Aus­le­gung einer Beru­fungs­schrift – Beru­fungs­ein­le­gung für eine oder alle Beklag­ten?

Die Zuläs­sig­keit der Beru­fung ist in jeder Lage des Ver­fah­rens und daher auch noch in der Revi­si­ons­in­stanz von Amts wegen zu prü­fen 1.

Aus­le­gung einer Beru­fungs­schrift – Beru­fungs­ein­le­gung für eine oder alle Beklag­ten?

Der Umstand, dass in der Beru­fungs­schrift zwar die bei­den Beklag­ten auf­ge­führt, aber nur als "Beklag­te, Beru­fungs­klä­ge­rin " bezeich­net waren und die­ser Feh­ler sich inso­fern wie­der­hol­te, als die Beru­fung nur "namens der Beru­fungs­klä­ge­rin" ein­ge­legt wur­de, begrün­det für sich gese­hen Zwei­fel, ob die Beru­fung auch für die Beklag­te zu 1 ein­ge­legt wer­den soll­te, und sind an die ein­deu­ti­ge Bezeich­nung des Rechts­mit­tel­füh­rers stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len. Das bedeu­tet aber nicht, dass die erfor­der­li­che Klar­heit über die Per­son des Rechts­mit­tel­klä­gers aus­schließ­lich durch des­sen aus­drück­li­che Bezeich­nung zu erzie­len wäre.

Viel­mehr kann sie nicht zuletzt unter Beach­tung des Grund­sat­zes, dass der Zugang zu den Instan­zen aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den nicht unzu­mut­bar erschwert wer­den darf auch im Wege der Aus­le­gung der Beru­fungs­schrift und der im Zeit­punkt des Ablaufs der Beru­fungs­frist etwa sonst vor­lie­gen­den Unter­la­gen gewon­nen wer­den 2.

Die dem Beru­fungs­ge­richt im Streit­fall zusam­men mit der Beru­fungs­schrift vor­ge­leg­te Ent­schei­dung des Land­ge­richts leg­te es nach ihrem Inhalt nahe anzu­neh­men, dass eine gegen sie ein­ge­leg­te Beru­fung von bei­den Beklag­ten geführt wer­den soll­te und des­halb die Bezeich­nung der die Beru­fung füh­ren­den Par­tei als "Beklag­te und Beru­fungs­klä­ge­rin" an ihrem Ende nicht zutref­fend war. Unter Berück­sich­ti­gung des wei­te­ren Umstands, dass in der Beru­fungs­schrift auch die Beklag­te zu 1 als (wei­ter­hin) Ver­fah­rens­be­tei­lig­te auf­ge­führt war, konn­te daher kein ernst­li­cher Zwei­fel bestehen, dass die Beru­fung auch für die Beklag­te zu 1 geführt wer­den soll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Sep­tem­ber 2013 – I ZR 65/​12

  1. vgl. BGH, Urteil vom 30.09.1987 IVb ZR 86/​86, BGHZ 102, 37, 38; Urteil vom 15.11.2001 – I ZR 122/​99, TranspR 2002, 448, 449 f.; Urteil vom 29.05.2008 – I ZR 189/​05, GRUR 2008, 1121 Rn. 13 = WRP 2008, 1560 Freund­schafts­wer­bung im Inter­net[]
  2. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 13.01.2004 – VI ZB 53/​03, NJW-RR 2004, 572, 573; Urteil vom 08.04.2004 – III ZR 20/​03, NJW-RR 2004, 851, 852; Beschluss vom 10.10.2006 – XI ZB 14/​06, NJW-RR 2007, 413 Rn. 8; Beschluss vom 09.04.2008 – VIII ZB 58/​06, NJW-RR 2008, 1161 Rn. 5; Urteil vom 18.01.2011 – X ZR 71/​10, BGHZ 188, 85 Rn. 8; Beschluss vom 12.04.2011 – II ZB 14/​10, NJW 2011, 2371 Rn. 10, jeweils mwN[]