Ein­trag im Geburts­re­gis­ter – und die Iden­ti­täts­prü­fung

Im Per­so­nen­stands­ver­fah­ren ist die Iden­ti­tät einer ein­zu­tra­gen­den Per­son vom Stan­des­amt bzw. Gericht eigen­stän­dig zu über­prü­fen…

Ein­trag im Geburts­re­gis­ter – und die Iden­ti­täts­prü­fung

Nach § 48 Abs. 1 Satz 1 PStG darf ein abge­schlos­se­ner Regis­ter­ein­trag außer in den Fäl­len des § 47 PStG nur auf Anord­nung des Gerichts berich­tigt wer­den. Das Gericht hat die Anord­nung zu erlas­sen, wenn die Unrich­tig­keit nach­ge­wie­sen ist [1]. An den Nach­weis der Unrich­tig­keit sind stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len.

Das Ver­fah­ren nach § 48 PStG unter­liegt gemäß § 51 Abs. 1 Satz 1 PStG iVm § 26 FamFG dem Amts­er­mitt­lungs­grund­satz. Das Gericht hat eine Berich­ti­gung zu ver­an­las­sen, wenn es auf­grund einer umfas­sen­den Amts­er­mitt­lung zum Ergeb­nis gelangt, dass der Regis­ter­ein­trag unrich­tig ist. Die objek­ti­ve Fest­stel­lungs­last für die Unrich­tig­keit trägt der Antrag­stel­ler [2], so dass eine Berich­ti­gung zu unter­blei­ben hat, wenn sich eine Unrich­tig­keit nicht fest­stel­len lässt.

Die für die Berich­ti­gung nach § 48 PStG zu tref­fen­den Fest­stel­lun­gen lie­gen vor­nehm­lich in der Ver­ant­wor­tung der Tat­sa­chen­ge­rich­te und sind nur der ein­ge­schränk­ten Kon­trol­le durch das Rechts­be­schwer­de­ge­richt unter­wor­fen [3]. Die Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts sind vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt nur dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob die maß­ge­ben­den Rechts­be­grif­fe ver­kannt oder für die Ein­ord­nung unter die­se Begrif­fe wesent­li­che Umstän­de unbe­rück­sich­tigt gelas­sen wor­den sind. Der recht­li­chen Über­prü­fung unter­liegt ins­be­son­de­re, ob der Tatrich­ter sich mit dem Ver­fah­rens­stoff und den Beweis­ergeb­nis­sen umfas­send und wider­spruchs­frei aus­ein­an­der­ge­setzt hat, sei­ne Wür­di­gung also voll­stän­dig und recht­lich mög­lich ist und nicht gegen Denk­ge­set­ze oder Erfah­rungs­sät­ze ver­stößt [4].

Das Gericht hat nach § 51 Abs. 1 Satz 1 PStG iVm § 26 FamFG die Ermitt­lun­gen durch­zu­füh­ren, die zur Fest­stel­lung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen erfor­der­lich sind. Das Ver­fah­ren muss geeig­net sein, eine mög­lichst zuver­läs­si­ge Grund­la­ge für die zu tref­fen­de Ent­schei­dung zu erlan­gen, wobei die Aus­ge­stal­tung des Ver­fah­rens dem Grund­rechts­schutz des Betrof­fe­nen Rech­nung tra­gen muss [5].

Der Umfang der gebo­te­nen Ermitt­lun­gen bestimmt sich nach der Eigen­art des jewei­li­gen Ver­fah­rens­ge­gen­stands. Dabei sind auch vom Gesetz für das dem Gerichts­ver­fah­ren vor­aus­ge­hen­de behörd­li­che Ver­fah­ren vor­ge­schrie­be­ne Beweis­an­for­de­run­gen zu beach­ten. Für den vor­lie­gen­den Fall ergibt sich aus § 33 Nr. 2 und 3 PStV, dass das Stan­des­amt im Hin­blick auf die Per­son des nicht ver­hei­ra­te­ten Vaters die Vor­la­ge der Geburts­kur­kun­de und eines Per­so­nal­aus­wei­ses, Rei­se­pas­ses oder eines ande­ren aner­kann­ten Passersatz­pa­piers ver­lan­gen kann.

Dabei besteht kei­ne Bin­dungs­wir­kung von Fest­stel­lun­gen der Aus­län­der­be­hör­de für ande­re Ver­fah­ren [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Mai 2017 – XII ZB 126/​15

  1. OLG Karls­ru­he MDR 2016, 1388[]
  2. Bay­O­bLG NJW-RR 1999, 1309; OLG Nürn­berg StAZ 2015, 84, 85[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 24.06.2015 XII ZB 273/​13 FamRZ 2015, 1477 Rn. 13 mwN[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 24.06.2015 XII ZB 273/​13 FamRZ 2015, 1477 Rn. 13 mwN; und vom 26.02.2014 XII ZB 235/​12 FamRZ 2014, 823 Rn. 15 mwN[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se BGHZ 185, 272 = FamRZ 2010, 1060 Rn. 30 mwN und BGHZ 184, 269 = FamRZ 2010, 720 Rn. 28 jeweils Sor­ge­recht; BGH, Beschlüs­se vom 30.03.2011 XII ZB 537/​10 FamRZ 2011, 1047 Rn. 13; und vom 02.02.2011 XII ZB 467/​10 FamRZ 2011, 556 Rn. 12 jeweils Betreu­ungs­recht und BGH Beschluss vom 06.12 2012 – V ZB 218/​11 FGPrax 2013, 86 Rn. 14 Frei­heits­ent­zie­hungs­sa­chen[]
  6. vgl. BVerw­GE 140, 311 = FamRZ 2012, 226 Rn. 21[]