Der noch nicht fäl­li­ge Zah­lungs­an­spruch

Im Fal­le der Abwei­sung eines Zah­lungs­an­spruchs als (noch) nicht fäl­lig erwächst in mate­ri­el­le Rechts­kraft, dass der Klä­ger bis zum Schluss der münd­li­chen Ver­hand­lung gegen den Beklag­ten kei­nen zur Zah­lung fäl­li­gen Anspruch hat­te1.

Der noch nicht fäl­li­ge Zah­lungs­an­spruch

In den Fäl­len der Beru­fungs­zu­rück­wei­sung nach § 522 Abs. 2 ZPO tritt an die Stel­le des Zeit­punkts der letz­ten münd­li­chen Tat­sa­chen­ver­hand­lung der Zeit­punkt, bis zu dem das Beru­fungs­ge­richt Vor­trag der Par­tei­en bei sei­nem Beschluss berück­sich­ti­gen muss­te.

Das hat prä­ju­di­zi­el­le Wir­kun­gen in dem Sin­ne, dass die im Vor­pro­zess ent­schie­de­ne Rechts­fol­ge im nach­fol­gen­den Pro­zess einer erneu­ten recht­li­chen Wür­di­gung nicht zugäng­lich ist2. Soweit ein Kla­ge­an­spruch rechts­kräf­tig abge­wie­sen ist, ist es den Par­tei­en ver­sagt, sich in einem zwei­ten Pro­zess zu die­ser Fest­stel­lung in Wider­spruch zu set­zen3. Die Fäl­lig­keit des Anspruchs kann daher im Fol­ge­pro­zess nur auf­grund von nach dem Erst­pro­zess ent­stan­de­nen neu­en Tat­sa­chen ange­nom­men wer­den4.

Maß­ge­ben­der Stich­tag für die­se Zäsur ist dabei der Zeit­punkt vor der Ent­schei­dung des Gerichts des Erst­pro­zes­ses, bis zu dem die Par­tei­en Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel vor­brin­gen kön­nen5. Das ist im Zivil­pro­zess grund­sätz­lich der Zeit­punkt der letz­ten münd­li­chen Tat­sa­chen­ver­hand­lung. Im schrift­li­chen Ver­fah­ren, § 128 ZPO, tritt an des­sen Stel­le der vom Gericht bestimm­te Zeit­punkt, bis zu dem Schrift­sät­ze ein­ge­reicht wer­den kön­nen6. Ent­spre­chen­des gilt im Ver­fah­ren nach § 522 Abs. 2 ZPO. Auch hier han­delt es sich um ein schrift­li­ches Ver­fah­ren ohne münd­li­che Ver­hand­lung7. In ihm ist jeden­falls der Tat­sa­chen­vor­trag der Par­tei­en bis zum Ablauf der nach § 522 Abs. 2 Satz 2 ZPO gesetz­ten Frist zu berück­sich­ti­gen. Min­des­tens alle bis zu die­sem Zeit­punkt ent­stan­de­nen Tat­sa­chen sind damit nicht mehr geeig­net, in einem neu­en Pro­zess zur Begrün­dung der Fäl­lig­keit her­an­ge­zo­gen wer­den zu kön­nen. Der Bun­des­ge­richts­hof muss an die­ser Stel­le nicht ent­schei­den, ob das dar­über hin­aus auch noch für Umstän­de bis zum Erlass des die Beru­fung zurück­wei­sen­den Beschlus­ses gilt, weil auch die­se mög­li­cher­wei­se noch vom Beru­fungs­ge­richt zu berück­sich­ti­gen wären.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Juli 2011 – VII ZR 180/​10

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 06.10.1989 – V ZR 263/​86, WM 1989, 1897
  2. BGH, Urteil vom 06.10.1989 – V ZR 263/​86, aaO m.w.N.
  3. BGH, Urteil vom 19.12.1991 – IX ZR 96/​91, BGHZ 117, 1, 4
  4. vgl. OLG Bran­den­burg, OLGR Bran­den­burg 2001, 274 Rn. 53 bei juris
  5. vgl. Münch­Komm-ZPO/Gott­wald, 3. Aufl., § 322 Rn. 139; Musielak/​Musielak, ZPO, 8. Aufl., § 322 Rn. 28
  6. vgl. Münch­Komm-ZPO/Gott­wald, 3. Aufl., aaO; Musielak/​Musielak, ZPO, 8. Aufl., aaO
  7. vgl. Zöller/​Heßler, ZPO, 28. Aufl., § 522 Rn. 33