Ver­jäh­rungs­hem­mung durch den Pro­zess­stand­schaf­ter

Die Ver­jäh­rung einer For­de­rung wird gemäß § 204 Abs. 1 BGB durch die (gericht­li­che) Rechts­ver­fol­gung gehemmt, so etwa durch die Erhe­bung der Kla­ge auf Leis­tung oder auf Fest­stel­lung des Anspruchs, auf Ertei­lung der Voll­stre­ckungs­klau­sel oder auf Erlass des Voll­stre­ckungs­ur­teils, § 204 Abs. 1 BGB.

Ver­jäh­rungs­hem­mung durch den Pro­zess­stand­schaf­ter

Die­se Vor­schrift des § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB setzt – eben­so wie schon § 209 Abs. 1 BGB a.F. – eine Kla­ge des mate­ri­ell Berech­tig­ten vor­aus. Berech­tig­ter ist neben dem ursprüng­li­chen Rechts­in­ha­ber und des­sen Rechts­nach­fol­ger auch der gesetz­li­che oder gewill­kür­te Pro­zess­stand­schaf­ter.

§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB erfor­dert die Kla­ge eines mate­ri­ell Berech­tig­ten 1. Dem­entspre­chend hemmt die Kla­ge eines Nicht­be­rech­tig­ten nicht den Lauf der Ver­jäh­rung. Obwohl § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB – anders als § 209 Abs. 1 BGB a.F. – nicht mehr aus­drück­lich auf den "Berech­tig­ten" abstellt, hat sich sach­lich am Erfor­der­nis der mate­ri­el­len Berech­ti­gung des Klä­gers nichts geän­dert. Nach der Begrün­dung des Gesetz­ent­wurfs zur Moder­ni­sie­rung des Schuld­rechts wur­de die in § 209 Abs. 1 BGB a.F. vor­ge­se­he­ne Unter­bre­chung der Ver­jäh­rung als "unsys­te­ma­tisch" emp­fun­den, weil in § 211 Abs. 1, § 212a Satz 1, § 213 Satz 1, § 214 Abs. 1 und § 215 Abs. 1 BGB a.F. bestimmt war, dass die Unter­bre­chung durch Gel­tend­ma­chung eines Anspruchs im Ver­fah­ren "fort­dau­er­te". Hier­in wur­de der Sache nach eine Hem­mung gese­hen. Aus die­sem Grun­de soll­te die durch Kla­ge­er­he­bung ein­tre­ten­de Unter­bre­chung der Ver­jäh­rung in eine Hem­mung umge­wan­delt wer­den. Inhalt­lich soll­te § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB der Vor­schrift des § 209 Abs. 1 BGB a.F. indes­sen ent­spre­chen 2. Berech­tig­ter im Sin­ne von § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB ist neben dem ursprüng­li­chen Rechts­in­ha­ber und sei­nem Rechts­nach­fol­ger aber auch der gesetz­li­che oder gewill­kür­te Pro­zess­stand­schaf­ter 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Okto­ber 2009 – I ZR 191/​07

  1. vgl. MünchKomm.BGB/Grothe, 5. Aufl., § 204 Rdn. 17; Bamberger/​Roth/​Henrich, BGB, 3. Aufl., § 204 Rdn. 8; Palandt/​Heinrichs, BGB, 68. Aufl., § 204 Rdn. 9; Staudinger/​Peters, BGB [2004], § 204 Rdn. 7; zu § 209 Abs. 1 a.F.: BGH, Urteil vom 16.09.1999 – VII ZR 385/​98, NJW 1999, 3707[]
  2. vgl. BT-Drs. 14/​6040, S. 113; Rabe, NJW 2006, 3089 f.; Staudinger/​Peters aaO § 204 Rdn. 6; a.A. Käh­ler, NJW 2006, 1769, 1773[]
  3. BGH NJW 1999, 3707 f.; Staudinger/​Peters aaO § 204 Rdn. 9 f.; MünchKomm.BGB/Grothe aaO § 204 Rdn. 17[]