Der jähr­li­che Geschäfts­ver­tei­lungs­plan

Eine Geschäfts­ver­tei­lungs­plan ist nur als Jah­res­plan zuläs­sig und tritt am Jah­res­en­de auto­ma­tisch außer Kraft, so dass sämt­li­che Geschäf­te – auch die anhän­gi­gen – mit kon­sti­tu­ti­ver Wir­kung neu zu ver­tei­len sind.

Der jähr­li­che Geschäfts­ver­tei­lungs­plan

Eine Doku­men­ta­ti­on der Grün­de für die Neu­ver­tei­lung der anhän­gi­gen Geschäf­te ist im Jah­res­plan nicht gebo­ten, weil dann kein Anlass besteht, das Motiv für die an § 21 e Abs. 3 GVG zu mes­sen­de Aus­nah­me vom Jah­res­prin­zip zu bele­gen.

Die Rege­lung im Geschäfts­ver­tei­lungs­plan für das Geschäfts­jahr 2013, wonach bestimm­te Ver­fah­ren einem (neu­en) Spruch­kör­per zuge­wie­sen wer­den, wird durch Prä­si­di­ums­be­schluss getrof­fen, weil der nur als Jah­res­plan zuläs­si­ge (§ 21 e Abs. 1 S. 2 GVG) Geschäfts­ver­tei­lungs­plan am Ende des Jah­res 2012 auto­ma­tisch außer Kraft getre­ten ist und sämt­li­che Geschäf­te – auch die anhän­gi­gen – mit kon­sti­tu­ti­ver Wir­kung neu zu ver­tei­len waren 1.

Auf die Vor­aus­set­zun­gen des § 21 e Abs. 3 GVG kommt es nicht an. Die­se Vor­schrift ist nicht ein­schlä­gig, weil sie die Ände­rung des Geschäfts­ver­tei­lungs­pla­nes wäh­rend des lau­fen­den Geschäfts­jah­res betrifft, hier wur­de jedoch die Jah­res­ge­schäfts­ver­tei­lung neu gere­gelt.

Eine Doku­men­ta­ti­ons­pflicht bestand eben­falls nicht. Die Doku­men­ta­ti­on der Grün­de für die getrof­fe­ne Ent­schei­dung ist zwar zu ver­lan­gen, wenn der Geschäfts­ver­tei­lungs­plan wäh­rend des lau­fen­den Geschäfts­jah­res geän­dert wird, weil das Motiv für die an § 21 e Abs. 3 GVG zu mes­sen­de Aus­nah­me vom Jähr­lich­keits­prin­zip zu bele­gen ist 2. Die Zuwei­sung der Ent­schä­di­gungs­sa­chen erfolg­te indes durch den neu­en Jah­res­plan, des­sen viel­fäl­ti­ge Rege­lun­gen nicht kom­men­tiert wer­den müs­sen.

Es ist von § 21 e Abs. 4 GVG gedeckt, dass das Prä­si­di­um für die bis zum 30.06.2012 anhän­gig gewor­de­nen Sachen die fort­wir­ken­de Zustän­dig­keit des 4. Senats ange­ord­net und ledig­lich die übri­gen Ver­fah­ren dem 6. Zivil­se­nat zuge­wie­sen hat. § 21 e Abs. 4 GVG gilt sowohl für Kor­rek­tu­ren der Geschäfts­ver­tei­lung wäh­rend des Geschäfts­jah­res nach § 21 e Abs. 3 GVG als auch – wie hier – für die "Ände­run­gen", die der neue Jah­res­ge­schäfts­ver­tei­lungs­plan bringt 3. Bei der Bestim­mung, in wel­chen Ver­fah­ren die bis­he­ri­ge Zustän­dig­keit fort­dau­ert, darf – auch dies ist aner­kannt – nach dem Ein­gangs­da­tum dif­fe­ren­ziert wer­den 4. Eine Rege­lung, wie sie hier getrof­fen wur­de, ist in der Jah­res­ge­schäfts­ver­tei­lung der Gerich­te "all­ge­mein üblich" 5.

Selbst wenn man ande­rer Auf­fas­sung wäre und eine auf § 21 e Abs. 4 GVG gestütz­te Fort­dau­er­ent­schei­dung des Prä­si­di­ums nur für zuläs­sig erach­ten wür­de, sofern der bis­her befass­te Spruch­kör­per bei den ein­ge­gan­ge­nen Sachen auch tat­säch­lich "tätig gewor­den ist" 6, führ­te dies für die kon­kre­ten Ver­fah­ren zu kei­ner ande­ren Bewer­tung. Die­se Auf­fas­sung hät­te viel­mehr nur die Unwirk­sam­keit der Über­gangs­re­ge­lung zur Kon­se­quenz, so dass der 6. Senat wegen der kon­sti­tu­ti­ven Wir­kung des Jah­res­ge­schäfts­ver­tei­lungs­plans 2013 auch für die vor dem 30.06.2012 ein­ge­gan­gen Sachen zustän­dig gewor­den wäre, sofern der 4. Senat inso­weit noch nicht tätig war 7.

Das Urteil des BGH vom 16.10.2008 8 recht­fer­tigt kein ande­res Ergeb­nis. Denn in jener Sache ging es um die unwirk­sa­me Kor­rek­tur der Geschäfts­ver­tei­lung durch einen Prä­si­di­ums­be­schluss, der wäh­rend des lau­fen­den Geschäfts­jah­res (näm­lich am 31.01. 9) gefasst wur­de, was dann zur Fol­ge hat­te, dass es bei der Jah­res­ge­schäfts­ver­tei­lung ver­blieb.

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 26. April 2013 – 6 SchH 2/​13

  1. vgl. BVerwG, Urteil vom 30.10.1984, 9 C 67/​82, NJW 1985, 822; BVerwG, Urteil vom 18.10.1990, 3 C 19/​88, NJW 1991, 1370; Kissel/​Mayer, GVG, 7. Aufl., § 21 e GVG, Rn. 97; Lücke­mann in Zöl­ler, ZPO, 29. Aufl., § 21 e GVG Rn. 14 b[]
  2. Kissel/​Mayer, GVG, 7.Aufl., § 21 e GVG, Rn. 115; Lücke­mann in Zöl­ler, ZPO, 29. Aufl., § 21 e GVG Rn. 42[]
  3. Kissel/​Mayer, GVG, 7. Aufl., § 21 e GVG, Rn. 149; Zim­mer­mann in Münch­ner Kom­men­tar, ZPO, 3. Aufl., § 21 e GVG Rn. 38[]
  4. Kissel/​Mayer, GVG, 7.Aufl., § 21 e GVG, Rn. 149; Jacobs in Stein/​Jonas, ZPO, 22.Aufl. § 21 e GVG Rn. 28[]
  5. Kissel/​Mayer, GVG, 7. Aufl., § 21 e GVG, Rn. 149[]
  6. so: Breid­ling in Löwe-Rosen­berg, StPO, 26. Aufl., § 21 e GVG Rn. 55[]
  7. vgl. hier­zu: Zim­mer­mann in Münch­ner Kom­men­tar, ZPO, 3. Aufl., § 21 e GVG Rn. 38[]
  8. BGH, Urteil vom 16.10.2008 – IX ZR 183/​06, NJW 2009, 1351[]
  9. BGH, a. a. O. Rn. 5[]