Beru­fungs­be­grün­dung mit­tels beglau­big­ter Abschrift

Die beglau­big­te Abschrift einer Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift ersetzt die Urschrift, wenn der Beglau­bi­gungs­ver­merk von dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beru­fungs­klä­gers hand­schrift­lich voll­zo­gen ist. Die Rechts­wir­kun­gen der Ein­rei­chung der Urschrift eines bestim­men­den Schrift­sat­zes tre­ten auch dann ein, wenn eine von dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten hand­schrift­li­che beglau­big­te Abschrift frist­ge­mäß bei Gericht ein­ge­gan­gen ist.

Beru­fungs­be­grün­dung mit­tels beglau­big­ter Abschrift

Bereits nach der Recht­spre­chung des Reichs­ge­richts [1], der sich der Bun­des­ge­richts­hof ange­schlos­sen hat [2], ersetzt die beglau­big­te Abschrift einer Beru­fungs- oder Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift die Urschrift, wenn der Beglau­bi­gungs­ver­merk von dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten des Beru­fungs­klä­gers hand­schrift­lich voll­zo­gen ist.

Die Rechts­wir­kun­gen der Ein­rei­chung der Urschrift eines bestimm­ten Schrift­sat­zes tre­ten auch dann ein, wenn eine von dem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten hand­schrift­lich beglau­big­te Abschrift frist­ge­mäß bei Gericht ein­ge­gan­gen ist. Dem steht, so der Bun­des­ge­richts­hof, nicht ent­ge­gen, dass die beglau­big­ten Abschrif­ten (an sich) nur zur Wei­ter­lei­tung an den Geg­ner über­ge­ben wer­den und somit nicht mit Sicher­heit Bestand­teil der Akten wer­den. Zwar trifft es zu, dass die Beglau­bi­gung dann pri­mär den Zweck hat, dem Geg­ner die Über­zeu­gung der Über­ein­stim­mung der Abschrift mit der Urschrift zu ver­schaf­fen. Das schließt aber nicht aus, dass die beglau­big­ten Abschrif­ten trotz­dem eine von ihrer unmit­tel­ba­ren Zweck­be­stim­mung nicht umfass­te Wir­kung haben. Die­se Wir­kung besteht dar­in, dass das Gericht aus ihrer Ein­rei­chung die Über­zeu­gung gewin­nen kann, dass das Schrift­stück von dem Anwalt, der den Beglau­bi­gungs­ver­merk voll­zo­gen hat, her­rührt, dass er die vol­le Ver­ant­wor­tung für den Inhalt des Schrift­sat­zes über­neh­men und die­sen bei Gericht ein­rei­chen will und dass es sich bei dem Schrift­stück nicht nur um einen Ent­wurf han­delt, son­dern dass es mit Wis­sen und Wil­len des Berech­tig­ten dem Gericht zuge­lei­tet wor­den ist. Zur Ein­le­gung der Beru­fung und ihrer Begrün­dung genügt aber die Ein­rei­chung eines Schrift­sat­zes, der von einer Unter­schrift hier auf dem Beglau­bi­gungs­ver­merk des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten gedeckt ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. März 2012 – II ZB 23/​11

  1. RGZ 119, 62, 63; JW 1930, 2953 Nr. 21; JW 1934, 420 Nr. 16; JW 1938, 237 Nr. 48[]
  2. sie­he nur BGH, Beschluss vom 05.03.1954 – VI ZB 21/​53, LM Nr. 14 zu § 519 ZPO; Urteil vom 22.09.1992 – XI ZR 35/​92, VersR 1993, 459; sie­he auch BFH, Urteil vom 27.07.1977 – I R 207/​75, BFHE 123, 286, 287 f.[]