Ergän­zungs­fra­gen einer Par­tei in einem selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Das Gericht muss, auch wenn es selbst die schrift­li­che Begut­ach­tung eines gericht­li­chen Sach­ver­stän­di­gen für aus­rei­chend und über­zeu­gend hält, einem Par­tei­an­trag statt­ge­ben, dem Sach­ver­stän­di­gen Ergän­zungs­fra­gen zu sei­nem Gut­ach­ten zu stel­len, es sei denn, der Antrag ist ver­spä­tet oder rechts­miss­bräuch­lich gestellt.

Ergän­zungs­fra­gen einer Par­tei in einem selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­ren

Nach Mit­tei­lung des schrift­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens haben bei­de Par­tei­en das Recht, dem Sach­ver­stän­di­gen in einer münd­li­chen Ver­hand­lung Fra­gen zu stel­len oder eine Ergän­zung des Gut­ach­tens zu bean­tra­gen, § 411 Abs. 4 Satz 1 ZPO 1. Setzt das Gericht gemäß § 411 Abs. 4 Satz 2 ZPO den Par­tei­en eine Frist, sind Ein­wen­dun­gen gegen das Gut­ach­ten, Anträ­ge auf Anhö­rung oder Ergän­zungs­fra­gen aller­dings inner­halb der vom Gericht gesetz­ten Frist anzu­brin­gen, ande­ren­falls das selb­stän­di­ge Beweis­ver­fah­ren been­det ist 2.

Das Gericht muss dem von einer Par­tei recht­zei­tig gestell­ten Antrag auch dann statt­ge­ben, wenn es selbst das Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten nicht für erklä­rungs­be­dürf­tig hält. Eine Aus­nah­me hier­von gilt nur dann, wenn der Antrag auf Anhö­rung des Sach­ver­stän­di­gen rechts­miss­bräuch­lich gestellt wor­den ist; von Letz­te­rem kann aller­dings nicht die Rede sein, wenn die Par­tei (wie in § 411 Abs. 4 ZPO vor­ge­se­hen) kon­kret vor­ge­tra­gen hat, wor­in sie Unklar­hei­ten und Erläu­te­rungs­be­darf im Hin­blick auf das schrift­li­che Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten sieht und in wel­cher Rich­tung sie ihr Fra­ge­recht aus­üben will 3.

Ob das Gericht die gestell­te Fra­ge inhalt­lich für sinn­voll bzw. erheb­lich erach­tet, ist nach dem Vor­ge­nann­ten ohne Belang, ins­be­son­de­re ist es dem Gericht grund­sätz­lich ver­wehrt, bereits im Rah­men des selb­stän­di­gen Beweis­ver­fah­rens eine Schlüs­sig­keits- oder Erheb­lich­keits­prü­fung vor­zu­neh­men 4.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Beschluss vom 7. Novem­ber 2013 – 4 W 177/​13

  1. vgl. Werner/​Pastor, Der Bau­pro­zess, 14. Aufl., Rn. 112[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2010 – VII ZR 172/​09; Werner/​Pastor, a. a. O.[]
  3. vgl. BVerfG, Kam­mer­be­schluss vom 17.01.2012 – 1 BvR 2728/​10; BGH, Urteil vom 29.10.2002 – VI ZR 353/​01; BGH, Urteil vom 07.10.1997 – VI ZR 252/​96; im Über­blick: Werner/​Pastor, a. a. O.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 16.09.2004 – III ZB 33/​04; Werner/​Pastor, a. a. O., Rn. 34[]