Der ver­pass­te Abflug

Es besteht kei­ne Pflicht des Rei­se­un­ter­neh­mens, den Kun­den neben der Über­sen­dung der Rei­se­un­ter­la­gen mit einem sepa­ra­ten Schrei­ben auf die Flug­zei­ten hin­zu­wei­sen, wenn die Hin­wei­se in der Buchungs­be­stä­ti­gung und der Rei­se­be­schrei­bung deut­lich sind.

Der ver­pass­te Abflug

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Kun­den abge­wie­sen, der nicht auf das Abflug­da­tum geson­dert hin­ge­wie­sen wor­den ist und sei­nen Abflug ver­passt hat. Der Klä­ger aus dem Land­kreis Mün­chen buch­te am 22. Juni 2012 eine Rei­se Ori­ent Kreuz­fahrt bei dem beklag­ten Rei­se­un­ter­neh­men. Das Rei­se­un­ter­neh­men bestä­tig­te mit Schrei­ben vom 22. Juni 2012 die Buchung, den Rei­se­ter­min vom 16.12.12 bis 23.12.12 und einen Flug von Mün­chen nach Dubai am 16.12.12. Die Buchungs­be­stä­ti­gung ent­hält unter ande­rem fol­gen­den Wort­laut: „Abflug­tag ggf. am Vor­tag”. In der Rei­se­be­schrei­bung ist aus­ge­führt, dass der Abflug über­wie­gend am Vor­tag der Rei­se erfolgt und der Kun­de die Flug­zei­ten und Kabi­nen­num­mer mit den Rei­se­un­ter­la­gen erfährt. Am 28.11.12 ver­sand­te das Rei­se­un­ter­neh­men an den Klä­ger die Rei­se­un­ter­la­gen. Die­se ent­hiel­ten die Flug­ti­ckets mit Abflug­da­tum 15.12.12 und den kon­kre­ten Flug­zei­ten. Der Klä­ger bemerk­te das Abflug­da­tum erst am 16.12.12, als der Flie­ger bereits abge­flo­gen war. Der Klä­ger ver­langt nun von dem Rei­se­un­ter­neh­men die Rück­zah­lung des voll­stän­di­gen Rei­se­prei­ses. Er argu­men­tiert, dass in der Rei­se­be­stä­ti­gung ganz aus­drück­lich unter „Ihre Flü­ge” als Datum der 16.12.12 – 16.12.12 ange­ge­ben sei. Aus dem Hin­weis in der Rei­se­be­stä­ti­gung erge­be sich nicht, dass der Vor­tag ein ande­rer als der 16.12.12 sein soll. Das Rei­se­un­ter­neh­men hät­te jeden­falls mit einem sepa­ra­ten Schrei­ben auf die geän­der­ten Flug­zei­ten auf­merk­sam machen müs­sen.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen bestehe eine Pflicht des Rei­se­un­ter­neh­mens, den Klä­ger neben der Über­sen­dung der Rei­se­un­ter­la­gen mit einem sepa­ra­ten Schrei­ben auf die Flug­zei­ten hin­zu­wei­sen, nicht. Die Hin­wei­se in der Buchungs­be­stä­ti­gung und der Rei­se­be­schrei­bung sei­en nicht unklar und hät­ten kei­ne Ver­trau­ens­grund­la­ge dafür geschaf­fen, dass der Flug am 16.12.12 star­tet. Es sei dem Klä­ger zuzu­mu­ten gewe­sen, die Rei­se­un­ter­la­gen, die er recht­zei­tig vor dem Ter­min erhal­ten habe, durch­zu­le­sen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 3. Mai 2013 – 281 C 3666/​13