Beru­fung nach Tei­ler­le­di­gungs­er­klä­rung

Wird nach über­ein­stim­men­der Tei­ler­le­di­gungs­er­klä­rung durch Urteil zugleich in der Haupt­sa­che und über die Kos­ten des erle­dig­ten Teils ent­schie­den, so ist die Beru­fung nur zuläs­sig, wenn der nicht erle­dig­te Teil der Haupt­sa­che die Beru­fungs­sum­me von 600 € (§ 511 Abs. 2 Nr. 1 ZPO) erreicht.

Beru­fung nach Tei­ler­le­di­gungs­er­klä­rung

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de sind bei der Ermitt­lung des Beschwer­de­werts weder das mit dem ursprüng­li­chen Löschungs­an­trag ver­folg­te "Sach­in­ter­es­se" des Klä­gers noch die auf den erle­dig­ten Teil ent­fal­len­den Pro­zess­kos­ten zu berück­sich­ti­gen. Viel­mehr bemisst sich die Beschwer vor­lie­gend allein nach dem von dem Klä­ger wei­ter­ver­folg­ten Begeh­ren, die Ver­ur­tei­lung der Beklag­ten zur Zah­lung von 23,40 € zu errei­chen. Denn wird – wie im Streit­fall – nach über­ein­stim­men­der Tei­ler­le­di­gungs­er­klä­rung durch Urteil zugleich in der Haupt­sa­che und über die Kos­ten des erle­dig­ten Teils ent­schie­den, so ist die Beru­fung nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nur zuläs­sig, wenn der nicht erle­dig­te Teil der Haupt­sa­che die Beru­fungs­sum­me erreicht 1. Die auf den erle­dig­ten Teil der Haupt­sa­che ent­fal­len­den Kos­ten blei­ben hier­für außer Betracht. Denn bei ihnen han­delt es sich um Neben­for­de­run­gen im Sin­ne des § 4 Abs. 1 Halb­satz 2 ZPO, die den Streit­wert und damit auch die Beschwer nicht beein­flus­sen 2.

Auch das mit dem über­ein­stim­mend für erle­digt erklär­ten Klag­an­trag ursprüng­lich ver­folg­te "Sach­in­ter­es­se" des Klä­gers ver­mag den Beschwer­de­wert nicht zu erhö­hen. Denn mit den über­ein­stim­men­den Erle­di­gungs­er­klä­run­gen endet die Rechts­hän­gig­keit des für erle­digt erklär­ten Teils der Haupt­sa­che; anhän­gig bleibt inso­weit nur der Kos­ten­punkt, über den gemäß § 91a ZPO nach bil­li­gem Ermes­sen zu ent­schei­den ist 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. April 2011 – VI ZB 44/​10

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 04.12. 2007 – VI ZB 73/​06, VersR 2008, 557 Rn. 8; BGH, Beschlüs­se vom 20.09. 1962 – VII ZB 2/​62, MDR 1963, 44 f.; vom 23.07.1981 – III ZR 28/​81, Jur­Bü­ro 1981, 1489 f.; vom 17.05.1990 – IX ZB 9/​90, BGHR ZPO § 91a Abs. 1 Satz 1 Streit­wert 1; vom 31.10.1991 – IX ZR 171/​91, BGHR ZPO § 91a Abs. 1 Satz 1 Streit­wert 2; vom 15.03.1995 – XII ZB 29/​95, NJWRR 1995, 1089, 1090; vom 28.02.2007 – XII ZB 165/​06, Fam­RZ 2007, 893 Rn. 10; OLG Karls­ru­he, MDR 1996, 1298; KG, Beschluss vom 12.11.2009 – 8 W 91/​09, jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 31.10.1991 – IX ZR 171/​91, aaO; KG, aaO[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 08.02.1989 – IVa ZR 98/​87, BGHZ 106, 359, 366 mwN, vgl. auch BGH, Urteil vom 21.12. 2006 – IX ZR 66/​05, NJW 2007, 1591 Rn. 25[]