret­zer in Harte/​Henning, UWG, 3. Aufl., § 13 Rn. 9; juris­PK-UWG/Hess, 3. Aufl., § 13 Rn. 11; Köhler/​Feddersen in Köhler/​Bornkamm, UWG, 34. Aufl., § 13 UWG Rn. 2; vgl. auch Schaub in Teplitz­ky, Wett­be­werbs­recht­li­che Ansprü­che und Ver­fah­ren, 11. Aufl., Kap. 45 Rn. 5[]
  2. OLG Jena, GRUR-RR 2011, 199; Götting/​Nordemann/​Albert, UWG, 3. Aufl., § 13 Rn. 10; MünchKomm-.UWG/Ehricke aaO § 13 Rn. 10; MünchKomm-.UWG/Ottofülling aaO § 12 Rn. 270; Großkomm.UWG/Zülch, 2. Aufl., § 13 Rn. 9 ff.; Sos­nitza in Ohly/​Sosnitza aaO § 13 Rn. 2; Büscher in Fezer/​Büscher/​Obergfell aaO § 13 Rn. 7; Gold­beck, WRP 2006, 37, 38 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 12.07.1995 – I ZR 176/​93, BGHZ 130, 288, 292 – Kur­ze Ver­jäh­rungs­frist; Urteil vom 05.03.1998 – I ZR 202/​95, GRUR 1998, 953, 954 = WRP 1998, 743 – Alt­un­ter­wer­fung III[]
  4. Begrün­dung der Bun­des­re­gie­rung und Stel­lung­nah­me des Bun­des­ra­tes zum Ent­wurf eines Geset­zes gegen den unlau­te­ren Wett­be­werb, BT-Drs. 15/​1487, S. 36, 44[]
  5. BGH, Beschluss vom 04.03.2004 – I ZR 50/​03, GRUR 2004, 622 f.; Beschluss vom 22.02.2011 – X ZB 4/​09, GRUR 2011, 662 Rn. 9[]
  6. OLG Mün­chen, GRUR-RR 2004, 190; Fezer, Mar­kenG, 4. Aufl., § 140 Rn. 6; Ingerl/​Rohnke, Mar­kenG, 3. Aufl., § 140 Rn. 13; Hacker in Ströbele/​Hacker, Mar­kenG, 11. Aufl., § 140 Rn. 6; Büscher in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 3. Aufl., § 140 Mar­kenG Rn. 11[]
  7. OLG Düs­sel­dorf, GRUR 1984, 650[]
  8. Eich­mann in Eichmann/​von Falckenstein/​Kühne, DesignG, 5. Aufl., § 52 Rn. 9[]
  9. Grabinski/​Zülch in Ben­kard, PatG, 11. Aufl., § 27 GebrMG Rn. 2[]
  10. Palandt/​Bassenge, BGB, 75. Aufl., § 6 UKlaG Rn. 1; MünchKomm-.ZPO/Micklitz, 4. Aufl., § 6 UKlaG Rn. 4; zu § 14 AGBG LG Mün­chen I, NJW-RR 1991, 1143; LG Karls­ru­he, VuR 1992, 130[]