Der ver­arm­te Grund­stücks­schen­ker

§ 528 Abs. 1 Satz 1 BGB bestimmt, dass der Schen­ker die Her­aus­ga­be des Geschenks for-dern kann, soweit er nach der Voll­zie­hung der Schen­kung außer­stan­de ist, sei-nen ange­mes­se­nen Unter­halt zu bestrei­ten.

Der ver­arm­te Grund­stücks­schen­ker

Macht der ver­arm­te Schen­ker die­sen Rück­for­de­rungs­an­spruch bezüg­lich eines Rechts an einem Grund­stück gel­tend, kann der Beschenk­te nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs sei­ner auf Zah­lung ent­spre­chend der Bedürf­tig­keit des Schen­kers gerich­te­ten Zah­lungs­pflicht dadurch ent­ge­hen, dass er die Rück­über­tra­gung des Geschenks anbie­tet.

Es ent­spricht stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, dass der Anspruch auf Her­aus­ga­be des Geschenks gemäß §§ 528 Abs. 1 Satz 1, 812 BGB in dem Umfang besteht, in wel­chem der Schen­kungs­ge­gen­stand zur Deckung des ange­mes­se­nen Unter­halts des Schen­kers erfor­der­lich ist, so dass er bei einem nicht teil­ba­ren Geschenk – wie einem Grund­stück – von vorn­her­ein auf die wie­der­keh­ren­de Zah­lung eines der jewei­li­gen Bedürf­tig­keit des Schen­kers ent­spre­chen­den Wert­an­teils gerich­tet ist, bis der Wert des Geschenks erschöpft ist [1].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat zudem mehr­fach klar­ge­stellt, dass der Anspruch sich nur bei der Mög­lich­keit zur Bil­dung von rea­len – nicht aber von ideel­len – Bruch­tei­len auf Her­aus­ga­be eines sol­chen rich­tet [2]. Die­se Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bezieht sich auf Grund­stücks­schen­kun­gen. Auch hier kommt die Bil­dung von ideel­lem Bruch­teils­ei­gen­tum in Betracht. Dies hat der Bun­des­ge­richts­hof jedoch für die Teil­bar­keit eines Schen­kungs­ge­gen­stands nicht genü­gen las­sen.

Es ist, so der Bun­des­ge­richts­hof wei­ter in sei­nen Urteils­grün­den, auch nicht zutref­fend, dass der Bun­des­ge­richts­hof habe bereits ver­neint habe, dass sich der Beschenk­te von der Wert­er­satz­pflicht aus §§ 528 Abs. 1 Satz 1, 812 BGB durch Rück­ga­be des Geschenks befrei­en kön­ne. In der Ent­schei­dung, auf die sich die­se Auf­fas­sung beruft [3], wird ledig­lich aus­ge­führt, bei nicht real teil­ba­ren Gegen­stän­den sei der Anspruch auf teil­wei­sen Wert­er­satz von vorn­her­ein auf Zah­lung in Höhe des der Bedürf­tig­keit des Schen­kers ent­spre­chen­den Wert­teils des Geschenks gerich­tet. Für eine Erset­zungs­be­fug­nis gemäß § 528 Abs. 1 Satz 2 BGB sei dann kein Raum. Damit ist die Fra­ge, ob dem Beschenk­ten eine Erset­zungs­be­fug­nis in umge­kehr­tem Sin­ne zusteht, nicht beant­wor­tet.

Ob der Beschenk­te sich durch Rück­ga­be des gan­zen Geschenks von der Zah­lungs­pflicht nach § 528 Abs. 1 Satz 1 BGB in Ver­bin­dung mit § 818 Abs. 2 BGB befrei­en kön­ne, hat der Bun­des­ge­richts­hof [4] aus­drück­lich offen gelas­sen. Er hat aus­ge­führt, hier­für kön­ne spre­chen, dass die ein­schrän­ken­de Zah­lungs­ver­ur­tei­lung den Beschenk­ten begüns­ti­gen sol­le.

Die Fra­ge ist, so ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof jetzt, zu beja­hen. Mit der Ein­schrän­kung des Rück­for­de­rungs-anspruchs in § 528 Abs. 1 Satz 1 BGB auf das zur Behe­bung des Not­be­darfs Erfor­der­li­che soll dem Ver­trau­en des Beschenk­ten auf die Rechts­be­stän­dig­keit der Schen­kung ent­spro­chen, zugleich aber auch dem in Not gera­te­nen Schen­ker den Rück­griff auf die Schen­kung erhal­ten wer­den, damit die­ser ent­we­der sei­nen eige­nen Unter­halt bestrei­ten kann oder damit die Erfül­lung einer ihm gesetz­lich oblie­gen­den Unter­halts­pflicht sicher­ge­stellt ist. Ins­be­son­de­re soll nicht die All­ge­mein­heit durch die Fol­gen der Frei­gie­big­keit des Schen­kers belas­tet wer­den [5]. Gibt der Beschenk­te jedoch, sobald der Anspruch aus § 528 Abs. 1 Satz 1 BGB gegen ihn gel­tend gemacht wird, das erhal­te­ne Geschenk zurück, so wird damit der Zustand wie­der her­ge­stellt, der ohne die Frei­gie­big­keit des Schen­kers bestün­de. Hier­zu ist der Beschenk­te zwar recht­lich nicht ver­pflich­tet, mehr oder ande­res kann von ihm jedoch nicht ver­langt wer­den. Er ist ins­be­son­de­re nicht infol­ge der emp­fan­ge­nen Schen­kung ver­pflich­tet, das Geschenk zu ver­wer­ten oder eige­ne Mit­tel ein­zu­set­zen, um den Unter­halts­be­darf des Schen­kers zu sichern. Hier­für gibt die ein­schrän­ken­de Zah­lungs­ver­ur­tei­lung, die dem Beschenk­ten den Erhalt des Geschenks sichern soll, kei­nen Anlass; die­se Begüns­ti­gung wür­de sich viel­mehr in dem Fall, dass das Geschenk schwer oder gar nicht zu ver­wer­ten ist, in ihr Gegen­teil ver­keh­ren. Hier­für gibt es kei­nen Grund.

Es kann im vor­lie­gen­den Fall dahin ste­hen, ob die Erset­zungs­be­fug­nis bereits durch die Erklä­rung der Beklag­ten, sie wol­le den Grund­stücks­an­teil zurück über­tra­gen, wirk­sam aus­ge­übt wor­den ist oder ob es eines nota­ri­ell beur­kun­de­ten Ange­bots bedurft hät­te. Auch wenn letz­te­res der Fall wäre, wider­sprä­che es Treu und Glau­ben, wenn der Klä­ger sich hier­auf beru­fen könn­te, obwohl er sei­ne Mit­wir­kung an der Rück­ab­wick­lung von vorn­her­ein abge­lehnt hat.

Aller­dings trifft es zu, dass in Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den das Risi­ko und die Kos­ten der Ver­wer­tung des Bruch­teils­ei­gen­tums den Trä­ger der Sozi­al­hil­fe tref­fen und daher letzt­lich von der All­ge­mein­heit auf­ge­bracht wer­den müs­sen. Allein dar­aus, dass der Beschenk­te das Geschenk erhal­ten hat, folgt jedoch nicht, dass die­ses Risi­ko im Fal­le der Bedürf­tig­keit des Schen­kers auf den Beschenk­ten über­zu­ge­hen hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Dezem­ber 2009 – Xa ZR 6/​09

  1. BGHZ 94, 141, 144; BGHZ 96, 380, 382; BGHZ 125, 283, 284; BGHZ 155, 57; BGH, Urteil vom 19.10.2004 – X ZR 2/​03, NJW 2005, 670, 671[]
  2. BGHZ 94, 141, 143; BGH, Urteil vom 17.01.1996 – IV ZR 184/​94, NJW 1996, 287; Urteil vom 17.09.2002 – X ZR 196/​01, NJW-RR 2003, 53, 54[]
  3. BGHZ 94, 141 ff.[]
  4. BGHZ 125, 283, 285[]
  5. MünchKomm.BGB/J. Koch, 5. Aufl., § 528 Rdn. 6; Fran­zen, FamRZ 1997, 528, 532, 545; Schwarz, JZ 1997, 547; ähn­lich auch Hörl­ba­cher, ZEV 1995, 2002, 2004; Skib­be, ZEV 1994, 255[]