Ein­wand der beschränk­ten Erben­haf­tung in der Beru­fungs­in­stanz

Die Auf­fas­sung, der erst­mals im Beru­fungs­rechts­zug erho­be­ne Vor­be­halt der beschränk­ten Erben­haf­tung sei unab­hän­gig von § 531 Abs. 2 ZPO zuzu­las­sen, wenn die Vor­aus­set­zun­gen für sei­ne Auf­nah­me unstrei­tig gege­ben sei­en, ist mit Blick auf die Erwä­gun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs zur Zuläs­sig­keit der erst­mals im zwei­ten Rechts­zug erho­be­nen Ver­jäh­rungs­ein­re­de fol­ge­rich­tig. Bei­de Fall­ge­stal­tun­gen betref­fen die Zuläs­sig­keit der Berück­sich­ti­gung unstrei­ti­gen und damit nicht beweis­be­dürf­ti­gen Vor­brin­gens. Nicht beweis­be­dürf­ti­ges Vor­brin­gen hat das Beru­fungs­ge­richt gemäß § 529 Abs. 1 ZPO sei­ner Ent­schei­dung indes­sen ohne Wei­te­res zugrun­de zu legen, denn unter den Begriff "neue Angriffs- und Ver­tei­di­gungs­mit­tel" im Sin­ne des § 531 ZPO fällt ledig­lich strei­ti­ges und damit beweis­be­dürf­ti­ges Vor­brin­gen 1. Für die Auf­nah­me des Vor­be­halts der beschränk­ten Erben­haf­tung bedarf es kei­nes Sach­vor­trags. Es genügt, dass sich der Erbe im Erkennt­nis­ver­fah­ren dar­auf beruft 2. Der Vor­be­halt bedarf kei­ner Begrün­dung 3 unab­hän­gig von den Vor­aus­set­zun­gen des § 531 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 bis 3 ZPO zuzu­las­sen ist, sofern die Erhe­bung der Ein­re­de selbst und die den Ver­jäh­rungs­ein­tritt begrün­den­den tat­säch­li­chen Umstän­de zwi­schen den Pro­zess­par­tei­en unstrei­tig sind 4.

Ein­wand der beschränk­ten Erben­haf­tung in der Beru­fungs­in­stanz

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. Febru­ar 2010 – VI ZR 82/​09

  1. BGHZ [GrS] 177, 212, 214 ff. m.w.N.[]
  2. vgl. BGHZ 122, 297, 305[]
  3. BGH, Urtei­le vom 29.05.1964 – V ZR 47/​62, NJW 1964, 2298, 2300; und vom 09.03.1983 – IVa ZR 211/​81). Vor­aus­set­zung für sei­ne Auf­nah­me in den Ent­schei­dungs­te­nor ist allein die Ver­ur­tei­lung des Beklag­ten als Erbe des Schuld­ners. Der Erb­fall selbst und die Erben­stel­lung des Beklag­ten sind regel­mä­ßig unstrei­tig, weil der Klä­ger die von ihm begehr­te Ver­ur­tei­lung dar­auf stützt. Des­halb spricht viel dafür, die Zuläs­sig­keit des Antrags, die Beschrän­kung der Erben­haf­tung vor­zu­be­hal­ten, im Rechts­streit nicht anders zu behan­deln als die Zuläs­sig­keit der Ver­jäh­rungs­ein­re­de, die, wenn sie erst­mals im Beru­fungs­rechts­zug erho­ben wird, nach der dar­ge­leg­ten Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ((BGHZ [GrS] aaO[]
  4. Prütting/​Gehrlein/​Scheuch, ZPO, § 780, Rn. 9[]