Die Flug­ver­spä­tung auf­grund einer Ver­spä­tung vom Vor­tag

Ver­spä­tun­gen, die in dem Umlauf des Flug­zeu­ges am glei­chen Tag auf­grund außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de auf­tre­ten, kön­nen einen Aus­gleichs­an­spruch aus­schlie­ßen. Wenn aller­dings die Ver­spä­tung auf­grund einer ent­schul­dig­ten Ver­spä­tung aus dem Vor­um­lauf des Vor­ta­ges resul­tiert, ist dies kein außer­ge­wöhn­li­cher Umstand mehr.

Die Flug­ver­spä­tung auf­grund einer Ver­spä­tung vom Vor­tag

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Han­no­ver in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len zwei Klä­gern eine Aus­gleichs­zah­lung wegen Flug­ver­spä­tung zuge­spro­chen. In einem Fall war das Flug­zeug von Köln/​Bonn nach Fuer­te­ven­tu­ra am 4. März 2014 statt um 11:55 Uhr um 16:30 Uhr gestar­tet und um 20:14 Uhr, mit 3 Stun­den 44 Minu­ten Ver­spä­tung gelan­det. In einem ande­ren Fall war das glei­che Flug­zeug von Fuer­te­ven­tu­ra nach Köln/​Bonn am 4. März 2014 statt um 17:25 Uhr um 21:35 Uhr gestar­tet und um 2:20 Uhr, mit 3 Stun­den 25 Minu­ten Ver­spä­tung gelan­det.

Die Par­tei­en strit­ten ins­be­son­de­re dar­über, ob extre­me Wit­te­rungs­be­din­gun­gen, die am Vor­tag dazu führ­ten, dass ein Flug von Stutt­gart nach Are­ci­fe nach Fuer­te­ven­tu­ra umge­lei­tet wur­de, auch am nächs­ten Tag noch als außer­ge­wöhn­li­cher Umstand zur Recht­fer­ti­gung einer Ver­spä­tung gel­ten kann.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Han­no­ver aus­ge­führt, dass Ver­spä­tun­gen, die in dem Umlauf des Flug­zeu­ges am glei­chen Tag auf­grund außer­ge­wöhn­li­cher Umstän­de auf­tre­ten, einen Aus­gleichs­an­spruch aus­schlie­ßen kön­nen. Wenn aller­dings die Ver­spä­tung auf­grund einer ent­schul­dig­ten Ver­spä­tung aus dem Vor­um­lauf des Vor­ta­ges resul­tiert, ist dies kein außer­ge­wöhn­li­cher Umstand mehr. Wenn die Flug­ge­sell­schaft aus wirt­schaft­li­chen Erwä­gun­gen die Aus­las­tung der Maschi­nen so eng hin­ter­ein­an­der tak­tet, dass selbst einen Tag vor­her auf­tre­ten­de Ver­zö­ge­run­gen nicht mehr aus­ge­gli­chen wer­den kön­nen, dann hat die Flug­ge­sell­schaft nicht mehr alle zumut­ba­ren Maß­nah­men ergrif­fen, um Ver­spä­tun­gen zu ver­mei­den. Die­se Ver­spä­tun­gen lie­gen dann nicht mehr in den nicht zu kal­ku­lie­ren­den Wit­te­rungs­ano­ma­lien, son­dern allein in dem wirt­schaft­lich aus­ge­rich­te­ten Pla­nungs­ver­hal­ten des Luft­fahrt­un­ter­neh­mens begrün­det.

Den Klä­gern steht gegen ein han­no­ver­sches Flug­un­ter­neh­men jeweils 800,00 Euro Aus­gleichs­zah­lung zu.

Amts­ge­richt Han­no­ver, Urtei­le vom 1. Juli 2014 – 538 C 11519/​13 und 565 C 850/​14