Gebraucht­wa­gen­kauf als Ver­brauchs­gü­ter­kauf

Der Ver­kauf eines Gebraucht­wa­gens durch eine GmbH an einen Ver­brau­cher unter­liegt grund­sätz­lich auch dann den Vor­schrif­ten über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf (§ 474 BGB), wenn es sich hier­bei um ein für die GmbH „bran­chen­frem­des” Neben­ge­schäft han­delt.

Gebraucht­wa­gen­kauf als Ver­brauchs­gü­ter­kauf

Der Ver­kauf beweg­li­cher Sachen durch eine GmbH an einen Ver­brau­cher fällt, auch soweit es sich um bran­chen­frem­de Neben­ge­schäf­te han­delt, im Zwei­fel unter die Bestim­mun­gen der §§ 474 ff. BGB zum Ver­brauchs­gü­ter­kauf1.

Beim Ver­brauchs­gü­ter­kauf ist bei einem beheb­ba­ren Sach­man­gel eine Frist­set­zung zur Nach­er­fül­lung als Vor­aus­set­zung für einen Rück­tritt vom Ver­trag auch im Fal­le eines – unwirk­sa­men – for­mu­lar­mä­ßi­gen Gewähr­leis­tungs­aus­schlus­ses nicht ent­behr­lich2.

In dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall kauf­te der Ehe­mann der Klä­ge­rin im Dezem­ber 2006 von der Beklag­ten, einer im Bereich der Druck­tech­nik täti­gen GmbH, unter Aus­schluss jeg­li­cher Gewähr­leis­tung einen gebrauch­ten Pkw zum Preis von 7.540 €. Nach Über­ga­be und Bezah­lung des Fahr­zeugs erklär­te der Ehe­mann der Klä­ge­rin mit Anwalts­schrei­ben im Janu­ar 2007 die Anfech­tung des Ver­trags wegen arg­lis­ti­ger Täu­schung mit der Begrün­dung, die Beklag­te habe ein Klap­per­ge­räusch im Motor­be­reich ver­schwie­gen. Die Beklag­te erwi­der­te, das Fahr­zeug sei zum Zeit­punkt der Über­ga­be man­gel­frei gewe­sen, wies die Anfech­tung zurück und lehn­te die Rück­ab­wick­lung des Kauf­ver­trags ab. Mit ihrer Kla­ge hat die Klä­ge­rin aus abge­tre­te­nem Recht ihres Ehe­manns die Beklag­te auf Zah­lung von 7.540 € nebst Zin­sen Zug um Zug gegen Über­ga­be des Fahr­zeugs sowie Fest­stel­lung des Annah­me­ver­zugs in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Darm­stadt hat die Kla­ge abge­wie­sen3. Auf die Beru­fung der Klä­ge­rin hat dage­gen das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main der Kla­ge weit­ge­hend statt­ge­ge­ben4. Die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on der beklag­ten Ver­käu­fe­rin hat­te vor dem Bun­des­ge­richts­hof Erfolg und führ­te zur Wie­der­her­stel­lung des die Kla­ge abwei­sen­den erst­in­stanz­li­chen Urteils.

Der Bun­des­ge­richts­hof ent­schied im Anschluss an die Recht­spre­chung zum Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag5, dass auch der Ver­kauf beweg­li­cher Sachen durch eine GmbH im Zwei­fel zum Betrieb des Han­dels­ge­wer­bes der GmbH gehört (§ 344 Abs. 1 HGB) und damit, auch soweit es sich um bran­chen­frem­de Neben­ge­schäf­te han­delt, unter die Bestim­mun­gen der §§ 474 ff. BGB über den Ver­brauchs­gü­ter­kauf fällt. Es ist nicht erfor­der­lich, dass der Geschäfts­zweck der Han­dels­ge­sell­schaft auf den Ver­kauf von Gegen­stän­den gerich­tet ist.

Da die beklag­te GmbH die gesetz­li­che Ver­mu­tung des § 344 Abs. 1 HGB nicht wider­legt hat, han­delt es sich auch im vor­lie­gen­den Fall um ein Unter­neh­mer­ge­schäft im Sin­ne der §§ 14, 474 BGB, so dass der Beklag­ten die Beru­fung auf den ver­ein­bar­ten Gewähr­leis­tungs­aus­schluss ver­wehrt ist.

Gleich­wohl hat­te die Kla­ge im vor­lie­gen­den Fall kei­nen Erfolg: Ein Rück­tritt vom Kauf­ver­trag wegen eines Sach­man­gels des Fahr­zeugs schei­ter­te dar­an, dass der Ehe­mann der Klä­ge­rin der Beklag­ten kei­ne Frist zur Nach­er­fül­lung gesetzt hat­te. Eine Frist­set­zung war im vor­lie­gen­den Fall auch nicht ent­behr­lich, wie das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt in sei­nem Beru­fungs­ur­teil gemeint hat, denn die Fest­stel­lun­gen recht­fer­ti­gen nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs nicht die Annah­me, dass die Beklag­te die Nach­er­fül­lung ernst­haft und end­gül­tig ver­wei­gert hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 13. Juli 2011 – VIII ZR 215/​10

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 09.12.2008 – XI ZR 513/​07, BGHZ 179, 126, zum Ver­brau­cher­dar­le­hens­ver­trag
  2. Auf­ga­be von BGH, Urteil vom 15.11.2006 – VIII ZR 3/​06, BGHZ 170, 31 Rn. 44
  3. LG Darm­stadt, Urteil vom 15.10.2007 – 1 O 95/​07
  4. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 22.07.2010 – 22 U 232/​07
  5. BGHZ 179, 126 ff.