Bei­ord­nung eines Not­an­walts – nach Man­dats­nie­der­le­gung

Nach § 78b Abs. 1 ZPO kann einer Par­tei ein Rechts­an­walt bei­geord- net wer­den, wenn sie trotz zumut­ba­rer Anstren­gun­gen einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt nicht fin­det und die beab­sich­tig­te Rechts­ver­fol­gung nicht mut­wil­lig oder aus­sichts­los erscheint.

Bei­ord­nung eines Not­an­walts – nach Man­dats­nie­der­le­gung

Hat die Par­tei zunächst einen zu ihrer Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den und ent­spre­chend man­da­tiert, so kommt im Fal­le einer spä­te­ren Man­dats­nie­der­le­gung die Bei­ord­nung eines Not­an­walts nur dann in Betracht, wenn sie die Been­di­gung des Man­dats nicht zu ver­tre­ten hat. Dabei hat die Par­tei sub­stan­ti­iert dar­zu­le­gen und nach­zu­wei­sen, dass die Been­di­gung des Man­dats nicht auf ihr Ver­schul­den zurück­zu­füh­ren ist 1. Ein Ver­schul­den in die­sem Sin­ne liegt regel­mä­ßig dann vor, wenn die Par­tei den Kos­ten­vor­schuss nicht zahlt, den sie dem mit ihrer Ver­tre­tung beauf­trag­ten Rechts­an­walt schul­det 2.

Nach die­sen Maß­stä­ben kam in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen FAll die Bei­ord­nung eines Not­an­walts nicht in Betracht. Die Beklag­te hat dar­ge­legt, dass die von ihr beauf­trag­te Rechts­an­wäl­tin Dr. A. das Man­dat nie­der­ge­legt hat, weil kei­ne Zah­lung auf die von ihr gestell­te Kos­ten­no­te vom 25.04.2014 erfolgt ist. Nach ihren Anga­ben ist bis zur Nie­der­le­gung des Man­dats am 30.06.2014 kei­ne Zah­lung erfolgt, weil die Kos­ten­no­te wegen Ver­wen­dung einer fal­schen Post­leit­zahl erst um den 10.05.2014 bei der Beklag­ten ein­ge­gan­gen sei, die Bear­bei­tung der Kos­ten­no­te unter ande­rem auf­grund von Aus­lands­auf­ent­hal­ten und erfor­der­li­chen Abstim­mun­gen zwi­schen den Ver­ant­wort­li­chen der Beklag­ten eini­ge Wochen in Anspruch genom­men habe und die Beklag­te der Auf­fas­sung gewe­sen sei, dass eine Zah­lung man­gels Leis­tung der Rechts­an­wäl­tin Dr. A. noch nicht zu erbrin­gen und über­dies vor Nie­der­le­gung des Man­dats eine Mah­nung erfor­der­lich gewe­sen sei. Die­se Umstän­de ent­las­ten die Beklag­te nicht. Orga­ni­sa­to­ri­sche Schwie­rig­kei­ten sind von der Beklag­ten eben­so zu ver­tre­ten wie ihre unzu­tref­fen­de Auf­fas­sung, kei­ne Zah­lung leis­ten zu müs­sen. Der von der Beklag­ten ange­führ­te Ein­gang der Kos­ten­no­te um den 10.05.2014 führt ange­sichts des ihr ver­blie­be­nen Zeit­raums von meh­re­ren Wochen bis zur Man­dats­nie­der­le­gung am 30.06.2014 zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis.

Dar­über hin­aus hat­te im vor­lie­gen­den FAll die Beklag­te es auch zu ver­tre­ten, dass sie nach der Nie­der­le­gung des Man­dats durch Rechts­an­wäl­tin Dr. A. am 30.06.2014 kei­nen zur Ver­tre­tung berei­ten Rechts­an­walt gefun­den hat.

Einer Par­tei obliegt es im Rah­men der ihr zumut­ba­ren Anstren­gun­gen, einen Rechts­an­walt so recht­zei­tig um Man­dats­über­nah­me zu ersu­chen, dass er die Ver­tre­tung nicht berech­tig­ter­wei­se mit der Begrün­dung ableh­nen kann, zur sach­ge­rech­ten Bear­bei­tung der Sache nicht mehr in der Lage zu sein 3. Dem ist die Beklag­te nicht nach­ge­kom­men. Sie hat nach ihren Anga­ben nach Man­dats­nie­der­le­gung durch Rechts­an­wäl­tin Dr. A. ande­re bei dem Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­ne Rechts­an­wäl­te erst weni­ge Tage vor Ablauf der bis zum 29.07.2014 ver­län­ger­ten Frist ange­schrie­ben oder ange­spro­chen. Deren Bereit­schaft zur Man­dats­übe­rah­me schei­ter­te aus­weis­lich der vor­ge­leg­ten Anla­gen über­wie­gend dar­an, dass sie sich ange­sichts des für die Begrün­dung der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zur Ver­fü­gung ste­hen­den Zeit­raums von weni­gen Tagen zu einer sach­ge­rech­ten Bear­bei­tung der Sache nicht in der Lage sahen. Es ist nicht ersicht­lich, dass – vor­be­halt­lich einer Vor­schuss­zah­lung – zeit­nah nach dem 30.06.2014 kein ver­tre­tungs­be­rei­ter Rechts­an­walt hät­te gefun­den wer­den kön­nen.

BGkH, Beschluss vom 5. Juli 2017 – VII ZR 88/​14

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 02.02.2017 – IX ZR 113/​16, ZIn­sO 2017, 968 Rn. 4; und vom 18.12 2013 – III ZR 122/​13, WM 2014, 425 Rn. 8 f., jeweils m.w.N.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 08.09.2011 – III ZR 89/​11 Rn. 1 m.w.N.[]
  3. vgl. BAGE 149, 57 Rn. 4; BGH, Beschluss vom 08.09.2011 – III ZR 89/​11 Rn. 1 zur Recht­zei­tig­keit einer Vor­schuss­zah­lung[]