Das Schein­ge­bot und die Wert­gren­zen in der Zwangs­ver­stei­ge­rung

Das vom Ter­mins­ver­tre­ter der Gläu­bi­ge­rin für einen Drit­ten abge­ge­be­ne Meist­ge­bot ist als unwirk­sam ange­se­hen, wenn es aus­schließ­lich zu dem Zweck abge­ge­ben wur­de, die Wert­gren­ze nach § 85a ZVG in einem wei­te­ren Ver­stei­ge­rungs­ter­min zu Fall zu brin­gen1.

Das Schein­ge­bot und die Wert­gren­zen in der Zwangs­ver­stei­ge­rung

Das Voll­stre­ckungs­ge­richt hät­te das unwirk­sa­me Gebot nach § 71 Abs. 1 ZVG zurück­wei­sen müs­sen. Nach­dem dies unter­blie­ben war, konn­te und muss­te die Unwirk­sam­keit bei der Beschluss­fas­sung über den Zuschlag in dem zwei­ten Ver­stei­ge­rungs­ter­min berück­sich­tigt wer­den; dabei war das Voll­stre­ckungs­ge­richt nach § 79 ZVG nicht an die rechts­feh­ler­haf­te Zulas­sung des Gebots gebun­den. Es hät­te den Zuschlag also schon des­halb ver­sa­gen müs­sen, weil kein wirk­sa­mes Meist­ge­bot vor­lag.

Die statt­des­sen auf § 85a Abs. 1 ZVG gestütz­te Ver­sa­gung des Zuschlags ist rechts­feh­ler­haft, weil die­se Vor­schrift ein wirk­sa­mes Meist­ge­bot vor­aus­setzt. Obwohl die­se Zuschlags­ent­schei­dung nicht ange­foch­ten und damit – jeden­falls for­mell – rechts­kräf­tig wur­de, war das Voll­stre­ckungs­ge­richt nicht gehin­dert, im wei­te­ren Ver­lauf des Ver­fah­rens die Unwirk­sam­keit des Gebots fest­zu­stel­len2.

Wäre das Voll­stre­ckungs­ge­richt recht­mä­ßig ver­fah­ren, hät­te dies zur Fol­ge gehabt, dass ent­we­der das Ver­fah­ren der Gläu­bi­ge­rin zu 1 wegen feh­len­der Abga­be von Gebo­ten in dem zwei­ten Ver­stei­ge­rungs­ter­min nach § 77 Abs. 2 Satz 1 ZVG auf­zu­he­ben und das Ver­fah­ren der Gläu­bi­ge­rin zu 2 nach § 77 Abs. 1 ZVG ein­zu­stel­len oder bei­de Ver­fah­ren infol­ge der Ver­sa­gung des Zuschlags nach § 86 ZVG als einst­wei­len ein­ge­stellt anzu­se­hen gewe­sen wären; wegen der ergeb­nis­lo­sen Zwangs­ver­stei­ge­rung in dem vier­ten Ter­min wäre das Ver­fah­ren der Gläu­bi­ge­rin zu 2 gege­be­nen­falls nach § 77 Abs. 2 Satz 1 ZVG auf­zu­he­ben gewe­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Sep­tem­ber 2012 – V ZB 90/​12

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.05.2007 – V ZB 83/​06, BGHZ 172, 218, 220 ff. Rn. 8 ff.; Beschluss vom 17.07.2008 – V ZB 1/​08, BGHZ 177, 334, 336 ff. Rn. 7 ff. []
  2. BGH, Beschluss vom 10.05.2007 – V ZB 83/​06, BGHZ 172, 218, 234 ff. Rn. 39 ff. []