Die Kreuz­fahrt mit geän­der­ter Rou­te

Ein Rei­se­man­gel kann vor­lie­gen, wenn eine bestimm­te Rei­se­rou­te nicht ein­ge­hal­ten wird. Aller­dings wird bei einer Kreuz­fahrt, in deren Rou­ten­be­schrei­bung die Anga­be "Auf See" zu fin­den ist, dem Rei­sen­den gera­de nicht zuge­si­chert, dass auf die­sen als "See­ta­gen" bezeich­ne­ten Tagen beson­de­re Sich­ten auf umlie­gen­des Land mög­lich ist. Inso­weit stellt die geän­der­te Resis­e­rou­te eine unwe­sent­li­che Modi­fi­ka­ti­on dar.

Die Kreuz­fahrt mit geän­der­ter Rou­te

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Ehe­paa­res abge­wie­sen, denen auf ihrer Kreuz­fahrt die Umrun­dung der Insel­grup­pe Spitz­ber­gen gefehlt hat­te und die des­halb eine Min­de­rung des Rei­se­prei­ses gel­tend gemacht haben.

Das Ehe­paar buch­te für Anfang Juni 2012 eine 14-tägi­ge Nord­land-Kreuz­fahrt zum Preis von 6998 Euro. In der Rou­ten­be­schrei­bung wur­de ange­ge­ben, an wel­chem Tag wel­che Anle­ge­stel­le ange­lau­fen wird und wann sich das Schiff auf See befin­det. Es wur­de in einer im Rei­se­pro­spekt ent­hal­te­nen Skiz­ze eine Umrun­dung der Insel­grup­pe Spitz­ber­gen zeich­ne­risch dar­ge­stellt. Die Rei­sen­den leg­ten bei der Buchung Wert auf eine Kabi­ne auf der Back­bord­sei­te. Als die Rei­se dann durch­ge­führt wur­de, umrun­de­te das Kreuz­fahrt­schiff Spitz­ber­gen jedoch nicht, son­dern fuhr west­lich vor­bei bis zum Mag­da­le­nen­fjord und auf der glei­chen Rou­te wie­der zurück. Das stör­te die Kreuz­fahrt­teil­neh­mer erheb­lich. Schließ­lich hät­ten sie extra eine Back­bord­ka­bi­ne gebucht, damit sie die Insel­grup­pe sehen konn­ten. Das dies nicht mög­lich war, stel­le einen Rei­se­man­gel dar. Bei­de ver­lang­ten 17,5 5% des Rei­se­prei­ses zurück. Der Rei­se­ver­an­stal­ter zahl­te jedoch nicht. Inwie­weit an einem "See­tag" auch Küs­ten­ab­schnit­te oder Land­mar­ken zu sehen sei­en, hän­ge von der vom Kapi­tän gewähl­ten Rou­te ab und sei kein ver­trag­lich zuge­si­cher­ter Bestand­teil des Rei­se­ver­tra­ges.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen sei auf­grund der geän­der­ten Rei­se­rou­te der Rei­se­preis nicht gemin­dert, da inso­weit nur eine unwe­sent­li­che Modi­fi­ka­ti­on vor­ge­nom­men wor­den sei. Zwar cha­rak­te­ri­sie­re die Skiz­ze der Rei­se­rou­te durch­aus auch den Inhalt des Rei­se­ver­tra­ges. Grund­sätz­lich kön­nen auch die Nicht­ein­hal­tung der vor­ge­se­he­nen Rei­se­rou­te und auch eine feh­len­de Umfah­rung einer Insel einen Man­gel begrün­den.

Vor­lie­gend müs­se aber auch die Rou­ten­be­schrei­bung beach­tet wer­den. Hier sei für den maß­geb­li­chen Tag die Beschrei­bung "Auf See" ange­ge­ben wor­den. Es sei den Rei­sen­den gera­de nicht zuge­si­chert wor­den, dass auf die­sen als "See­ta­gen" bezeich­ne­ten Tagen beson­de­re Sich­ten auf umlie­gen­des Land mög­lich sein wür­de. Auch eine Umrun­dung der Inseln sei nicht in Aus­sicht gestellt wor­den.

Eine Abwei­chung sei daher mög­lich gewe­sen.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 11. April 2013 – 222 C 31886/​12