An was soll­te man im Erb­fall den­ken?

Im Todes­fall kommt neben der emo­tio­na­len Belas­tung auch eine Lawi­ne an For­ma­li­tä­ten auf die Hin­ter­blie­be­nen zu. Hier soll­te man bei man­chen Din­gen nicht zu lan­ge war­ten, um nicht even­tu­ell durch Frist­ver­säum­nis Nach­tei­le zu erlei­den, die dann noch zusätz­lich belas­ten.

An was soll­te man im Erb­fall den­ken?

1. Toten­schein und Ster­be­ur­kun­de aus­stel­len las­sen

Der Toten­schein ist zwin­gen­de Vor­aus­set­zung für die Bean­tra­gung der Ster­be­ur­kun­de. Der Toten­schein wird ent­we­der vom Kran­ken­haus oder vom Arzt aus­ge­stellt. Das Stan­des­amt am Wohn­ort wie­der­um stellt nach des­sen Vor­la­ge die Ster­be­ur­kun­de aus. Die­se benö­tigt man zur Vor­la­ge bei Ämtern und Ver­si­che­run­gen.

In der Regel über­nimmt das Bestat­tungs­in­sti­tut die Bean­tra­gung und auch schon eini­ges an For­ma­li­tä­ten wie Mit­tei­lung an die Kran­ken­kas­se, Bean­tra­gung der Wit­wen­ren­te etc.

2. Erb­schein

Wenn man das Erbe annimmt, soll­te man mög­lichst zügig beim Nach­lass­ge­richt einen Erb­schein bean­tra­gen, § 2353 BGB. Für die Bean­tra­gung ist kei­ne gesetz­li­che Frist vor­ge­se­hen, aber es emp­fiehlt sich, den Antrag mög­lichst rasch zu stel­len, um den Nach­lass regeln zu kön­nen.

Den Erb­schein benö­tigt man bei­spiels­wei­se, um auf Bank­kon­ten zugrei­fen zu kön­nen und für die Gel­tend­ma­chung von Ansprü­chen gegen­über der Ver­si­che­rungs­ge­sell­schaft, bei dem der Erb­las­ser sei­ne Lebens­ver­si­che­rung hat lau­fen las­sen.

3. Ver­si­che­run­gen infor­mie­ren

Die Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men (ins­be­son­de­re Lebens­ver­si­che­rung, Kran­ken­ver­si­che­rung und Ster­be­geld) sind unver­züg­lich nach dem Todes­fall zu infor­mie­ren, denn Unfall- und Lebens­ver­si­che­rer behal­ten sich vor, die Todes­ur­sa­che zu über­prü­fen.

Die Ster­be­ur­kun­de und die Ver­si­che­rungs­po­li­ce im Ori­gi­nal sind not­wen­dig, wenn man die Ansprü­che aus einer Lebens­ver­si­che­rung gel­tend machen möch­te.

4. Tes­ta­ment beim Nach­lass­ge­richt abge­ben

Bei aller Trau­er soll­ten die Erben die Unter­la­gen des Ver­stor­be­nen gründ­lich durch­su­chen, um ein mög­li­ches hand­schrift­li­ches Tes­ta­ment zu ent­de­cken. Wird eines gefun­den, muss es beim Nach­lass­ge­richt des Amts­ge­richts am Wohn­ort des Ver­stor­be­nen abge­ge­ben wer­den, § 2259 BGB.

5. Nach­lass­ver­zeich­nis erstel­len

Um Erb- oder Pflicht­tei­le kor­rekt berech­nen zu kön­nen, ist ein Nach­lass­ver­zeich­nis erfor­der­lich. Dar­in wer­den alle Akti­va und Pas­si­va erfasst, um einen Über­blick über die Erb­mas­se zu erhal­ten. Aus dem Nach­lass wer­den alle Ver­bind­lich­kei­ten begli­chen, zu denen auch die Bestat­tungs­kos­ten zäh­len. Bean­tragt ein Nach­lass­gläu­bi­ger die Inven­tar­er­rich­tung, wird eine Frist durch das Nach­lass­ge­richt gesetzt, § 1994 BGB. Die­se Frist soll­ten die Erben ein­hal­ten, denn sonst kön­nen sie die Haf­tung für Nach­lass­ver­bind­lich­kei­ten nicht mehr beschrän­ken, § 1994 Abs. 1 Satz 2 und § 2013 BGB.

6. Finanz­amt infor­mie­ren

Wer erbt, muss das Finanz­amt inner­halb von drei Mona­ten über das Erbe infor­mie­ren, § 30 ErbStG. Hier gibt es je nach Ver­wandt­schafts­grad unter­schied­li­che Frei­be­trä­ge und Steu­er­klas­sen. Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen zur Erb­schafts­steu­er kann man sich bei einem auf die Bear­bei­tung von Nach­lass­sa­chen spe­zia­li­sier­ten Insti­tut ein­ho­len, das auch juris­ti­schen Bei­stand zur Ver­fü­gung stellt.

Auch hier ist das Nach­lass­ver­zeich­nis vor­zu­le­gen, damit das Finanz­amt den Wert des Nach­las­ses fest­stel­len kann, § 31 ErbStG

7. Lau­fen­de Ver­trä­ge kün­di­gen

Für die Ver­trags­kün­di­gung bei­spiels­wei­se von Miet- oder Abover­trä­gen ist die Ster­be­ur­kun­de als Nach­weis erfor­der­lich. Man­che Ver­trä­ge lau­fen den­noch bis zur nächs­ten Fäl­lig­keit wei­ter, gera­de wenn auch noch wei­te­re Fami­li­en­mit­glie­der mit­ver­si­chert sind.

Natür­lich ist das nur ein gro­ber Über­blick. Es kommt wie so oft bei recht­li­chen Fra­gen auf den Ein­zel­fall an und daher soll­te man sich an einen Spe­zia­lis­ten wen­den.