Dul­dungs­kla­ge des Grund­schuld­gläu­bi­gers gegen den nach­ran­gi­gen Nieß­brau­cher

Für eine Dul­dungs­kla­ge des Grund­schuld­gläu­bi­gers gegen den nach­ran­gi­gen Nieß­brau­cher fehlt es an einem Rechts­schutz­be­dürf­nis, wenn dem Grund­schuld­gläu­bi­ger die Umschrei­bung der Voll­stre­ckungs­klau­sel gegen die Beklag­te gemäß § 727, 738, 795 ZPO mög­lich ist.

Dul­dungs­kla­ge des Grund­schuld­gläu­bi­gers gegen den nach­ran­gi­gen Nieß­brau­cher

Zwar ist ent­spre­chend der Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 14.03.2003 1 bei der erstreb­ten Zwangs­ver­wal­tung auch ein Dul­dungs­ti­tel gegen die – nach­ran­gig ein­ge­tra­ge­ne – Nieß­brau­che­rin not­wen­dig. Die­ser Titel kann aber nicht nur durch die vor­lie­gend erho­be­ne Dul­dungs­kla­ge, son­dern viel­mehr ein­fa­cher, schnel­ler und kos­ten­güns­ti­ger durch Umschrei­bung der Voll­stre­ckungs­un­ter­wer­fungs­er­klä­rung gemäß §§ 727, 794, 795 ZPO erreicht wer­den. Inso­fern ist der ein­ge­tra­ge­ne Nieß­brauchs­be­rech­tig­te i. S. d. § 727 ZPO Teil-Rechts­nach­fol­ge­rin der Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin in dem Recht, die Früch­te des Grund­stücks, also den Pacht-/​Miet­zins, zu zie­hen 2.

Im vor­lie­gen­den Fall waren bei Ein­tra­gung des Nieß­brauchs die Grund­stü­cke auch bereits mit den zuvor ein­ge­tra­ge­nen Grund­schul­den belas­tet, so dass die erst spä­ter ein­ge­tre­te­ne Voll­streck­bar­keit durch die Ein­tra­gung der Unter­wer­fungs­er­klä­rung der Eigen­tü­me­rin gemäß § 800 ZPO die Umschrei­bung nicht hin­dert. Wenn der Nieß­brauch erst nach der Grund­schuld bestellt wur­de, und die Grund­schuld nach § 800 ZPO voll­streck­bar ist, kann die Klau­sel gemäß § 727, 325 ZPO auf den Nieß­brau­cher aus­ge­dehnt wer­den 3. Auf den Zeit­punkt der Unter­wer­fungs­er­klä­rung kommt es damit nicht an, ent­schei­dend ist viel­mehr, dass der Haf­tungs­ver­band der zuvor ein­ge­tra­ge­nen Grund­schuld bereits das spä­ter im Rah­men des Nieß­brauchs auf die Beklag­te über­gan­ge­ne Recht zur Frucht­zie­hung erfass­te.

Dem steht auch nicht ent­ge­gen, dass die Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin bereits ver­sucht hat, eine nota­ri­el­le Umschrei­bung der Unter­wer­fungs­er­klä­rung zu erhal­ten. Bei der von ihr vor­ge­tra­ge­nen Wei­ge­rung des ersuch­ten Notars hät­te die Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin inso­weit den Rechts­weg beschrei­ten kön­nen und müs­sen. Auch von der Grund­schuld­gläu­bi­ge­rin erwar­te­te Rechts­mit­tel des Nieß­brau­chers gegen einen Antrag auf Klau­sel­um­schrei­bung füh­ren nicht zum Vor­lie­gen eines Rechts­schutz­be­dürf­nis­ses ent­ge­gen den genann­ten Grund­sät­zen, da es jeder Par­tei in jedem Ver­fah­ren frei­ste­hen muss, ihre Rech­te wahr­zu­neh­men.

Land­ge­richt Kiel, Urteil vom 24. Mai 2013 – 12 O 36/​12

  1. BGH, Beschluss vom 14.03.2003 – IXa ZB 45/​03[]
  2. vgl. Zöl­ler-Stö­ber, § 738 Rn. 2; OLG Dres­den Rpflger 2006, 92f.; Alff, Rpflger 2003, 523[]
  3. Storz, LMK 2003, 226f.; Alff a. a. O.[]