Der Roll­con­tai­ner im Super­markt

Wer in einem Super­markt über einen Roll­con­tai­ner stürzt, weil eine der Rol­len nach außen steht, kann dafür in der Regel nicht den Super­markt­be­trei­ber ver­ant­wort­lich machen. Ist der Roll­con­tai­ner gut sicht­bar und hat der Kun­de aus­rei­chend Platz um an ihm vor­bei­zu­ge­hen, trägt er die Fol­gen eines Stur­zes allei­ne. Dies zeigt ein jetzt ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Land­ge­richts Coburg, mit dem die Scha­dens­er­satz- und Schmer­zens­geld­kla­ge einer Kun­din gegen einen Super­markt­be­trei­ber abge­wie­sen wur­de. Der Super­markt­be­trei­ber haf­tet nicht für die Gefah­ren, die von einem gut sicht­ba­ren Roll­con­tai­ner, der zum Auf­fül­len der Waren­re­ga­le benö­tigt wird, aus­ge­hen.

Der Roll­con­tai­ner im Super­markt

In dem vom Land­ge­richt Coburg ent­schie­de­nen Rechts­streit hat­te die Klä­ge­rin vor­ge­tra­gen, sie sei im Super­markt der Beklag­ten an einem Roll­git­ter­wa­gen mit dem Fuß an einer quer­ste­hen­den Rol­le hän­gen­ge­blie­ben und dadurch gestürzt. Die Klä­ge­rin mein­te, das Per­so­nal hät­te Sor­ge dafür tra­gen müs­sen, dass das Rad an dem Roll­git­ter­wa­gen nach dem Abstel­len des Wagens gera­de­ge­stellt wird. Die Kun­din zog sich einen Ober­schen­kel­hals­bruch zu und for­der­te des­halb 12.000 € vom Super­markt­be­trei­ber.

Das Land­ge­richt Coburg wies die Kla­ge ab, da es kei­ne Pflicht­ver­let­zung des Super­markt­be­trei­bers erken­nen konn­te. Das Gericht stell­te fest, dass die Rol­len des Git­ter­wa­gens immer aus den Umris­sen des Wagens her­aus­ra­gen und daher stets ein gewis­ses Risi­ko ber­gen, dass man bei zu nahem Vor­bei­ge­hen dar­an hän­gen bleibt. Auch war nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts der Gang trotz des abge­stell­ten Roll­con­tai­ners aus­rei­chend breit, so dass die Kun­din in eini­gem Abstand hät­te vor­bei­ge­hen kön­nen. Nach Auf­fas­sung des Gerichts war die Gefahr für jeder­mann unüber­seh­bar. Es kön­ne nicht erwar­tet wer­den, dass die Betrei­ber von Ein­kaufs­märk­ten ihre Kun­den vor sämt­li­chen poten­ti­el­len Gefah­ren­quel­len schüt­zen. Das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg bestä­tig­te die­ses Urteil und stell­te auf­grund von Licht­bil­dern fest, dass die Kun­din aus­ge­spro­chen eng am Hin­der­nis vor­bei­ge­gan­gen sein muss. Auch wäre es der Kun­din pro­blem­los mög­lich gewe­sen, durch die Wahl eines ande­ren Durch­gan­ges das Pas­sie­ren der Eng­stel­le zu ver­mei­den. Ver­ur­sacht wur­de der Sturz der Klä­ge­rin allei­ne durch ihre eige­ne Unauf­merk­sam­keit.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 23. Juni 2009 – 11 O 748/​08
Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg, Hin­weis­be­schluss vom 12. Dezem­ber 2009 – 6 U 44/​09