Der Eyjaf­jal­la­jökull und die aus­ge­fal­le­ne Kreuz­fahrt

Ein Ver­trag über die Teil­nah­me an einer Kreuz­fahrt ist als Rei­se­ver­trag im Sin­ne des § 651a Abs. 1 BGB anzu­se­hen. Ist dem Rei­sen­den die Anrei­se zum Aus­gangs­ort der Kreuz­fahrt infol­ge höhe­rer Gewalt unmög­lich oder ist sei­ne Anrei­se erheb­lich erschwert, kann er den Ver­trag über die Teil­nah­me an der Kreuz­fahrt auch dann kün­di­gen, wenn die Anrei­se nicht Bestand­teil des Rei­se­ver­trags ist.

Der Eyjaf­jal­la­jökull und die aus­ge­fal­le­ne Kreuz­fahrt

Ein Rei­se­ver­trag über eine Kreuz­fahrt darf wegen höhe­rer Gewalt gekün­digt wer­den, wenn die Flug­ver­bin­dun­gen zum Aus­gangs­punkt der Kreuz­fahrt wegen eines behörd­lich ange­ord­ne­ten Flug­ver­bots aus­ge­fal­len sind.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit buch­te der Klä­ger über ein Rei­se­bü­ro der Beklag­ten für sich und sei­ne Ehe­frau eine Kari­bik­kreuz­fahrt, die von der am Ver­fah­ren betei­lig­ten Streit­hel­fe­rin ver­an­stal­tet wur­de und am 19. April 2010 in Fort Lauderdale/​USA begin­nen soll­te. Die Hin- und Rück­flü­ge sowie wei­te­re Leis­tun­gen buch­te er geson­dert. Im April 2010 wur­de auf­grund der von dem islän­di­schen Vul­kan Eyjaf­jal­la­jökull aus­ge­sto­ße­nen Asche­wol­ke ein Flug­ver­bot ange­ord­net. Der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau konn­ten die gebuch­ten Flü­ge in die USA nicht antre­ten und des­halb an der Kreuz­fahrt nicht teil­neh­men. Mit Schrei­ben vom 18. April 2010 kün­dig­te der Klä­ger gegen­über der Rei­se­ver­an­stal­te­rin den Ver­trag über die Kreuz­fahrt wegen höhe­rer Gewalt. Die Rei­se­ver­an­stal­te­rin ver­lang­te Stor­no­ge­büh­ren von 90% des Rei­se­prei­ses, die die Beklag­te an sie zahl­te.

Der Klä­ger ver­lang­te von der Beklag­ten die Erstat­tung einer geleis­te­ten Anzah­lung. Die Beklag­te for­der­te im Wege der Wider­kla­ge die Erstat­tung der an die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gezahl­ten Stor­no­ge­büh­ren.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Amts­ge­richt Nor­der­stedt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben und die Wider­kla­ge abge­wie­sen 1. Auf die Beru­fung der Beklag­ten hat dage­gen das Land­ge­richt Kiel die Kla­ge abge­wie­sen und der Beklag­ten Ersatz für die Stor­no­ge­büh­ren zuge­spro­chen 2. Der Ver­trag über die Kreuz­fahrt sei kein Rei­se­ver­trag, so das Land­ge­richt Kiel zur Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung, und kön­ne des­halb nicht wegen höhe­rer Gewalt gekün­digt wer­den. Die Beklag­te sei als Rei­se­ver­mitt­le­rin auch nicht ver­pflich­tet gewe­sen, den Klä­ger dar­auf hin­zu­wei­sen, dass er das Risi­ko der Anrei­se tra­ge und im Fal­le eines Flug­aus­falls wegen höhe­rer Gewalt den Ver­trag über die Kreuz­fahrt nicht kos­ten­frei wer­de kün­di­gen kön­nen. Auf die Revi­si­on der Klä­ger hat der Bun­des­ge­richts­hof das erst­in­stanz­li­che Urteil wie­der­her­ge­stellt:

Der Bun­des­ge­richts­hof hat ent­schie­den, dass es sich bei dem Ver­trag über die Teil­nah­me an der Kreuz­fahrt um einen Rei­se­ver­trag im Sin­ne des § 651a BGB han­delt, den der Klä­ger wirk­sam wegen höhe­rer Gewalt gemäß § 651j BGB gekün­digt hat. Maß­geb­lich für das Kün­di­gungs­recht ist, dass die indi­vi­du­el­le Rei­se des Rei­sen­den infol­ge bei Ver­trags­schluss nicht vor­her­seh­ba­rer höhe­rer Gewalt nicht statt­fin­den kann. Hier konn­te die Kreuz­fahrt als sol­che zwar durch­ge­führt wer­den, an ihr teil­zu­neh­men war den Rei­sen­den jedoch offen­sicht­lich nicht mög­lich, zumin­dest aber erheb­lich erschwert.

Infol­ge der wirk­sa­men Kün­di­gung durch den Klä­ger hat die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gemäß § 651j Abs. 2 Satz 1 i.V.m. § 651e Abs. 3 Satz 1 BGB** den Anspruch auf den ver­ein­bar­ten Rei­se­preis ver­lo­ren. Die Beklag­te kann des­halb vom Klä­ger kei­ne Erstat­tung des an die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gezahl­ten Betra­ges ver­lan­gen. Einen Anspruch auf Erstat­tung der Anzah­lung kann der Klä­ger hin­ge­gen nicht gegen das beklag­te Rei­se­bü­ro, son­dern allen­falls gegen die Rei­se­ver­an­stal­te­rin gel­tend machen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. Dezem­ber 2012 – X ZR 2/​12

  1. AG Nor­der­stedt, Urteil vom 18.03.2011 – 47 C 1194/​10 []
  2. LG Kiel, Urteil vom 16.12.2011 – 1 S 77/​11[]