Der erfor­der­li­che Beru­fungs­an­trag

Eine Beru­fung bedarf eines Sach­an­trags. Der allei­ni­ge Beru­fungs­an­trag, den Rechts­streit in die Vor­in­stanz zurück­zu­ver­wei­sen ohne (ergän­zen­den) Sach­an­trag, ist jeden­falls dann unzu­läs­sig, wenn die Zurück­ver­wei­sung ledig­lich um ihrer selbst wil­len begehrt wird.

Der erfor­der­li­che Beru­fungs­an­trag

§ 520 Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 ZPO muss die Beru­fungs­be­grün­dung die Erklä­rung ent­hal­ten, inwie­weit das Urteil ange­foch­ten wird und wel­che Abän­de­run­gen des Urteils bean­tragt wer­den. Dies setzt einen Sach­an­trag vor­aus. Ein Antrag, der ledig­lich die Auf­he­bung und die Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an die Vor­in­stanz begehrt, stellt kei­nen sol­chen Sach­an­trag dar. Eine sol­che Beru­fung ist unzu­läs­sig, wenn die Zurück­ver­wei­sung ledig­lich um ihrer selbst wil­len begehrt wird 1.

Ob eine Zurück­ver­wei­sung ledig­lich um ihrer selbst wil­len begehrt wird oder ob das Sach­an­lie­gen (trotz feh­len­dem aus­drück­li­chen Sach­an­trag) wei­ter­ver­folgt wer­den soll, ist durch Aus­le­gung zu ermit­teln 2. Auch ohne förm­li­chen Sach­an­trag genügt es, wenn sich aus den inner­halb der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist ein­ge­reich­ten Schrift­sät­zen des Beru­fungs­klä­gers ihrem gesam­ten Inhalt nach ein­deu­tig ergibt, in wel­chem Umfang und mit wel­chem Ziel das Urteil ange­foch­ten wer­den soll 3. Dass eine Beru­fung die Zurück­ver­wei­sung ledig­lich um ihrer selbst wil­len zum Ziel hat, wird nur in sel­te­nen Fäl­len anzu­neh­men sein, in denen der Beru­fungs­füh­rer zu erken­nen gibt, dass er die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung im Ergeb­nis für rich­tig hält. Erge­ben sich dafür aus dem Beru­fungs­vor­brin­gen kei­ne Anhalts­punk­te, ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Beru­fungs­füh­rer die Zurück­ver­wei­sung nicht um ihrer selbst wil­len erstrebt, son­dern um sein bis­he­ri­ges Sach­be­geh­ren wei­ter­zu­ver­fol­gen 4.

Lan­des­ar­beits­ge­richt Baden ‑Würt­tem­berg, Urteil vom 3. Mai 2017 – 4 Sa 79/​16

  1. BGH 31.05.1995 – XII ZR 196/​94; BGH 10.02.1993 – XII ZR 263/​91; BGH 6.05.1987 – IVb ZR 52/​86; BGH 18.09.1985 – VIII ZB 17/​85[]
  2. BGH 10.02.1993 – XII ZR 263/​91; BGH 18.09.1985 – VIII ZB 17/​85[]
  3. BGH 10.02.1993 – XII ZR 263/​91[]
  4. BGH 31.05.1995 – XII ZR 196/​94[]