Die Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge des Nach­barn – und die Blen­dun­gen

Reflek­tie­ren­des Son­nen­licht einer Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge kann eine wesent­li­che Beein­träch­ti­gung dar­stel­len, die nicht hin­ge­nom­men wer­den muss. Dabei kommt es in jedem Ein­zel­fall auf die jewei­li­ge kon­kre­te Beein­träch­ti­gung für die Nach­bar­schaft an.

Die Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge des Nach­barn – und die Blen­dun­gen

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in dem hier vor­lie­gen­den Fall einen Nach­barn ver­pflich­tet, die Blen­dun­gen sei­ner reflek­tie­ren­den Pho­to­vol­ta­ik­an­la­ge durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu redu­zie­ren. Wegen des stark blen­den­den Son­nen­lichts vom Nach­bar­dach sah der Klä­ger die Nut­zungs­mög­lich­kei­ten sei­nes Grund­stü­ckes ganz erheb­lich beein­träch­tigt und klag­te dage­gen.

In der ers­ten Instanz vor dem Land­ge­richt Duis­burg hat­te der Klä­ger mit sei­nem Begeh­ren noch kei­nen Erfolg gehabt. Das Land­ge­richt hat­te die Kla­ge des Eigen­tü­mers abge­wie­sen. Vor dem Hin­ter­grund der gesetz­ge­be­ri­schen Wer­tung im EEG hat­te es eine grund­sätz­li­che Dul­dungs­pflicht ange­nom­men, unab­hän­gig vom kon­kre­ten Aus­maß der Beein­träch­ti­gung.

Dies sah das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in sei­nem Beru­fungs­ur­teil anders und führ­te aus, dass es auf eine Ein­zel­fall­prü­fung und die jewei­li­ge kon­kre­te Beein­träch­ti­gung für die Nach­bar­schaft ankom­me. So trä­ten in dem hier vor­lie­gen­den Fall nach Mei­nung eines Sach­ver­stän­di­gen an mehr als 130 Tagen im Jahr erheb­li­che Blend­wir­kun­gen (zum Teil als „Absolut“-blendung, zum Teil jeden­falls als Blen­dung mit Nach­bil­dern) auf. Die Blend­wir­kun­gen erstreck­ten sich zeit­wei­se über die gesam­te Grund­stücks­brei­te und dau­er­ten bis zu 2 Stun­den am Tag an. Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts müs­se eine sol­che Beein­träch­ti­gung nicht hin­ge­nom­men wer­den.

Die gesetz­ge­be­ri­sche Wert­ent­schei­dung zu Guns­ten der För­de­rung von Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen, wie sie im Erneu­er­ba­re-Ener­gi­en-Gesetz (EEG) zum Aus­druck kom­me, füh­re zu kei­ner grund­sätz­li­chen Dul­dungs­pflicht. Auch wenn der Gesetz­ge­ber Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen för­de­re, dürf­ten die­se nicht ohne Rück­sicht auf die Belan­ge der Nach­bar­schaft errich­tet wer­den. Die Blen­dung der Nach­bar­schaft durch Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen sei auch nicht als orts­üb­lich hin­zu­neh­men.

Aus die­sen Grün­den ist der Nach­bar ver­pflich­tet wor­den, die Blen­dun­gen durch geeig­ne­te Maß­nah­men zu redu­zie­ren. Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Die Revi­si­on ist nicht zuge­las­sen wor­den. Hier­ge­gen kann Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt wer­den.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 21. Juli 2017 – I‑9 U 35/​17