Wie­viel Pra­li­nen sind in der Packung?

Wer­den Pra­li­nen ein­zeln ver­packt in einer Umver­pa­ckung ver­trie­ben, dann ist die Anzahl der Ein­zel­ver­pa­ckun­gen anzu­ge­ben. Die Anga­be als Net­to­füll­men­ge reicht nicht aus.

Wie­viel Pra­li­nen sind in der Packung?

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Ent­schei­dung des Land­ge­richts Frank­furt am Main bestä­tigt und der Beru­fung nicht statt­ge­ge­ben. Geklagt hat­te ein Ver­brau­cher­schutz­ver­ein gegen eine inter­na­tio­nal täti­ge Süß­wa­ren­her­stel­le­rin aus Ita­li­en mit Nie­der­las­sung in Deutsch­land. Sie ver­treibt u.a. das Pro­dukt "Raf­fa­el­lo“. Bei die­sem Pro­dukt befin­den sich ein­zel­ne, mit einer ver­schweiß­ten Plas­tik­fo­lie umman­tel­te Pra­li­nen­ku­geln in einer grö­ße­ren Plas­ti­kum­ver­pa­ckung. Durch ein Sicht­fens­ter sind Ein­zel­pa­ckun­gen sicht­bar, nicht jedoch die genaue Stück­zahl. Die Packungs­un­ter­sei­te ent­hält Anga­ben zur Net­to­füll­men­ge, nicht aber zur Stück­zahl. Ziel der Kla­ge ist, dass die Fir­ma das Pro­dukt ohne Anga­be der Stück­zahl der ent­hal­te­nen Ein­zel­pa­ckun­gen nicht anbie­ten und ver­kau­fen darf. Nach­dem der Kla­ge vor dem Land­ge­richt Frank­furt am Main 1 statt­ge­ge­ben wor­den ist, hat sich die Beklag­te mit der Beru­fung dage­gen gewehrt.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main auf Arti­kel 23 Lebens­mit­tel­in­for­ma­ti­ons-VO (EU) Nr. 1169/​2011 hin­ge­wie­sen. Nach sei­ner Auf­fas­sung ist die im Streit­fall gewähl­te Art der Umhül­lung als "Ein­zel­pa­ckung“ gem. Art. 23 i.V.m. Anhang IX Nr. 4 LMIV ein­zu­stu­fen. Des­halb müs­se im Sin­ne der ein­schlä­gi­gen uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten auf der Umver­pa­ckung auch die Anzahl der ent­hal­te­nen Ein­zel­pa­ckun­gen ange­ge­ben wer­den. Die Vor­ent­hal­tung der vom Uni­ons­ge­setz­ge­ber als wesent­lich ange­se­he­nen Infor­ma­ti­on sei auch geeig­net, die geschäft­li­che Ent­schei­dung des Ver­brau­chers zu beein­flus­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 25. Okto­ber 2018 – 6 U 175/​17 (nicht rechts­kräf­tig)

  1. LG Frank­furt a.M., Urteil vom 11.10.2017 – 2 – 06 O 245/​17[]